„Man muss auf sein Herz hören“

Interview: Yunus Malli aus Kassel  vor dem Debüt in der Türkei

Heute für die Türkei im Einsatz: Yunus Malli, hier im Trikot von Mainz 05. Foto: dpa

Kassel. Das türkische Fußball-Nationalteam bestreitet in Katar ein Test-Länderspiel. Der 23-jährige Yunus Malli aus Kassel wird mit dabei sein. Im Interview spricht er über seine Erwartungen.

Herr Malli, Sie haben sich entschieden, zukünftig für das türkische Fußball-Nationalteam zu spielen. Was hat letztlich den Ausschlag gegeben?

Malli: Am Ende war es eine Entscheidung des Herzens. Ich will in meinem Leben und in meiner Karriere noch einmal erleben, was es für ein Gefühl ist, mit dem türkischen Nationaltrikot aufzulaufen. Das wird etwas Besonderes sein.

Haben Sie als Zuschauer schon einmal ein Spiel der türkischen Nationalmannschaft vor Ort erlebt?

Malli: Vor Ort nicht. Ich saß aber zu Hause in Kassel immer vor dem Fernseher, wenn die türkische Nationalmannschaft gespielt hat – vor allem bei Turnieren.

Als Kind haben Sie dann der türkischen oder der deutschen Nationalmannschaft die Daumen gedrückt?

Malli: Eigentlich beiden.

Dann gab es ja ein Spiel, das eine richtige Qual gewesen sein muss für Sie: 2008 das EM-Halbfinale zwischen Deutschland und der Türkei.

Malli: Ja, da muss ich aber gestehen, dass ich schon der Türkei die Daumen gedrückt habe. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich auch noch keinen Einsatz in einer Auswahlmannschaft des Deutschen Fußball-Bundes absolviert, sonst wäre es vielleicht anders gewesen. Aber so war ich schon sehr traurig, als die Türkei 2:3 verloren hat.

Sie haben trotzdem dann fast alle Auswahlmannschaften des Deutschen Fußball-Bundes durchlaufen. Ist Ihnen die Entscheidung nun für die Türkei schwergefallen?

Malli: Ich hatte eine sehr schöne Zeit beim DFB, für die ich auch sehr dankbar bin. Der Titel mit der U 17 bei der EM war einer der Höhepunkte meiner Karriere und eine ganz wichtige Erfahrung. Aber am Ende muss man auf sein Herz hören. Und die Reaktionen zeigen, dass die Entscheidung richtig war: Meine Familie und mein Freundeskreis stehen hinter mir und haben sich für mich gefreut.

Jetzt stehen die ersten Spiele gegen Katar und gegen Griechenland für Sie an. Mit welchen Erwartungen gehen Sie das Kapitel türkische Nationalmannschaft an?

Malli: In erster Line freue ich mich und bin gespannt, was auf mich zukommt. Für mich gilt es, in den Trainingseinheiten zu zeigen, was ich kann. Ich will mich anbieten, um zum Einsatz zu kommen und in Zukunft ein wichtiger Bestandteil der Nationalmannschaft zu werden.

Um dann auch eine tragende Rolle bei der EM 2016 in Frankreich zu spielen?

Malli: Bis dahin dauert es noch etwas. Aber wenn ich bei Mainz 05 meine Leistung zeige, wird das andere zwangsläufig kommen. Aber klar: Das Ziel für mich lautet, bei der EM dabei zu sein.

Sie haben für Mainz in dieser Saison bereits sieben Treffer erzielt, waren vor allem zu Beginn einer der gefragtesten Spieler. Gibt es den einen Grund, warum es so gut läuft?

Malli: Ich fühle mich seit langem wohl und weiß, dass ich mich in Mainz weiterentwickeln kann. Deshalb habe ich im Mai auch meinen Vertrag verlängert. Das alles hat mir genügend Selbstbewusstsein gegeben, um gute Leistungen zeigen zu können.

Werden Sie nun anders wahrgenommen? 

Malli: Natürlich steigt das Interesse an mir. Vor allem nach dem Hattrick gegen Hoffenheim musste ich mehr Interviews geben. Auch im Spiel selbst steht man mehr im Mittelpunkt, weil die anderen noch mehr auf einen aufmerksam geworden sind. Aber solange man konzentriert bleibt und sich auf das Wesentliche konzentriert, ist das kein Problem.

Trotzdem: Haben Sie ein bisschen Lampenfieber vor dem Debüt in der türkischen Nationalmannschaft? 

Malli: Natürlich ist da ein wenig Aufregung. Ich habe ja auch noch nie in der Türkei gespielt – weder mit einer Auswahlmannschaft noch mit dem Verein. Aber es überwiegt die Vorfreude.

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