Weihnachten schon am 23. Dezember

Fußball-Weltmeister Shkodran Mustafi besuchte U13 des KSV Hessen

Familie Mustafi: Vater Kujtim (links), Luan und Shkodran Mustafi .

Kassel. Ein wenig hat es ihnen doch die Sprache verschlagen. Schüchtern, aber neugierig blicken sie auf den, der da lässig in roter Lederjacke vor ihnen steht. „Hi, wie geht’s?“, fragt er.

„Hi. Gut“, antworten die 20 U13-Fußballer des KSV Hessen so einstimmig, dass ein Chorleiter seine helle Freude gehabt hätte. „Kommt, dann machen wir jetzt mal alle zusammen ein Foto“, sagt der Mann in der roten Lederjacke und übernimmt kurzerhand die Rolle des Dirigenten.

Shkodran Mustafi kennt diese Momente, in denen seine Gegenüber für einen Moment nicht wissen, was sie sagen sollen. 2014 wurde der 23-Jährige aus Bebra mit der Nationalmannschaft in Brasilien Weltmeister. „Die Menschen sehen uns Fußballer oft mit anderen Augen. Aber wir sind alle dieselben. Der einzige Unterschied ist, dass wir immer erkannt werden“, erklärt der 23-Jährige.

Einen Tag vor Heiligabend ist er auf Stippvisite bei der U13 des KSV Hessen. Sein Halbbruder Luan spielt dort. Und für den Zwölfjährigen und seine Teamkollegen ist das ein wenig wie vorgezogene Weihnachten. Am Montag hatte Trainer Thorsten Fischer sie über die gemeinsame Whats-App-Gruppe informiert, dass am Dienstag außerplanmäßig trainiert und ein prominenter Besucher vorbeischauen würde. „Sie waren alle ziemlich aufgeregt“, sagt der Coach. „Es ist ein kleines Geschenk für Jungs.“

Gewünscht hatte sich diesen Besuch Luan schon lange. Und nun hatte es kurzfristig geklappt. Shkodran Mustafi nutzt die Weihnachtstage für einen Besuch bei seiner Familie in der nordhessischen Heimat, am Sonntag fliegt er zurück zu seinem Klub FC Valencia nach Spanien.

Der Besuch jetzt bei der U13-Training, er ist für ihn auch ein Stück Reise in die Vergangenheit. „So habe ich auch mal angefangen. Die Jungs machen genau das, was ich auch in dem Alter gemacht habe“, erinnert sich der 23-Jährige.

„Eine Begebenheit aus der Zeit habe ich nie vergessen: Ich habe mit meinem Verein Bebra 0:10 gegen den SV Rotenburg verloren. Ich war sehr emotional und konnte nicht mehr aufhören zu weinen. Mein Vater musste mich damals vom Platz holen.“ Als Zwölfjähriger war er noch Stürmer, als Innenverteidiger aber hat er seine Rolle auf dem Feld gefunden, ist Weltmeister geworden und verpasste mit Valencia nur knapp die K.o.-Runde der Champions League.

„Bei solchen Besuchen sehe ich, wie kurz die Distanz von den Trainingsplätzen hier bis in die großen Stadien ist. Hier hat es auch für mich angefangen. Bei den Jungs hier kann ich mir Bodenständigkeit wiederholen“, erklärt Mustafi. Sein Ratschlag an die Talente von heute: „Auch wenn es natürlich einfacher ist zu sagen, wenn man selbst erfolgreich ist: Habt Spaß. Seid ehrgeizig. Das hat mich nach vorn gebracht. Und das bringt euch weiter.“

Eine Stunde, unzählige Selfies und Autogramme später, ist die Stippvisite beendet. Die anfängliche Scheu haben die Jungs längst abgelegt. Auch Luan posiert im KSV-Trikot mit Bruder und Vater. „Ich war ganz schön aufgeregt. Es ist toll, dass Shkodran hier ist“, sagt er dann und grinst.

Für den Weltmeister geht’s mit seinem Vater zurück nach Bebra. Auch wenn die Mustafis als Moslems kein Weihnachten feiern – Mustafi sagt: „Wir wünschen allen ein frohes Fest. Und natürlich genießen wir die gemeinsamen Tage. Zuhause bleibt Zuhause.“

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