Mehr Respekt nach 1990

Kameruns Trainer der U 20-Nationalmannschaft im Interview

Kritischer Blick: Trainer Engelbert Mbarga Ondoa wünscht sich seine Mannschaft noch zielstrebiger. Foto: Kasiewicz

Schwalmstadt. Kameruns Fußball ist ganz eng mit einem Spieler verbunden, der die „unbezähmbaren Löwen“ bei der Weltmeisterschaft 1990 in Italien als erstes Team des Kontinents überhaupt ins Viertelfinale einer WM führte: Roger Milla.

Auch für Engelbert Mbarga Ondoa, den aktuellen Trainer der U 20-Nationalmannschaft Kameruns, die am Samstag in Schwalmstadt zu Gast war. HNA-Redakteur Ralf Ohm sprach mit dem 50-Jährigen über sein Idol, über den Kameruner Fußball und über seine aktuelles Team.

Wie geht es Roger Milla?

Engelbert Mbarga Ondoa: Gut. Er hat gerade seinen 60. Geburtstag gefeiert.

Kennen sie sich gut?

Mbarga Ondoa: Ja, wir sind Freunde. Zusammengespielt haben wir nie, denn Roger Milla gehörte zu einer anderen Generation. Dafür haben wir bei Olympique Volier in der ersten Liga unseres Landes zusammengearbeitet: er als Manager und ich als Trainer.

1990 stand Kamerun Kopf, als der damals 38-jährige wohl bekannteste und für viele auch beste Fußballer Afrikas Kameruns Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Italien ins Viertelfinale einer WM schoss. Welche Bedeutung hatte dieses Ereignis für Sie, für Ihr Land, für seine Menschen?

Mbarga Ondoa: Das war ein wunderbares, außergewöhnliches Ereignis. Darüber hat sich das ganze Land gefreut. Ich selbst war total begeistert von dieser Mannschaft, für die ja sogar noch mehr drin war. Als sie zurück kam, wurde sie in Yaounde herzlich begrüßt. Da waren alle Einwohner der Hauptstadt auf der Straße. Nach diesem Erfolg wurde uns auch im Ausland mehr Respekt gezollt, das war auf jeder Delegationsreise festzustellen.

Und die Auswirkungen auf den Kameruner Fußball?

Mbarga Ondoa: Im Sog dieser erfolgreichen Generation, die nach der Weltmeisterschaft fast komplett aufhören musste, entstand eine neue, fußballerisch noch bessere, die sehr erfolgreich war. Die Mannschaft gewann danach zweimal die Afrika-Meisterschaft und die Goldmedaille in Sidney.

Trotzdem schied sie bei vier folgenden WM-Teilnahmen jeweils in der Vorrunde aus?

Mbarga Ondoa: Ja, das ist war und war ziemlich paradox. Bei der neuen Generation spielten nur Profis, von denen die meisten bei Top-Clubs unter Vertrag waren. Doch vielleicht fehlte ihr der Esprit, die Kampfbereitschaft ihrer Vorgänger. Und trotz vieler Stars ein Genie wie Roger Millar.

Wie funktioniert die Nachwuchsförderung in Kamerun?

Mbarga Ondoa: Ein systematisches Ausbildungssystem gibt es bei uns nicht. Häufig werden Talente von ausländischen Spähern entdeckt, die sie dann beispielsweise in Europa ausbilden.

Und wie haben Sie Ihre Mannschaft zusammengestellt?

Mbarga Ondoa: Einige Spieler kenne ich noch aus der U 17. Andere wurden mit von Trainer empfohlen, doch die meisten habe ich selbst beobachtet. Dazu habe ich mich im ganzen Land umgeschaut.

Welche Perspektiven hat ihre aktuelle U 20, welche Chancen beim kommen Afrika-Cup für Nachwuchsteams?

Mbarga Ondoa: Die individuelle Qualität ist durchaus mit der ihrer Vorgänger zu vergleichen, als Mannschaft muss diese neue Generation aber noch zusammenwachsen.

Werden wir vielleicht einen Ihrer Schützlinge bei der Weltmeisterschaft in Brasilien sehen?

Mbarga Ondoa: Zwei haben sicherlich das Zeug dazu, aber Namen will ich nicht nennen.

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