Kolumne "Mensch läuft"

Süße Festtags-Versuchung - der 10-Punkte-Plan für Läufer, um Weihnachten zu überstehen

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Für manche sind die Festtage rund um Weihnachten eine ganz besondere Zeit - für Läufer bedeuten sie den härtesten Wettkampf des Jahres.

Allüberall auf den Tellerchen finden sich verführerisch duftende Plätzchen und saftige Christstollen. Schokoladenüberzogene Pralinen reihen sich an leckere Nusskreationen, Marzipankartoffeln, Lebkuchen und Spekulatius. Spätestens bei deren Anblick stellen sich auch bei Läufern schon mal Gelüste ein, die in einem bekannten Weihnachtslied treffend so beschrieben werden: "Wenn ich aufgestanden bin, lauf ich schnell zum Teller hin."

Ein verführerischer Lauf, natürlich. Nicht nur, weil er so schön kurz ist und man dazu nicht raus in die Kälte muss. (Zugegeben: Kälte ist dieser Tage eine flaue Ausrede fürs Nichtstun. Aber vielleicht erinnert sich ja noch jemand an weiße Weihnachten anno Schnee?!?) Wetter hin oder her, damals wie heute gilt: der Plätzchenteller ist eine Tellermine, die so gar keinen gewinnbringenden Trainingseffekt hat. Er sorgt nur auf der Waage für Steigerungen.

Klar: die Saison ist rum, monatelanges Training muss irgendwann auch einmal belohnt werden. Dass sie vorbei ist, bedeutet für Läufer am Ende jedoch nur, dass die nächste Laufzeit bevorsteht. Wer jetzt die Zügel schleifen lässt, erlebt schon beim anstehenden traditionellen Silvesterlauf ein bitteres, gar nicht süßes Wunder.

Butter? 750 Kalorien pro 100 Gramm. Zucker? 400 Kalorien pro 100 Gramm. Marzipan, Schokolade, Nüsse? Da klingeln die Warnglöckchen, da piepst die Pulsuhr. Man muss schon lange laufen, um derart angefutterte Pfunde, die nur bei Stürzen etwas abfedern, wieder abzutrainieren. Konkret: Ein langsamer 15-Kilometer-Lauf verbrennt rund 1000 Kalorien. Das entspricht in etwa 40 Vanillekipferl, zehn kleinen Printen oder zweieinhalb Stück Stollen à 100 Gramm.

Der gesamte Frankfurt-Marathon verbrannte satte 3158 Kalorien von meinen Rippen, was im Magen immerhin Platz für theoretisch 57 Dominosteine schafft. Eine Menge, die wohl selbst einen mit Naschwaren bestechlichen Weihnachtsmann schachmatt setzen würde. Dabei muss der nicht einmal selbst laufen, sondern kann sich auf seinen Schlitten setzen. Frankfurt aber ist schon zwei Monate her...

Kurz gesagt: Läufer, lasset Vorsicht walten am Gabenteller - es muss ja nicht gleich Enthaltsamkeit sein. Im Grunde hilft der Gedanke an ein Intervalltraining: Einem kurzen intensiven Happen folgt eine lange, erholsame Pause. So etwas härtet am Ende jedes Leckermaul ab, und das kann man schließlich in jedem Rennen gebrauchen.

Womit wir wieder bei Weihnachten wären, dem härtesten, aber auch leckersten Wettkampf des Jahres für Läufer. Es sind nur noch einige Tage bis zum Fest. 

Hier der ultimative 10-Punkte-Trainingsplan für die Feiertage:

  1. Nasch nur, wenn du Hunger hast. Dann aber nicht zu viel.
  2. Wenn du keinen Hunger: Nasch nicht. Wenn du stattdessen Zeit hast: Geh laufen!
  3. Nein, es ist nicht zu kalt zum Laufen!
  4. Trink reichlich Wasser, bevor und während du isst, das verringert den Appetit.
  5. Kau länger und lass dir Zeit beim Essen. Du kannst ja zwischendurch genüsslich über deine letzten Läufe dozieren. Das hebt unter Garantie die Stimmung.
  6. Jedes zweite Plätzchen, das du essen willst, gibst du dem Hund (immer vorausgesetzt, es ist ohne Schokolade).
  7. Wenn dich das Frauchen davonjagt: Geh laufen!
  8. Back dir selbst kalorienarme Leckerlis.
  9. Wenn die nicht schmecken, gib sie dem Hund.
  10.   siehe Punkt 7.

Frohe Weihnachten, das wird schon mit der Form!

Über den Autor

"Mensch läuft" ist die Kolumne eines Läufers für andere Läufer - und solche, die es noch werden wollen. Jens Nähler (42) ist Redakteur der HNA und erst mit 39 über die Staffel seines Arbeitgebers zum Laufen gekommen. Mittlerweile läuft er Marathon und bereitet sich auf ein 100-Kilometer-Rennen in 2016 vor.

Hier erzählt er Schritt für Schritt, wie's läuft.

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