Gibt es weniger Absteiger?

Wie lange wird noch gezittert? Fragen und Antworten zu Folgen des Saisonendes der Amateure für die Regionalliga Südwest

Marco Dawid.
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Marco Dawid.

Das Thema kocht hoch: Nachdem die Saison für Amateurfußballer beendet wurde, stellt sich die Frage nach der Wertung sowie daraus resultierenden Folgen für die Regionalliga Südwest – und somit den KSV Hessen Kassel.

Kassel – Gibt es trotz weniger absolvierter Spiele Aufsteiger aus den Oberligen? Könnte es weniger Absteiger geben? Fragen und Antworten:

Was steht jetzt schon fest?

Einmalig wurde in der Spielordnung der Regionalliga Südwest verankert, dass es sechs Absteiger gibt – unabhängig davon, wie viele Mannschaften aus der 3. Liga herunterkommen. „Langfristig wollen wir auf 18 Teams reduzieren. Hätten wir das in einem Schritt gemacht, hätte es mindestens sieben Absteiger gegeben. Das war uns zu viel“, erklärt Sascha Döther, Geschäftsführer der Regionalliga Südwest. Da es – normalerweise – vier Aufsteiger aus den Oberligen gibt sowie einen aus der Regionalliga in die Dritte Liga, wäre die Anzahl der Mannschaften bei sechs Absteigern auf 19 reduziert worden. „Wenn man davon ausgeht, dass eine Mannschaft aus der Dritten Liga absteigt, haben wir in der kommenden Saison 20 Klubs“, sagt Döther. Kaiserslautern sowie Mannheim könnten derzeit noch in die Südwest-Staffel absteigen. Fest steht: Egal, wie es kommt, es hat keinerlei Auswirkungen auf die Anzahl der Absteiger.

Was steht nicht fest?

Ob es Aufsteiger aus den Oberligen geben wird. Hessen und Baden-Württemberg haben sich noch nicht geäußert, Rheinland-Pfalz und das Saarland sind vorgeprescht und haben Eintracht Trier als Meister und Aufsteiger (acht absolvierte Spiele) sowie Wormatia Worms als Zweiten (neun Spiele) gemeldet. Entschieden wurde das durch die Quotientenregel. Döther sagt dazu: „Die Träger der Oberligen können für sich entscheiden, ob sie Aufsteiger melden möchten.“ In Hessen beträfe das Barockstadt-Fulda (1.) und Hessen Dreieich (2.), in Baden-Württemberg Freiberg (1.) und die Stuttgarter Kickers (2.).

Würde es weniger Absteiger geben, wenn keine Mannschaft aufsteigt?

Ja. „Wenn es keine Aufsteiger gibt, reduzieren sich die Absteiger“, erklärt Döther. Das sei in der Spielordnung so festgehalten. Heißt: Sollte es am Ende dazu kommen, dass kein Team aus der Oberliga aufsteigt, müssten nur zwei Mannschaften aus der Regionalliga absteigen.

Ist eine kurzfristige Entscheidung zu erwarten?

Eher nicht. Döther sagt, dass sich die Regionalliga Südwest erst einmal zurückhalten und weitere Entscheidungen abwarten werde. Denn eine vergleichbare Situation herrscht auch in Sachen Aufstieg aus den fünf Regionalligen in die Dritte Liga. Während im Südwesten und Westen gespielt wird, haben die anderen drei Staffeln den Betrieb ausgesetzt. Der letzte Spieltag der Regionalliga Südwest findet am 12. Juni statt, der der Dritten Liga am 22. Mai. Es könnten Präzedenzfälle geschaffen werden.

Wer hat sich positioniert?

Die Vereine der Regionalliga Südwest. Ligasprecher Rafael Kowollik, Geschäftsführer des FC Homburg, verfasste ein gemeinsames Statement mit der mehrheitlichen Meinung der Klubs, das am Freitag an die Träger der Regionalliga und der Oberligen gehen soll. Zusammengefasst heißt es da: Es sei ungerecht, dass nach einer Mammutsaison mit 42 Spielen sechs Teams absteigen müssen, während Oberligisten nach acht bis maximal 13 Partien aufsteigen dürfen. Durch die Annullierung der Spielzeit würde es keine Wertung geben, warum sollte eine Ausnahme beim Regionalliga-Aufstieg gemacht werden? Hätte die Regionalliga die Saison frühzeitig abgebrochen, hätte es gar keine Absteiger geben dürfen.

Kowollik appelliert zudem an die Werte (Leistungsgedanke, Fairness, Respekt), moniert einen Systemfehler, weil Oberligaträger gleichzeitig Gesellschafter der Regionalliga seien und dadurch einen Interessenkonflikt hätten und fügt an, dass sich durch die Einstufung der Regionalliga als Profisport eine neue Bewertungssituation ergeben habe.

Drohen Klagen?

Ja. Kowollik schreibt, dass sich Vereine vereinzelt bereits rechtlichen Beistand suchen. Stadtallendorf und Pirmasens haben das bereits öffentlich gemacht. Döther geht davon aus, dass es auch Klagen von Oberligisten geben wird. „Das ist mittlerweile normal. Es gefällt uns nicht, aber wir sind es gewohnt. Jeder denkt nur an sich“, sagt er.

Gibt es Kritik an der derzeitigen Situation?

Matthias Schmelz, nordhessischer Regionalbeauftragter, sagt: „Theoretisch könnte man die Saison werten. Es besteht aber auch die Möglichkeit, nicht zu werten. In der Spielordnung steht dazu, dass das möglich wäre, wenn eine erhebliche Unterschreitung der Spielzahl gegeben ist. Für mich persönlich ist es eine erhebliche Unterschreitung.“ Schmelz wünscht sich, dass sich der Hessische Fußball-Verband (HFV) positioniert und die Sinnhaftigkeit von Aufsteigern infrage stellt. „Bislang traut sich niemand, das zu sagen. Es liegt aber am HFV, ein Signal an seine Vereine in der Regionalliga zu senden, damit sie planen können.“ (Maximilian Bülau)

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