Dirk Lassen: kein Insolvenzantrag in der laufenden Saison und mehr als Hoffnung

Interview mit KSV-Finanzvorstand: „Werden weiter Regionalliga spielen“

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Bleibt weiterhin Heimstätte eines Fußball-Regionalligisten: das Kasseler Auestadion.

Kassel. Er ist bei den Löwen verantwortlich für das Geld: Dirk Lassen ist Finanzvorstand des strauchelnden Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel. Sein Klub kämpft ums wirtschaftliche Überleben.

Lassen sagt aber klar: „In dieser Woche wird es keine Insolvenz geben.“ Ein Gespräch über Insolvenz, Hoffnungen und Interessenskonflikte.

Herr Lassen, der KSV kämpft ums Überleben, seine Anhänger schreiten öffentlichkeitswirksam voran. Wie empfinden Sie das, was derzeit passiert? 

Lassen: Das ist ganz hervorragend, was die Fans sich einfallen lassen. Unglaublich, mit welchem Engagement da alle zu Werke gehen. Es ist toll, das zu sehen.

Wie sehr helfen die vielen kleinen und größeren Aktionen dem KSV? 

Lassen: Sie sind ein wichtiger Baustein für den Fortbestand des KSV Hessen. Das kann man definitiv so sagen.

Klar ist aber sicher auch: Die Summen, die auf diesem Weg zusammenkommen, werden den Verein nicht retten. Was passiert derzeit hinter den Kulissen? 

Lassen: Die Marketingabteilung arbeitet mit Hochdruck daran, die Zukunft des Vereins zu sichern. Es werden viele Gespräche geführt in der Hoffnung, Menschen für den KSV zu motivieren. Und die Zukunft zu sichern.

Haben Sie Hoffnung? 

Lassen: Ja.

Auch auf einen Hauptsponsor? 

Lassen: Das nicht. Aber darauf, dass wir einen Pool finden, der die Lücke füllen kann, die der Hauptsponsor hinterlassen hat.

Ganz konkret: Es gibt den ersten wichtigen Termin Ende der Woche: Können Sie - Stand jetzt - sagen, ob der KSV bis zum letzten Spieltag Insolvenz anmelden wird? 

Lassen: Ich kann Ihnen definitiv sagen, dass wir bis zum letzten Spieltag nicht Insolvenz anmelden werden. Wir haben uns finanziell etwas Luft verschaffen können. Wir müssen diesen Schritt vor dem Spiel in Saarbrücken nicht gehen.

Und darüber hinaus? Haben Sie Hoffnung, dass es eine weitere Saison in der Regionalliga geben wird für die Löwen? 

Lassen: Ja, auch die habe ich. Sie liegt bei 78,5 Prozent. Ich würde sogar sagen: Es ist mehr als Hoffnung. Ich habe die absolute Zuversicht, dass wir auch in der kommenden Saison Regionalliga spielen können.

Gute Nachrichten. Spielt bei Ihrer Zuversicht auch das Gerücht eine Rolle, dass Darlehen von Gönnern in Spenden umgewandelt werden sollen? 

Lassen: Nein, denn so einfach ist das nicht. Wir sind ein gemeinnütziger Verein. Spenden können da nur im Rahmen der steuerlichen Möglichkeiten eingebracht werden. Davon können wir nicht den Spielbetrieb der ersten Mannschaft finanzieren. Das würde dem Finanzamt nicht gefallen.

Stecken Sie eigentlich nicht in einem tiefen Interessenskonflikt? Sie müssen über eine Insolvenz entscheiden, sind aber selbst ein Darlehensgeber - und somit Gläubiger. 

Lassen: Ich kann dazu nur sagen: Es geht mir und uns allein um den KSV. Alle Darlehensgeber würden sich im Falle einer Insolvenz eher gut stellen. Sie hätten zwar einen Schaden, aber die Quote wäre akzeptabel. Also nein: Ich sehe keinen Interessenskonflikt.

Sie sind einer derer, die den KSV mit ihrem Geld stets unterstützen. Bei den Fans haben Sie trotzdem keinen Kredit. Sie fordern Ihren Rücktritt. Können Sie das nachvollziehen? 

Lassen: Es ist im Grunde sehr einfach: Wir sind vom Aufsichtsrat berufen worden. Wir machen das im Ehrenamt. Und wir machen das alles für den KSV. Natürlich macht man sich damit nicht nur Freunde. Und natürlich haben wir auch nicht immer alles richtig gemacht.

Klingt nach einem Eingeständnis? 

Lassen: Ja, das können Sie so nennen. Wir haben, ich habe Fehler gemacht. In unseren Gremien, da wird gut zusammengearbeitet. Aber die Außendarstellung war nicht immer gut.

Vielleicht passte es auch nicht, dass Sie gleichzeitig als Sponsor und 2. Vorsitzender beim CSC 03 Kassel tätig sind. Ist das nicht auch ein Interessenkonflikt? 

Lassen: Nein, den sehe ich nicht.

Es gab aber zum Beispiel Gerüchte, dass Sie gern beide Klubs in einer Spielklasse sehen würden. Und einem Rückzug des KSV in die Hessenliga nicht abgeneigt sind. 

Lassen: Das stimmt absolut nicht. Wenn es einen Traum gab, dann den von einem Dreigestirn KSV, FSC Lohfelden, CSC 03. Drei Klubs, die in drei aufeinanderfolgenden Klassen spielen. Und das zur Zusammenarbeit nutzen. Zum Austausch von Spielern. Bei dieser Idee stand der KSV aber immer oben. Wenn ich da mal wen ärgern wollte, dann höchstens Andreas Fehr. Dem habe ich immer gedroht, dass wir seinen Lohfeldenern im Nordhessenstadion die Punkte klauen.

Erwägen Sie wegen der Kritik an Ihrer Person einen Rücktritt? Oder die Rückkehr in den Aufsichtsrat, etwas heraus aus der Schusslinie? 

Lassen: Es ist durchaus möglich, dass es in den Vereinsgremien Veränderungen geben wird. Dazu möchte ich derzeit aber nichts sagen.

Zur Person

Dirk Lassen (50) kommt aus Düsseldorf. Sein Opa gründete in Kassel das Unternehmen Albert Beck, das Heizöl vertreibt. Heute ist Lassen Geschäftsführer der Albert Beck GmbH. Seit Jahren engagiert er sich beim KSV, war Aufsichtsratsvorsitzender und ist mittlerweile Finanzvorstand.

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