Umbruch, der Sorgen bereitet

Wie schmerzhaft wird der Sommer für den KSV Hessen? Eine Analyse

Mahir Saglik.
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In der kommenden Saison nicht mehr dabei: Mahir Saglik.

Mit der Verpflichtung von Hendrik Starostzik hat Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel endlich ein Signal in die andere Richtung gesetzt. Zwei Wochen vor dem Trainingsauftakt stehen Coach Tobias Damm aber dennoch erst drei Torhüter und 16 Feldspieler zur Verfügung.

Kassel – Zu diesen zählen auch Moritz Flotho und Paul Stegmann, die in diesem Sommer den Schritt aus der A-Jugend in die erste Mannschaft gehen – Beispiele aus der Vergangenheit haben gezeigt, dass mindestens ein halbes Jahr nötig ist, um sich einzugewöhnen. Meistens länger.

Es fehlt also noch einiges. Damm forderte unlängst im Interview mit unserer Zeitung fünf bis sechs Neuzugänge. Einen hat er seitdem bekommen. Die einzigen Angreifer im Kader heißen derzeit Jon Mogge, Marcel Fischer und Flotho, Marco Dawid wird wegen seines Kreuzbandrisses noch einige Zeit fehlen. Zudem sind wohl auch Kevin Nennhuber und Tim Brandner zum Start der Vorbereitung nicht fit. Die Baustellen häufen sich, Damm sagte auch, der Umbruch im Team sei zu groß. Was ist falsch gelaufen? Und wie schmerzhaft wird dieser Sommer für die Löwen?

Zunächst zur ersten Frage. Der KSV hatte durch finanzielle Unwägbarkeiten keine Planungssicherheit. Was wird mit Sponsoren in der kommenden Saison? Wer wird Trikotsponsor, da es die DRK Kliniken Nordhessen wohl nicht mehr sein werden? Wie ist die Zuschauersituation? Klar, bei den ersten Vertragsgesprächen, die im März auch auf Spielerwunsch stattgefunden haben, konnte der Klub keine großen Sprünge machen. Der Klub heißt: die Sportliche Leitung und der Finanzvorstand.

Mittlerweile ist die Situation entspannter. Es wird Geld vom Land kommen und bei der derzeitigen Inzidenz werden wohl auch Zuschauer zugelassen sein, wenn Mitte August die neue Spielzeit beginnt. Das war vor wenigen Monaten so nicht abzusehen. Abgänge wie die von Robin Urban, Nils Pichinot und Sebastian Schmeer hätten ohnehin nicht verhindert werden können. Die Forderungen von Alexander Mißbach konnte der Verein nicht erfüllen. Mittlerweile deutet sich an, dass ein Verbleib nicht unrealistisch ist. Wäre Planungssicherheit frühzeitiger gegeben gewesen, würden Adrian Bravo Sanchez und Mahir Saglik im kommenden Jahr vielleicht ebenfalls noch das Löwentrikot tragen – und an der Personalie Saglik hängt eben auch die von Alban Meha.

Dass nicht klar war, wie es finanziell aussieht, kann dem Verein nicht zum Vorwurf gemacht werden. Sehr wohl aber, wie das den Spielern vermittelt wurde. Leistungsträgern zu sagen ‘Wir sind zufrieden, trotzdem gibt es weniger Geld.’, ist für diese schwer zu akzeptieren. Statt ein nicht zufriedenstellendes Angebot abzugeben, wäre eine Möglichkeit gewesen, Anerkennung zu zeigen und deutlich zu machen, dass die Situation nicht mehr hergibt, diese sich aber verändern kann. Da macht der Ton die Musik. Es ist kein Geheimnis, dass einige Spieler vom Umgang enttäuscht waren. Allen voran Bravo Sanchez und Saglik, der mit 17 Treffern zu den besten Torschützen der Regionalliga Südwest gehörte, aber nicht mehr ins Anforderungsprofil der Sportlichen Leitung passte.

Diese hat sich nun vor allem in Person von Jörg Müller, Sportlicher Leiter des KSV, selbst unter Druck gesetzt. Wie nervös das Umfeld des Vereins derzeit ist, zeigt, dass Fans bei unserer Zeitung anrufen und fragen, warum Müller derzeit im Urlaub sei – in einer Phase, in der sein Kerngeschäft läuft. Ob diese Information richtig ist, können wir nicht bestätigen.

Wie schmerzhaft dieser Sommer nun wird für die Löwen, wird sich zeigen. Klar ist: Viel Zeit bleibt nicht mehr, aber viele Planstellen sind noch offen. Fehlgriffe wie der von Pascal Maiwald, der verpflichtet wurde, obwohl er bereits mehrere Knieverletzungen hatte, sollten nicht dabei sein. Das nordhessische Publikum ist ein skeptisches. Und deswegen ist der Saisonstart umso wichtiger, damit das Auestadion zum Anziehungspunkt wird. Das wiederum wäre wichtig für die Mannschaft – und die Kasse. (Maximilian Bülau)

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