Der KSV wird wieder wahrgenommen

Der doppelte Feigenspan: Der Stürmer des KSV Hessen in echt und auf Plakat – beides vor dem Auestadion. Foto: Zgoll

Kassel. Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel empfängt am Samstag Elversberg zum Spitzenspiel. Wie werden die Löwen in der Stadt wahrgenommen? Eine Spurensuche.

Es tut sich etwas rund um die Löwen, die so oft als „schlafender Riese“ bezeichnet werden. Nach dem guten Saisonstart und den Festspielwochen mit dem Pokalspiel gegen Hannover 96 könnte man sagen: Der Riese rekelt sich. Vor dem Spitzenspiel gegen Elversberg (heute 14 Uhr, Auestadion) scheint Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel wieder stärker angenommen zu werden in der Region. Eine Spurensuche vor Ort in Kassel.

DER CHEF

Hans-Jochem Weikert

Wir treffen den Vorstandsvorsitzenden Hans-Jochem Weikert und Marketingmann Michael Pfeffer im Kasseler Coffeestore. Der Chef der Löwen ist zufrieden. „Wir sind wieder wer“, sagt Weikert. Er sagt das mit Stolz, aber ohne Übermut. Er berichtet, dass er nun immer häufiger angesprochen werde in der Stadt. Dass er einen gewaltigen Stimmungsumschwung spüre. Wie die emotionale Bindung an die Löwen offenbar wieder steige. Er rühmt die Verdienste von Geschäftsstellenleiter Torsten Pfennig. Berichtet, dass die Festspielwochen rund um das Pokalspiel ja kein reiner Zufall, sondern durchaus auch gesteuert gewesen seien. Lobt die Mannschaft und ihren Trainer Matthias Mink. Sagt: „Ich rechne mit 5000 Zuschauern gegen Elversberg. Und hoffe doch, dass es noch mehr werden.“

Irgendwann legt Weikert eine Karikatur neben seine Kaffeetasse. Sie zeigt einen Fan vor dem TV, der in der Fußballpause überrascht feststellt: „Was, wir haben Kinder?“ Weikert möchte irgendwann Comics zeigen im Vip-Raum des Auestadion. Er mag diese Verbindungen von Sport, Kultur, Gesellschaft. Auch deshalb zeigen sich die Löwen wieder bei den großen Festen wie Zissel und Wehlheider Kirmes. „Wir wollen den KSV auch leben“, sagt Weikert.

DAS REGIONALE JUWEL

Der Treffpunkt mit Mike Feigenspan ist vor dem Auestadion, und das Besondere daran ist, dass der 20-Jährige hier gleich doppelt präsent ist: Ihn gibt es einmal in echt und im Kapuzenshirt - und einmal auf der Litfaßsäule in Siegerpose. Der Stürmer ist Teil einer groß angelegten Plakataktion rund um die Löwen. Wie sehr die Wirkung gezeigt hat, davon kann auch Feigenspan berichten: „Viele Freunde und Bekannte haben mir auf mein Handy Bilder geschickt, die sie vor einem Plakat mit mir zeigen.“

Wir übertragen das Spiel des KSV gegen Elversberg im Radio und per Live-Ticker.

Feigenspan ist so etwas wie das Juwel des Klubs: Er ist jung und in Kassel geboren, wenn er den Ball hat und Raum, dann geht er ab wie ein Zäpfchen. Er beschert dem Publikum besondere Momente und schöne Zitate. Zum Beispiel das: „Ich bin ein Kasseler Junge und stolz darauf, beim KSV spielen zu dürfen.“ Sein Kindheitstraum? Nicht ganz: „Mein Kindheitstraum ist die Dritte Liga.“ Feiegnspan ist das, was dem KSV lange gefehlt hat: eine Identifikationsfigur, mit der die Fans gewisse Hoffnungen und eine bessere Zukunft der Löwen verbinden.

DER MARKETINGMANN

Michael Pfeffer ist der Mann für die Sponsorensuche beim KSV. Neulich hat er einen Anruf erhalten von einem, der überlegt, die Löwen zu unterstützen. „Er hat in seinem Büro gesessen und durch das Fenster eines unserer Plakate gesehen“, berichtet Pfeffer. Die größere Aufmerksamkeit, vor allem aber die sportlichen Erfolge helfen ihm bei der beschwerlichen Suche nach neuen Sponsoren. „Vor einem Jahr habe ich oft zu hören bekommen: Machen Sie erst mal ihre Hausaufgaben“, sagt Pfeffer. Nun spürt er weit mehr Entgegenkommen.

Rund 20 neue Kleinsponsoren seien hinzugekommen. Die Hoffnung auf einen größeren Partner sei auch da. Was Pfeffer auch wichtig ist: „Wir wollen nicht nur Geld. Wir wollen auch die Herzen.“ Deshalb erzählt er, wie kürzlich ein Sponsor aus Frankfurt zum Spiel nach Kassel gereist ist und erst einmal Fanartikel geordert hat.

DIE VERKÄUFER

Besuch im Fanpoint am Kasseler Friedrichsplatz, KSV-Trikots und Schals gibt es bereits im Eingangsbereich. „Es hat wieder etwas mit Fußball zu tun. Die Mannschaft hat doch super gespielt gegen Hannover“, sagt Inhaber Harald Hüther und lobt die jüngste Entwicklung der Löwen.

Eine Entwicklung, die sich bezahlt macht. „Fast 50 Prozent Steigerung. So viel wie noch nie“, sagt Geschäftsführer Sven Bertel über den Verkauf an KSV-Fan-Utensilien. Trikots seien der Renner, vor allem mit dem Schriftzug von Stürmer Shqipon Bektashi, der jetzt schon eine Art Publikumsliebling ist.

Der Hype fing mit den Pokalerfolgen an, berichtet Bertel, der bald auch neue T-Shirts der Löwen verkaufen will und von einem Auestadion träumt, in dem die Vereinsfarben wieder viel präsenter sind. In vielen Gesprächen hat Harald Hüther auch einen Stimmungsumschwung ausgemacht: „Es wird nicht mehr so viel gemährt. Die Haltung zum KSV ist positiv.“

DIE MANNSCHAFT

„Es ist Sache des Trainers, dass die Mannschaft nicht nur auf dem Feld präsent ist“, sagt Weikert. Unter Matthias Mink sind die Spieler offener geworden - kein Vergleich zu Zeiten, in denen Uwe Wolf seine Mannschaft abgeschottet hat.

Das Wichtigste bleibt aber das Sportliche. Unter Mink hat sich das Team entwickelt, zudem stimmen die Rahmenbedingungen. Neuzugang Hasan Pepic hat das jünsgt betont: „Die sind hier besser als bei manchem Zweitligisten.“

Er trainiert jetzt mit den anderen auf einem der Sportplätze an der Damaschkestraße - Vorbereitung auf das Spitzenspiel gegen Elversberg. Es scheint die Sonne.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.