Nach Insolvenzantrag: KSV und FC Hessen bereits 1993 und 1997 zahlungsunfähig

Zwei Pleiten in vier Jahren

Sie ließen ihn hochleben: Nach dem letzten Spiel des FC Hessen am 13. Dezember 1997 gegen den Karlsruher SC (2:2) feierten die Fans ihren Trainer Horst Schmidt. Der Verein wurde eineinhalb Monate später aufgelöst. Foto:  Archiv

Kassel. Der eingereichte Insolvenzantrag des KSV Hessen Kassel lässt natürlich Erinnerungen an die letzten beiden Konkurse des Vereins aufkommen. Vor knapp 20 Jahren ging der damalige FC Hessen pleite, der vier Jahre zuvor erst neu gegründet wurde. Ein Überblick über die finanziell unruhigen Zeiten:

DIE ERSTE PLEITE

Anfang der 90er Jahre wurden die finanziellen Probleme der Löwen immer größer. Zwar konnte sich der Verein sportlich weiter in der Spitzengruppe der Oberliga halten, doch die Last der Verbindlichkeiten ließ nichts anderes zu, als die Notbremse zu ziehen. Am 21. Juli 1993 wurde die Fußballabteilung als FC Hessen Kassel ausgegliedert, und der Hauptverein mit seinen 23 Amateurabteilungen ging mit 2,5 Millionen Mark Schulden in Konkurs.

DIE ZEIT DES FC HESSEN

Der FC Hessen übernahm nun das Startrecht des KSV Hessen und trat damit in der Oberliga an. Gleich im ersten Jahr gelang die Qualifikation für die neue Regionalliga Süd. Doch die Zeit stand unter keinem guten Stern. Spieler und Vereinsmitarbeiter mussten teilweise monatelang auf ihre Gehälter warten, die Geschäftsstelle des Klubs wurde im Herbst 1994 zwangsgeräumt. Bereits 1995 drohte die Zahlungsunfähigkeit. Trotzdem wurden Leihgeschäfte mit den Bielefelder Spielern Armin Eck, Peter Quallo, Stefan Studtrucker und René Dörfel abgeschlossen, die den Verein etwa 2,5 Millionen Mark kosteten.

Am 27. November 1997 war es dann soweit, der mit 1,8 Millionen Mark verschuldete FC Hessen beantragte in Person des stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Richard Wurbs Konkurs beim Amtsgericht Kassel. Dieser wurde jedoch mangels Masse abgelehnt. Das letzte Spiel um Trainer Horst Schmidt und Kapitän Mario Deppe fand am 13. Dezember 1997 vor 800 Zuschauern gegen die Amateure des Karlsruher SC (2:2) statt.

DER NEUANFANG

Am 27. Januar 1998 wurde der FC Hessen Kassel während der Mitgliederversammlung aufgelöst. Unter Ex-Spieler Holger Brück wurde am 3. Februar 1998 mit dem Kurhessischen Sportverein Hessen Kassel ein Nachfolgeklub als reiner Fußballverein gegründet. Seit dem Amtsgerichtsbescheid vom April 1998 durfte sich der Verein dann auch wieder Kasseler Sportverein Hessen Kassel nennen.

Das Team startete in der achtklassigen Kreisliga A, feierte in den kommenden Jahren mehrere Meisterschaften und stieg am Ende der Saison 2005/2006 wieder in die Regionalliga auf. Am letzten Spieltag kam es vor 8000 Zuschauern zum direkten Duell beim FSV Frankfurt, das der KSV durch ein Tor von Thorsten Bauer mit 1:0 für sich entschied. Seitdem spielten die Löwen zunächst in der drittklassigen, dann ab 2008 in der viertklassigen Regionalliga.

Von Torsten Kohlhaase

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