1. Startseite
  2. Sport
  3. MT Melsungen

Da war mehr drin: MT verliert 29:32 gegen Berlin

Erstellt:

Von: Maximilian Bülau

Kommentare

Nebojsa Simic.
Starker Rückhalt: Torhüter Nebojsa Simic. © Andreas Fischer

Da war deutlich mehr möglich: Nach einer über 50 Minuten starken Vorstellung in allen Mannschaftsteilen hat Handball-Bundesligist MT Melsungen in der heimischen Rothenbach-Halle dennoch 29:32 (15:12) gegen die Füchse Berlin verloren.

Kassel – Obwohl die Gäste lange zurücklagen, wurden sie nie nervös, drehten die Partie zehn Minuten vor dem Ende. Im dritten Heimspiel war es die zweite Niederlage für die MT.

Handball-Spiele folgen häufig einer gewissen Dramaturgie. Vor allem dann, wenn sich zwei Mannschaften auf ähnlichem Niveau begegnen. Und das allein muss ja schon ein Lob an die MT sein: Sie waren den Berlinern, die mit 9:1 Punkten nach Kassel gereist waren, ebenbürtig. Die Dramaturgie geht eigentlich so: ruhiger Auftakt, sich steigernde Spannung, sich steigernde Intensität, Entscheidung kurz vor Schluss.

Melsungen und Berlin hatten am Sonntagnachmittag mal so gar keine Lust darauf. Es ging los, als wäre die Partie bereits in der entscheidenden Phase angelangt. Die Halle war von Beginn an laut, voll da, 3517 Zuschauer waren gekommen. Gründe für die gute Stimmung gab es reichlich. Beispielsweise die überragende Torhüter-Leistung in Hälfte eins von Nebojsa Simic mit zehn Paraden. Bereits nach zehn Minuten gab es „Simo-, Simo-Rufe“. Die überragende Abwehrleistung von David Mandic gegen Ausnahmekönner Mathias Gidsel. Mandic war wie ein Kettenhund für den Dänen, der lange nicht zur Entfaltung kam (zwei Treffer in Hälfte eins). Berlins Trainer Jaron Siewert gestand hinterher ein: „Wir waren überrascht von der versetzten 5:1-Deckung mit dem vorgezogenen Mandic.“

Und dann war da noch die Rückkehr von Elvar Örn Jonsson nach sechs Monaten Verletzungspause. Der Isländer war früh gefordert, weil Gleb Kalarash bereits in der 7. Minute seine zweite Zwei-Minuten-Strafe bekam. Doch lange brauchte Jonsson nicht, hatte mit drei Treffern Anteil daran, dass die MT mit einer Drei-Tore-Führung gegen den Favoriten aus der Hauptstadt in die Pause ging. Torhüterleistung, Defensivarbeit und eine effektive Offensivabteilung, all das passte.

Ein taktisches Mittel, das MT-Coach Roberto Garcia Parrondo bereits nach wenigen Minuten nutzte: Er ließ im Angriff im Sieben-gegen-Sechs agieren. Und das funktionierte richtig gut. Dieses Mittel habe die Berliner nicht überrascht, sagte Siewert, ordnete aber ein: „Die MT hat das mit einer bärenstarken Qualität gespielt.“ Zudem unterliefen der MT weit weniger technische Fehler als in den Partien zuvor. Auch das führte zu Höhepunkten wie diesem: Ivan Martinovic spielt den No-Look-Pass auf Aidenas Malasinskas, der dieses traumhafte Anspiel zum 20:17 nutzt (38.).

Es lief eigentlich rund für die Melsunger. Bei einer Vier-Tore-Führung nach 40 Minuten war in Überzahl die Möglichkeit da, erstmals in diesem Spiel auf fünf Treffer davonzuziehen. Doch stattdessen schenkten die MT-Profis dreimal schnell den Ball her – 21:19 (43.). Parrondo sah in diesen Sequenzen auch den Bruch im eigenen Spiel: „Das war die entscheidenden Momente, da haben wir zu viele Bälle verloren. Drei Ballverluste in zwei Minuten Überzahl sind einfach verheerend.“

Die MT sorgte so selbst wieder für Spannung, schaffte es aber lange, den Vorsprung zu halten. Neun Minuten vor dem Ende sorgte Paul Drux dann mit seinem Tor zum 25:25 für den ersten Ausgleich der Berliner seit dem 4:4. Sollte die MT also wie zuletzt gegen Erlangen trotz eines guten Spiels wieder nicht als Sieger die Halle verlassen?

Die Antwort gab der 41 Jahre alte Hans Lindberg, der zunächst zur Berliner Führung (53.) traf. Dimitri Ignatow glich zwar ein letztes Mal aus, aber die Kräfte und Ideen ließen nach. Der von der Siebenmeterlinie makellose Lindberg brachte die Gäste fünf Minuten vor dem Ende mit zwei Toren nach vorn. Im Angriff wurde es hektisch. Und so reichte es dann gegen ein Spitzenteam wie Berlin nicht. Dass die Gäste mit drei Toren Unterschied gewannen, wurde dieser engen Partie nicht gerecht. Parrondo sagte nicht zu Unrecht: „Ich bin ein bisschen traurig und enttäuscht, dass Berlin alle Punkte mitnimmt.“

MT: Morawski (7 GT./0 P.), Simic (25 GT./ 13 P.) - Malasinskas 3, Casado 3, Ignatow 3, Beekmann, Ohl, Jonsson 3, Arnarsson 1, Gomes, Kalarash, Häfner 5, Hörr, Fuchs, Martinovic 6/4, Mandic 5

Berlin: Kireev (7 GT./1 P.), Milosavljev (22 GT./8 P.) - Wiede 2, Darj, Holm 3, Lichtlein, Lindberg 9/5, Gidsel 5, Freihöfer 2, Langhoff, Chrintz, Kopljar 1, Vujovic, Marsenic 5, Drux 5

SR: Schulze/Tönnies (Magdeburg/Stendal) - Z: 3517

Siebenmeter: 4/4:5/5

Zeitstrafen: 4:4 Minuten

Spielstände: 5:4 (6.), 9:6 (15.), 14:11 (28.), 15:12 (30.), 18:15 (37.), 24:21 (42.), 25:25 (50.), 28:31 (59.)

Auch interessant

Kommentare