Interview vor Länderspiel

Handball-Nationaltorwart: „An Kassel habe ich gute Erinnerungen“

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Die Faust geballt: Nationaltorwart Carsten Lichtlein freut sich auf die Testspiele gegen Island.

Kassel. Nur noch knapp eine Woche bis zum Start der Handball-EM in Polen – die deutsche Männer-Nationalmannschaft überprüft am Samstag, 9. Januar, in der ausverkauften Kasseler Rothenbach-Halle sowie am Sonntag in der Tui-Arena in Hannover noch einmal ihre Form.

Anwurf zu den Begegnungen mit Island ist jeweils um 15 Uhr. „Das sind zwei Super-Gelegenheiten, um sich weiter zu finden“, sagt Nationaltorwart Carsten Lichtlein im Interview.

Herr Lichtlein, Spiel in Kassel – kriegen Sie da nicht glänzende Augen?

Carsten Lichtlein: (lacht) Natürlich habe ich gute Erinnerungen an Kassel durch die Siege mit Gummersbach in dieser Halle. Aber letztlich ist es ein Länderspiel wie jedes andere auch.

Die Halle gehört eher zu den kleineren Handball-Spielstätten.

Lichtlein: Das spielt keine Rolle. Eine kleinere Halle muss nicht schlecht sein. Das haben wir auch am Dienstag in Stuttgart festgestellt. Die Arena war mit 6050 Zuschauern total voll, und es hat eine super Stimmung geherrscht. Wenn das am Samstag genauso ist, ist alles gut.

Welchen Stellenwert haben die Testspiele gegen die Isländer?

Lichtlein: Einen hohen Stellenwert. Island hat eine starke Mannschaft. Und wir haben gegen Tunesien gesehen, dass einige Sachen noch nicht passen. Deshalb sind diese Partien gute Gelegenheiten, um sich weiter zu finden. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir zur erhofften EM-Form finden werden.

Nun muss das DHB-Team mit Patrick Wiencek, Paul Drux, Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki einige Leistungsträger ersetzen. Wie ernst ist die Situation aus Ihrer Sicht?

Lichtlein: Klar haben wir viele Ausfälle. Aber man hat auch in Stuttgart gesehen, dass wir gute Varianten haben, um darauf zu reagieren. Und da Rune Dahmke bis zum Start der Europameisterschaft fit sein wird, haben wir in Polen auch einen echten Linksaußen zur Verfügung.

Sie haben Turniere erlebt, bei denen Top-Leute wie Daniel Stephan und Stefan Kretzschmar ausgefallen sind.

Lichtlein: Ja. Diese Situation gab es immer wieder, dass jemand fehlt. Deswegen jammern wir jetzt auch nicht. Fest steht aber auch: Damals war die Belastung für viele Handballer noch nicht so hoch, weil die Champions League noch nicht diesen Modus hatte. Patrick Groetzki hat sich zum Beispiel ohne Einwirkung eines Gegenspielers verletzt. Das zeigt die Überbelastung. Ich denke, dass zu diesem Thema auf jeden Fall noch was passieren wird.

Was lässt Sie hoffen, dass das Team in Polen eine gute Rolle spielt?

Lichtlein: Wir können eine gute Abwehr spielen. Und was mich besonders gefreut hat in Stuttgart: Auch im Angriff waren wir ganz gut drauf. Mit Christian Dissinger und Steffen Fäth haben wir zwei Spieler, die auch über den Block werfen und für leichte Treffer aus dem Rückraum sorgen können. Das hatten wir bei der WM in Katar noch nicht, denn Paul Drux hat eher andere Qualitäten.

In welchen Bereichen muss sich die Mannschaft in den kommenden Tagen steigern?

Lichtlein: Gegen Tunesien haben wir nicht gut gedeckt. Auch das Zusammenspiel Torwart-Abwehr klappte bis zur Pause noch nicht so richtig. Es gibt noch Verbesserungsbedarf. Ich bin für die Tests gegen Island aber guter Dinge.

Was ist von einem Torwartgespann Carsten Lichtlein/Andreas Wolff zu erwarten?

Lichtlein: Wir wollen an die überzeugenden WM-Leistungen von Katar anknüpfen. Da habe ich mich mit „Heine“ (Anm. d. Red: Silvio Heinevetter) hervorragend ergänzt. Aber auch mit Andi verstehe ich mich prima. Er hat in dieser Bundesliga-Saison schon oft genug gezeigt, wozu er imstande ist.

Sie sind der mit Abstand erfahrenste Akteur im Kader. Was nehmen Sie sich persönlich vor?

Lichtlein: Ich bin Co-Kapitän, Steffen Weinhold ist d e r Kapitän. Das ist gut so, weil er vorn wie hinten gebraucht wird und so noch besser Einfluss nehmen kann. Meine Aufgabe besteht darin, die Abwehr zu dirigieren und zur Stabilität beizutragen. An dieser Rolle hat sich nichts geändert.

Und der Traum von Ihrer erstmaligen Olympia-Teilnahme lebt?

Lichtlein: Auf jeden Fall. Das Ziel ist es, sich bei einem der Qualifikationsturniere im Frühjahr für Rio im Sommer zu qualifizieren. Aktuell liegt der Fokus aber nur auf der EM.

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