Über Finanzen und Vertragsverhandlungen

KSV-Vorstand Swen Meier: „Wir müssen reduzieren“

Mahir Saglik (vorn) und Adrian Bravo Sanchez.
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Auch ihre Verträge laufen aus: Mahir Saglik (vorn) und Adrian Bravo Sanchez vom KSV Hessen Kassel.

Durch zwei Siege in Folge hat Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel im Abstiegskampf für etwas Ruhe gesorgt.

Kassel – Morgen könnte im Heimspiel gegen den VfR Aalen mit Ex-Trainer Uwe Wolf im Auestadion (14 Uhr) erstmals der dritte Sieg hintereinander in dieser Spielzeit gelingen. Hinter den Kulissen rumort es nach Informationen dieser Zeitung aber wohl schon eine Weile. Der Grund: Viele Spielerverträge laufen im Sommer aus – und die ersten Gespräche verliefen aus Sicht der Fußballer nicht wie gewünscht. Wir haben darüber mit KSV-Finanzvorstand Swen Meier gesprochen. Der 42-Jährige erklärt, warum finanziell derzeit nicht mehr möglich ist.

Swen Meier über ...

die Etatplanung für die kommende Saison: „Der Etat für das kommende Jahr ist weit weg von dem für dieses. Wir haben mit Zuschauern bei 17 Heimspielen kalkuliert. Wohlwissend, dass es Geisterspiele geben könnte. Dass wir nur fünf Heimspiele mit Zuschauern haben werden, konnte damals niemand ahnen. Die Folge ist: Wir verfehlen unsere Planungen bei den Einnahmen, die Ausgaben bleiben aber gleich. Volle Gehälter, weil wir spielen. Stand Dezember hatten wir ein Minus von 85 000 Euro. Das hat sich nicht gebessert. Zudem könnte es zu Rückforderungen bei Sponsoren und und Dauerkarten kommen.

Wir haben Rücklagen aus 2018 und 2019. Die werden im Sommer aufgebraucht sein. Dementsprechend werden wir keinen Spielraum mehr haben. Wir haben sehr konservativ geplant, weil viel unsicher ist. Sponsoreneinnahmen, wie viele Geisterspiele – das steht alles nicht fest. Die Ausgaben können so nicht weiterlaufen. Dann fahren wir den Verein gegen die Wand. Wir müssen reduzieren. Und das geht nur über die Gehälter der ersten Mannschaft und die Verkleinerung des Kaders. Alles andere ist schon am Minimum und wir haben immer gesagt, dass wir die Jugend nicht für die erste Mannschaft beschneiden. Ich hatte einen Wunschetat, der größer war, aber den hat der Aufsichtsrat nicht durchgewunken.“

die Ausrichtung für die kommende Saison: „Wir wollen nicht komplett in den Amateurbereich abstürzen. Das heißt: Wir wollen Spieler nicht ausschließlich auf 450-Euro-Basis anstellen.“

Vertragsverhandlungen: „Wegen der vielen Unsicherheiten hätten wir eigentlich frühestens im Mai Gespräche führen können. Die Spieler brauchen aber auch Klarheit. Enrico Gaede und ich haben vor der Mannschaft offen und ehrlich gesagt, wie bei uns der Stand ist. Wir wollen nicht reich werden, an dem, was wir einsparen. Wir würden gern mehr geben. In den Gesprächen haben wir dann das angeboten, was wir uns Stand jetzt zutrauen. Das haben wir zeitlich begrenzt und gesagt, dass es im Mai eine weitere Gesprächsrunde geben wird. Ob die Konditionen dann besser, schlechter oder genauso sind wie jetzt, lässt sich nicht sagen. Das alles ist bei den Spielern natürlich nicht auf Beifall gestoßen. Aber die Zahlen sind Stand jetzt fair. Das sehen die Spieler anders. Das kann ich auch verstehen. Ich würde genauso denken, wenn mein Chef mir sagt: ‘Du hast gute Arbeit gemacht. Aber du bekommst trotzdem für dieselbe Leistung in Zukunft weniger Geld.’ Aber das sind die Folgen der Pandemie. Ich bin keinem Spieler etwas verpflichtet. Ich bin den Mitgliedern und Fans dieses Vereins sowie den Sponsoren verpflichtet.

Möglichkeiten, Verträge anders zu gestalten: Ich bin kein Freund davon, jetzt zu sagen, dass es in irgendwelchen Fällen mehr Geld geben könnte. Das sind nur Strohhalme, an denen sich die Spieler festhalten, und am Ende werden sie vielleicht doch enttäuscht. Wenn es in ein paar Monaten wirtschaftlich deutlich besser laufen sollte, dann kann man immer noch über Prämien sprechen. Klar ist aber auch: In der Oberliga wären die Zahlen noch einmal ganz andere. Und eine sportliche Sicherheit haben wir derzeit ja auch noch nicht.“ (Maximilian Bülau)

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