Niederlage deckt Probleme auf

Das 2:3 der Bayern gegen Paris war mehr als nur ein Schneechaos

Thomas Müller (links) und Joshua Kimmich.
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Der Ärger war groß: Thomas Müller (links) und Joshua Kimmich nach dem Abpfiff am Mittwochabend.

Keine zwei Monate ist es her, da spielte der FC Bayern München in der heimischen Allianz Arena im Schneegestöber. Er lag 0:2 zurück. Er glich zum 2:2 aus. Er kassierte das 2:3. Die Partie endete 3:3.

Kassel – Gegner Mitte Februar in der Fußball-Bundesliga war Aufsteiger Arminia Bielefeld. Die Torschussstatistik sprach mit 19:7 damals deutlich für die Münchner, die auch fast doppelt so viele Pässe spielten wie die Ostwestfalen.

Kurzum: Sie waren überlegen, es sprang aber nur ein Remis heraus.

Am Mittwochabend bot sich dann ein ähnliches Bild im Stadion in der bayerischen Landeshauptstadt. Schneegestöber. 0:2. 2:2. 2:3. Doch dieses Mal reichte es für den deutschen Rekordmeister nicht mehr für ein Unentschieden. Eines, das sicher noch deutlich wichtiger gewesen wäre als das im Februar gegen Bielefeld. Denn der Gegner hieß dieses Mal Paris St. Germain. Es war das Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League. Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass die Bayern noch sehr viel überlegener waren als gegen den Aufsteiger in der Bundesliga. 31:6 Torschüsse, fast doppelt so viele Pässe, 15:1 Ecken. Es war zeitweise ein Spiel auf ein Tor. Auf das von Keylor Navas. Der 34 Jahre alte Costa Ricaner hielt überragend und zeigte deutlich, wie viel Anteil er als Torhüter von Real Madrid an drei Erfolgen in der Königsklasse hatte.

Nun gibt es noch mehr Parallelen zwischen diesem Bundesliga-Auftritt zwischen den Bayern und Bielefeld und dem in der Champions League gegen Paris, dem Finalgegner aus dem vergangenen Jahr, in dem die Münchner noch mit einer starken Defensivleistung das Starensemble um Neymar, Kylian Mbappé und Angel Di Maria im Griff hatten. Auch gegen Bielefeld plagten Trainer Hansi Flick erhebliche Personalsorgen. Serge Gnabry und Leon Goretzka fehlten ebenso wie Jérome Boateng und Thomas Müller. Gegen Paris musste Flick ebenfalls auf den coronaerkrankten Gnabry verzichten. Goretzka und der überforderte Niklas Süle verließen bereits in der ersten Hälfte angeschlagen den Platz. Doch es fehlte eben noch einer: Robert Lewandowski. Der Pole, der gegen Bielefeld noch erfolgreich gewesen war, hinterlässt eine Lücke im Sturmzentrum, die keiner füllen kann.

Bis dorthin, bis zum gegnerischen Strafraum kombinierten und spielten sich die Bayern wie eh und je. Gerade in den ersten 20 Minuten und zum Ende der Partie hatten sie Chancen über Chancen, scheiterten aber immer wieder an Navas oder sich selbst. Es ist nur eine Vermutung: Aber wer die Selbstverständlichkeit gesehen hat, mit der Lewandowski vor seiner Verletzung Treffer erzielte, der zweifelt sicher nicht daran, dass er bei diesem Chancenüberfluss gegen die Franzosen mehrmals zum Jubeln abgedreht wäre.

Mehrmals gejubelt hat schließlich aber Mbappé, der die Tore zum 1:0 – mithilfe von Manuel Neuer – und 3:2 erzielte. Marquinhos hatte zwischendurch auf 2:0 erhöht, Eric Maxim Choupo-Moting und der unermüdliche Antreiber Thomas Müller danach ausgeglichen.

Was bleibt, ist aber die Erkenntnis, dass diese Bayern eben in mehr als nur einem Schneechaos stecken. Die Abwehr wackelt und wackelt – und gegen Spieler wie Neymar und Mbappé fällt sie. Wenn dann kein Lewandowski mehr da ist, der all diese Schwächen mit seinen Toren überdeckt, dann reicht das international nicht aus. (Maximilian Bülau)

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