So war es im Auestadion 

Vor Ort beim Rekordspiel: Wenn in der Kurve nichts mehr geht

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Doppelter Glückstag: Justus Loh ist am Ostermontag nicht nur neun Jahre alt geworden, er hat als Einlaufkind auch Maskottchen Totti getroffen.

Tolles Wetter und ein volles Auestadion: Am Ostermontag lockte das Hessenderby zwischen Kassel und Baunatal mehr als 15.000 Menschen ins Stadion. Wir haben Eindrücke gesammelt.

Lange vor dem Anpfiff steht ein Appell. „Liebe Fans in der Nordkurve. Bitte rückt zusammen. Draußen stehen noch viele andere, die reinwollen“, schickt der Stadionsprecher über die Lautsprecher. Gesagt, getan. Und irgendwie rückt die Region ja auch gern zusammen – beim Weltrekordversuch für ein Amateurfußballspiel im Auestadion, beim Hessenligaderby KSV Hessen gegen den KSV Baunatal. Wir sind vor Ort.

Der Einlaufjunge: Für Justus Loh ist es ein doppelter Glückstag: Er feiert seinen neunten Geburtstag. Und er ist eines von 24 Einlaufkindern. Klar, was auf dem Gabentisch lag: rote Stutzen. „Ich bin aufgeregt“, verrät er. In der Bundesliga feuert er Frankfurt an, in der Region die Löwen. So geht hessische Fußballliebe.

In den Kurven: Sagen wir mal so: In der Nordkurve geht nichts mehr. Wäre das gesamte Stadion eine Nordkurve, es wäre ausverkauft. Luft hingegen ist noch gegenüber in der Südkurve, dem Platz für die Gästefans aus Baunatal. Gesanglich sind sie zwischenzeitlich aber eher im Pokal unterwegs. „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“, skandieren sie. „Mal schauen, ob es am Ende für den Weltrekord reicht und wir Teil davon sind“, sagt Kira Werner. Im Stadion zu sein – Ehrensache für die Baunatalerin. „So was muss man unterstützen, auch als Nicht-Fußballfan.“

Auf der Osttribüne: Zwei Jahre war sie bei Heimspielen des KSV geschlossen. Doch klar, für ein Rekordspiel wird die Osttribüne gebraucht. Sie ist mit Zuschauern gefüllt – und auch mit Erinnerungen. Wie bei Alexsandra Wöhner, die mit Frank Meyer im Block neben der Nordkurve sitzt. Früher hatte sie für dieselben Plätze eine Dauerkarte, nun sitzt sie aus alter Verbundenheit wieder dort. Meyer und Wöhner führt der Weg fast direkt vom 21-Stunden-Rückflug aus Australien ins Auestadion. Das Rekordspiel ist Pflicht für die langjährigen Löwen-Fans. „Es ist toll, diese Stimmung zu erleben. Wo sind die Leute sonst?“, fragt Meyer. „Es sollte künftig auf jede Karte Rekordspiel geschrieben werden, dann ist das Stadion immer so voll.“ Und dann würde der KSV Hessen wohl im Alleingang Zuschauerrekorde aufstellen.

Burghard Ibas Löwenliebe dauert mehr als 20 Jahre. „Der KSV Hessen ist mein Heimatverein. Da ist es keine Frage dabei zu sein“, erklärt er. „Super, dass beide Vereine solch ein Spiel möglich machen.“ Aus dem Hintergrund ergänzt jemand: „Passt doch. Die Hälfte der Zuschauer arbeitet sonst zusammen im VW-Werk. Heute stehen sie alle zusammen in der Kurve.“

Die Bratwurst schmeckt: Marlin Porada hat den Test gemacht.

Am Bratwürstchen-Stand: Mehr als 15.000 Fußballfans versorgen? Kein Problem für Gideon Weiß. Zwei Dutzend Bratwürstchen sind fertig, weitere legt er gerade auf den Grill. Schon mehr als 200 Würste hat er verkauft – in weniger als einer Stunde vor dem Anpfiff. Aber: „Für die anderen ist auch noch genug da“, sagt Weiß. „Wir sind gut vorbereitet und guter Dinge.“ Den Bratwurst-Test macht Marlin Porada: „Heiß, aber schmeckt gut“, sagt er.

Im Einsatz: Heinrich Herzog vom Koch Club Kassel. 

Im VIP-Raum: Knusprige Schnitzel, gekochte Kartoffeln und original Kasseler Grüne Soße warten auf die 300 Gäste im VIP-Bereich. Die Köche des Vereins Koch Club Kassel stehen bereits seit Samstag in der Küche. „Zuerst haben wir die Grüne Soße vorbereitet“, sagt Jörg Kloppmann. Allein das habe drei Stunden gedauert. Seit Mittag schwingen die Männer die Bratpfannen, die Schnitzel wollen zubereitet werden. „Mit sechs Männern haben wir das Fleisch paniert und gebraten. Wir machen das alles ehrenamtlich“, sagt Kloppmann.

Chef der Sicherheitsleute: Ernesto Plantera von Protex.

Die Sicherheit: Kaum Staus, kurze Schlangen – Ernesto Plantera, Chef der Kasseler Protex Group, ist zufrieden mit dem Ablauf der Kontrollen am Eingangsbereich. Im Vorfeld habe man sich auf die Menge der zu erwartenden Menschen gut vorbereitet, sagt er. „Der Ablauf war so reibungslos wie der Himmel wolkenlos war.“

Die Tipps: Gut, repräsentativ ist unsere Umfrage jetzt zwar nicht. Am Ende aber liegen drei von fünf Befragten richtig: Einlaufkind Justus hatte eher pauschal einen Sieg für die Löwen prophezeit, die Langzeitfans Frank Meyer und Burghard Iba sogar das richtige Ergebnis: 3:1. Da ist es Nebensache, dass es für den Weltrekord nicht ganz gereicht hat.

Fotos und Video vom Rekordspiel zwischen Kassel und Baunatal

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