Der Häuptling im Hintergrund

Wolfgang Linnenbrink verabschiedet sich als Aufsichtsrats-Chef des KSV Hessen

Unternehmer und KSV-Aufsichtsratsvorsitzender: Wolfgang Linnenbrink in seiner Firma in Warburg. Foto: Hagemann

Warburg. Wolfgang Linnenbrink legt heute sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel nieder. Mit ihm geht einer, der mitunter umstritten war und eher im Hintergrund gewirkt hat. Ein Porträt.

Wolfgang Linnenbrink hat nun 90 Minuten über sein Leben und den Fußball gesprochen. Er ist durch die Räume seines Unternehmens im westfälischen Warburg gegangen und hat erklärt, was in den Produktionshallen gefertigt wird.

Als alles besprochen ist, holt er tief Luft und sagt: „Wissen Sie, wenn ich daran denke, dass ich am Montag beim KSV aufhöre, dann macht mir das sehr zu schaffen.“

Linnenbrink legt heute sein Ehrenamt als Aufsichtsratsvorsitzender beim Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel nieder - aus familiären Gründen. Dabei betrachtet der 69-Jährige den KSV selbst ein Stück weit als Familie, in der er in den vergangenen zwei Jahren so etwas wie ein Häuptling im Hintergrund war. Nach zwei Jahren im Aufsichtsrat wurde er Chef des Gremiums. Er war am Anfang bei einigen Fans nicht unumstritten. Was bei ihm bleibt aber, ist vor allem der Stolz darauf, dass es nach einer turbulenten Zeit wieder ruhiger geworden ist rund um die Löwen.

Überhaupt spielt Stolz eine gewisse Rolle in Linnenbrinks Leben - „gesunder Stolz“, wie er anmerkt. Er prahlt nicht mit seiner Lebensleistung, aber er verschweigt sie auch nicht, wobei er anmerkt: „Ich bin ein einfacher Mensch.“ Es gibt uninteressantere Biografien: Geboren in Marsberg, wo er den Fußball lieben lernt - als Fan des 1. FC Köln. Mit einem Freund fährt er mit dem Zug zur Partie gegen Real Madrid, sammelt Autogramme, die er stets aufbewahrt hat. Er hat Technischer Zeichner am Reißbrett gelernt, „nie studiert“, wie er sagt. Er war lange Angestellter, auch mal Filialleiter bei Aldi. Bevor er selbstständig wurde, arbeitete er bei einer Firma, die Maschinen für die DDR gefertigt hat. Linnenbrink hatte ein Dauervisum und musste auch bei dem kürzlich verstorbenen Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski vorstellig werden.

1992 baut Linnenbrink in Warburg ein eigenes Unternehmen mit 30 Angestellten auf, das zum Beispiel Prüfmaschinen für Zahnräder in Getrieben konstruiert, erstellt und in die Welt vertreibt. Jahresumsatz: 3,8 bis fünf Millionen Euro. Hauptkunden sind Autohersteller. Gerade sind drei Lkw vom Hof gefahren mit Produkten, die auf Reise nach China gehen.

Er arbeitet immer noch 

Mittlerweile hat Linnenbrinks Sohn die Geschäfte übernommen, Wolfgang Linnenbrink aber arbeitet noch jeden Tag mit. „Ich kann mich nicht mit mir selbst beschäftigen“, sagt er. Kürzlich hat er einen Spruch gelesen, der ihm so gut gefallen hat, dass er ihn aufgeschrieben hat: „Man sollte sich über das Tun definieren und nicht über den Schein.“

Er bleibt Sponsor

Er wird Sponsor bleiben beim KSV - so, wie er all die Jahre Sponsor gewesen ist. Er sagt nicht konkret, wie viel er in den Klub investiert hat, aber: „Ein schickes Einfamilienhaus können Sie dafür kaufen - zumindest in Warburg.“ Linnenbrink sagt: „Sponsoring macht man nicht nur, um einfach Sponsor zu sein, sondern um eine positive Beziehung aufzubauen.“

Und jetzt? Wird er mehr Freizeit mit der Familie verbringen. Ein Hobby ist gesetzt: Die Linnenbrinks unterhalten Sportpferde, sie sind häufig auf Turnieren, feiern Siege. Linnenbrink sagt: „Manchmal frage ich mich: Warum bloß ist der KSV nicht auch so erfolgreich?“

Hintergrund: Am Anfang umstritten: Linnenbrink und seine Zeit bei den Löwen

Wolfgang Linnenbrink war vor allem am Anfang seiner Zeit als Aufsichtsrat nicht unumstritten. Das hatte vor allem mit einer Personalie zu tun: der Verpflichtung des ehemaligen Nationalspielers Rüdiger Abramczik, den der KSV 2012 als Sportdirektor anstellte. Linnenbrink fädelte das Engagement ein – über Hans-Joachim Watzke, den Geschäftsführer von Borussia Dortmund, den er aus seiner Heimat Marsberg kennt.

Abramczik aber geriet schnell in die Kritik, auch weil es Differenzen mit dem damaligen Trainer Uwe Wolf gab. Einige Fans machten mobil: gegen Abramczik, gegen Linnenbrink. Auf Flugblättern forderten sie unter anderem: „Linnenbrink raus.“

Linnenbrink sieht das heute gelassen. Ihn hätte das schon damals nicht berührt, weil er immer gewusst habe, aus welcher Ecke die Angriffe kamen. Er bringt sie mit Uwe Wolf in Verbindung. Die Personalie Abramczik verteidigt er nach wie vor. Mit dem ehemaligen Nationalspieler, der nach einem knappen halben Jahr bei den Löwen nicht weiterbeschäftigt wurde, telefoniert er regelmäßig. Eines der Rennpferde aus dem Stall Linnenbrink heißt Rüdiger Abramczik.

Insgesamt blickt Linnenbrink zufrieden auf seine Zeit bei den Löwen zurück, die vor acht Jahren als Sponsor begann – der Vermarkter des KSV hatte den Kontakt hergestellt. Fortan engagierte sich Linnenbrink. Nur eines ärgert ihn: dass sein Einsatz mitunter nicht immer gewürdigt worden sei.

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