Melsunger Handballer freuen sich über hart erkämpften 30:27-Sieg in Eisenach

1:54 Stunden bis zur Party

Augen zu und durch: Melsungens Torsteher René Villadsen hielt in der Schlussphase gegen seinen ehemaligen Klub einen ganz wichtigen Ball. Foto: GG Fotoservice

Eisenach. Melsungens Torwart René Villadsen machte einen Luftsprung wie ein Skispringer, der gerade die Vierschanzentournee gewonnen hatte. MT-Kapitän Michael Müller hüpfte in Richtung des eigenen Fanblocks, als hätte er sich mal schnell nach seinem Treffer zum 30:27 (12:13)-Endstand über den gastgebenden ThSV Eisenach ein paar Sprungfedern unter die Handball-Schuhe geschnürt.

Die Freudentänze der Gäste auf dem Parkett nach Derbysieg und vorübergehendem Sprung an die Tabellenspitze hätten preisverdächtige Ausmaße annehmen können. Da die Stimmung unter den Eisenacher Zuschauern in der Werner-Aßmann-Halle aber extrem aufgeheizt war und den Melsungern eine Welle der Entrüstung entgegenschlug, führte sie ihr Weg nicht näher zu den mehr als mitgereisten hundert eigenen Anhängern, sondern schnurstracks in die Kabine. Der Schlusspunkt eines absolut unvergesslichen Abends.

DIE PROBLEME

Drei Wochen zuvor hatten die Melsunger im Pokal den ThSV beim 30:18-Triumph an gleicher Stätte förmlich deklassiert. Jetzt präsentierte sich Eisenach von einer ganz anderen Seite. Es war ein kluger Schachzug der Thüringer, MT-Spielführer Müller kurz zu decken. Zumal dessen Rückraumkollege Momir Rnic gegen eine aggressivere Verteidigungsreihe diesmal längst nicht so explosiv war wie Mitte August.

Niedrigeres Spieltempo als sonst, dazu ungewohnt viele Fehlabschlüsse – es lief nur selten rund bei den Gästen aus Nordhessen. Keine Überraschung, dass sie trotz zwischenzeitlichen Drei-Tore-Vorsprungs nach 30 Minuten hinten lagen. „Wir haben vorn die Dinger nicht reingemacht“, bedauerte Coach Michael Roth, „zur Pause war meinen Spielern endgültig klar, dass das hier nichts mehr mit dem Pokalspiel zu tun hatte.“

DIE ENTSCHEIDUNG

Nach dem Wechsel nahmen die Melsunger den Kampf an. Egal, wer gerade auf dem Feld stand – alle hatten nur ein Ziel: den dritten Sieg im dritten Punktspiel. So schafften es die Nordhessen, nach einem 13:16-Zwischenstand wieder den Gleichstand herzustellen. Vor allem Marino Maric tat sich in dieser Phase hervor.

Bei den Wartburgstädtern glänzten Torwart Svetislav Verkic und Linksaußen Dirk Holzner. Doch auch sie konnten es nicht verhindern, dass Neuzugang Timm Schneider, der gegen Ende wichtige Akzente setzte, die MT mit einem Gewaltwurf mit 25:24 in Führung brachte. Hier ein Tor von Johannes Sellin, da ein Treffer von Jeffrey Boomhouwer, zwischendurch eine Parade des Ex-Eisenachers Villadsen gegen Nicolai Hansen – in der 57. Minute stellte der Gast gegen einen kräftemäßig zusehends nachlassenden ThSV die Weichen auf Sieg. „Wir waren ein bisschen cleverer“, lobte Roth.

DIE DRAMATIK

Normalerweise dauern Handball-Partien inklusive Pause und Spielunterbrechungen etwa eineinhalb Stunden. Das Duell in Eisenach war erst nach 1:54 Stunden abgeschlossen. Denn die Unparteiischen Fabian und Christian vom Dorff sowie Peter Rauchfuß als Spielaufsicht zogen oft genug den Unmut der beiden Klubs auf sich. „Es war ein packendes Spiel. Die Entscheidung ist nicht zwischen den beiden Teams gefallen“, erklärte ThSV-Coach Velimir Petkovic vielsagend. Insgesamt 14 Zeitstrafen sprachen die Referees aus – sogar Petkovic musste dran glauben. Er hatte nachher im Kabinengang besonders viel Redebedarf mit Rauchfuß. Dort, wohin sich die MT-Spieler zum Feiern zurückziehen mussten.

Von Björn Mahr

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