HNA-Kolumne "Mensch läuft"

Völlig losgelöst: Major Tim startet gegen Arne Gabius beim London-Marathon

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Tim Peake im Kölner ESA-Zentrum. Der Brite wird den London Marathon im April auf einem Laufband in der Internationalen Raumstation ISS absolvieren.

Nicht jeder schafft es nach Olympia. Noch weniger aber laufen einen Marathon im Weltall. Was beides mit Arne Gabius zu tun hat, verrät unser Autor Jens Nähler in seiner Kolumne "Mensch läuft".

Viele Läufer planen ihre Saison um zwei Höhepunkte - meist einer im Frühjahr und einer im Herbst. Für Arne Gabius, der im vergangenen Jahr den deutschen Rekord auf der Marathondistanz nach geschlagenen 27 Jahren verbesserte, dreht sich dagegen alles nur um ein Rennen: Olympia.

Zunächst aber, kündigte der Hamburger an, startet er auch beim April-Marathon in London. Was prompt dazu führte, dass ihn sein Heimatverein LT Haspa Marathon Hamburg ab Oktober nicht mehr unterstützen wird - offenbar wurde dort auf seinen Start beim Marathon-Heimspiel in der Hansestadt spekuliert.

Gabius kommentiert das einigermaßen gelassen auf seiner Homepage: "In Hamburg sagt man Tschüss". 

Was nordisch-kühl und seemännisch ausgedrückt in etwa so viel heißt wie: I don't give a ship. Oder: Sturm herrscht für einen echten Nordmensch erst dann, wenn die Schafe keine Locken mehr haben.

Arne Gabius

London also. Doch auch dieses Rennen ist komplett dem großen Ziel Rio untergeordnet: Gabius wird in der britischen Hauptstadt erstmals auf seine Gegner im olympischen Marathon treffen und direkt seine Form messen können.

Einer, gegen den er antreten wird, ist Tim Peake. Peake ist vielen Laufinteressierten nicht wirklich bekannt und ganz sicher auch keine Konkurrenz für Gabius auf der Strecke. In Sachen Medienrummel aber wird er nah dran sein am Deutschen, wenn das Rennen am 24. April startet.

Wobei es "nah dran" nicht ganz richtig trifft. Denn Tim Peake ist Astronaut.

Ground control to Major Tim

Wenn in London Gabius und tausende andere Läufer ihre Beine in Bewegung setzen, ist der Brite 400 Kilometer Luftlinie entfernt und startet seinen eigenen Marathon auf der Internationalen Raumstation ISS. Festgeschnallt auf einem Laufband sollen elastische Kunststoffgurte der Schwerelosigkeit ein Schnäppchen schlagen. Auf einem iPad werden ihm die Straßen Londons angezeigt, vorbei an Big Ben, über die London Bridge bis ins Ziel.

Bei drei Stunden und 18 Minuten liegt Peakes Bestzeit für den London Marathon, auf der Raumstation trainiert er täglich bis zu zwei Stunden, berichtet die Europäische Weltraumagentur (ESA). Wie schnell oder langsam es Ende April für ihn laufen wird, können interessierte Leser dann live per ISS-Stream im Internet verfolgen. Er selbst rechnet mit dreieinhalb bis vier Stunden.

Sunita Williams schaffte es 2007 in rund 4 Stunden und 24 Minuten. Die Astronautin lief 2007 als erster Mensch überhaupt die 42,195 Kilometer im Orbit - und zwar den Boston-Marathon, ebenfalls auf der ISS. Weil die Weltraumstation seinerzeit in einem Tempo von 28.163 km/h unterwegs war, hatte Williams bereits nach knapp 15 Kilometer einmal die Erde umrundet.

Schnell ist er ja. Aber das packt selbst ein Arne Gabius mit dem härtesten Training der Welt nicht.

Und? Wo lauft ihr so in diesem Jahr? Schreibt es mir in die Kommentare.

Über den Autor

"Mensch läuft" ist die Kolumne eines Läufers für andere Läufer – und solche, die es noch werden wollen. Jens Nähler (42) ist Online-Ressortleiter der HNA und erst mit 39 über eine Redaktionsstaffel beim Kassel Marathon zum Laufen gekommen. Mittlerweile trainiert er für seine vierte Teilnahme auf die volle Distanz in Kassel und bereitet sich auf seinen ersten 100-Kilometer-Ultralauf im Oktober vor.

Jeden Dienstag erzählt er auf HNA.de Schritt für Schritt, wie’s läuft – und betreut das Team „HNA Roadrunners“ im Kilometerspiel.

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