Landessportbund meldet 69 000 Austritte

Mitgliederschwund bei Sportvereinen: Landkreis kommt noch gut weg

Verschlossene Stadien: Im Lockdown sind die Sportplätze, wie hier das Allendorfer Stadion, gesperrt. Das führte zu Mitgliederverlusten in den Vereinen. Unser Archivfoto stammt aus dem Frühjahr 2020.
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Verschlossene Stadien: Im Lockdown sind die Sportplätze, wie hier das Allendorfer Stadion, gesperrt. Das führte zu Mitgliederverlusten in den Vereinen. Unser Archivfoto stammt aus dem Frühjahr 2020.

Sinkende Mitgliederzahlen in hessischen Sportvereinen – kein Trend, den Hessen noch nicht kennt. Aber die Bestandserhebung zu Jahresbeginn 2021 schlägt ordentlich ins Kontor. Dabei kommt der Landkreis Waldeck-Frankenberg noch gut weg.

Frankfurt/Frankenberg - Nachdem im vergangenen Jahr fast 69 000 Menschen aus einem Verein ausgetreten sind, zählt der Landesportbund Hessen (lsbh) so wenige Mitglieder wie seit elf Jahren nicht mehr. Das wäre gemessen an den Zahlen in etwa so, als würden alle Vereinsmitglieder aus Waldeck-Frankenberg binnen eines Jahres austreten.

Insgesamt bedeutet die Entwicklung für die 7600 Vereine ein Minus von 3,2 Prozent, wie der lsbh gestern vermeldete – ein umgekehrter Trend im Vergleich zu 2019. Vor einem Jahr freute sich der Dachverband noch über einen Anstieg von 1,2 Prozent und den bis dato höchsten Mitgliederstand.

Aus dieser Perspektive fast ein wenig erstaunlich: Gut 40 Prozent der im lsbh organisierten Vereine sind zwischen dem 1. Januar 2020 und dem 1. Januar 2021 zahlenmäßig nicht geschrumpft.

Hauptgrund Corona

Den Hauptgrund an dem signifikanten Mitgliederschwund haben die Verantwortlichen schnell ausgemacht: Corona und die Folgen des lang anhalten Lockdowns. „Das jahrelange Mitgliederwachstum des organisierten Sports in Hessen wurde durch die Corona-Pandemie gestoppt. Angesichts der anhaltenden Einschränkungen befürchten wir, dass sich diese Entwicklung bis Ende 2021 sogar noch verschärfen wird“, bewertet lsbh-Präsident Dr. Rolf Müller die vorläufigen Zahlen, an denen noch kleinere statistische Bereinigungen vorgenommen werden müssen.

Auch in Waldeck-Frankenberg ist der Mitgliederrückgang alles andere als normal. Von 2019 auf 2020 hatten die Sportvereine rund 330 Mitglieder eingebüßt, jetzt sind es beinahe dreimal so viele (rund 900).

Insgesamt waren bei der Bestandserhebung 2020 68 382 Waldeck-Frankenberger Mitglied eines Sportvereins, bei der Erhebung 2021 sind es 67 488. Das macht ein Minus von 1,3 Prozent. Der hiesige Landkreis ist damit nach Recherchen der HNA nach Werra-Meißner (minus 0,7) und gemeinsam mit Fulda-Hünfeld der Sportkreis, der am besten durch die Corona-Krise gekommen ist.

„Ich bedanke mich bei den Waldeck-Frankenbergern für ihre Treue zu den Vereinen. Mitglied zu bleiben ist eine Chance, Solidarität zu zeigen“, sagte der Vorsitzende des Sportkreises Waldeck-Frankenberg. Er will es damit aber nicht bewenden lassen. Er fordert von der Politik Perspektiven für den Amateur- und Breitensport. „Der Druck wird größer“, sagte Steuber und kündigte noch für diese Woche eine deutliche Stellungnahme an.

Rückgang bei Nachwuchs besonders hoch

Ein genauer Blick zeigt zwei Entwicklungen auf, die der Dachverband als besonders besorgniserregend bewertet. So entfallen fast 63 Prozent aller Mitgliederverluste auf Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre. Der Rückgang der Zahlen innerhalb dieser Altersgruppe beläuft ich auf 6,8 Prozent und ist damit fast viermal so hoch wie bei den Erwachsenen.

Die Ergebnisse untermauerten, warum es besonders wichtig sei, Kinder- und Jugendsport bei einer Öffnung des Vereinssports bevorzugt zu behandeln. Diese Forderung hatte der Landessportbund Hessen kürzlich in einem von ihm vorgelegten Stufenplan zum Wiedereinstieg aufgestellt.

Die zweite besorgniserregende Entwicklung offenbart die Bestandserhebung bei den Großvereinen. Häufig mit eigenen Sportstätten und festangestellten Mitarbeitenden ausgestattet, leiden sie nicht nur finanziell stärker unter der Krise als andere. Sie sind auch überproportional stark von Mitgliederverlusten betroffen: Rund 40 Prozent der Rückgänge entfallen auf die 311 Sportvereine im Landessportbund Hessen mit 1001 und mehr Mitgliedern.

Hintergrund

Dass der Mitgliederrückgang eindeutig auf die Corona-Pandemie und die resultierenden Sportverbote zurückzuführen ist, zeigt ein Blick auf die einzelnen Sportkreise und Verbände: In allen 23 Sportkreisen in Hessen haben die Vereine insgesamt an Mitgliedern verloren. Die Verluste reichen laut der vorläufigen Statistik von minus 0,7 Prozent (Sportkreis Werra-Meißner) bis zu minus 5,7 Prozent (Groß-Gerau). „In der Tendenz lässt sich feststellen, dass die urbanen Kreise stärker betroffen sind als die ländlich geprägten. Denn dort gibt es mehr Großvereine und die Vereinsbindung ist tendenziell schwächer ausgeprägt“, so lsbh-Präsident Müller. Zu den „Negativ-Spitzenreitern“ gehören auch Wiesbaden (-4,6 Prozent), Darmstadt-Dieburg (-3,9), Offenbach (-3,8) und Frankfurt (-3,8), wo der Zugewinn der Eintracht die Tendenz abschwächt.

Im Nachwuchsbereich verlieren fast alle Sportkreise deutlich. Überdurchschnittlich hoch sind die Verluste in Wiesbaden (-10,0), Groß-Gerau (-9,3) Main-Kinzig (-9,0), Rheingau-Taunus (-8,4), Darmstadt-Dieburg (-7,9), Offenbach (-7,7), Limburg-Weilburg (-7,3), Main-Taunus (-7,2) und Lahn-Dill (-7,0). red/schä (Dirk Schäfer)

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