Analyse: Warum es bei der MT in dieser Saison so holprig läuft

Melsungen. Keine Frage, es läuft nicht rund bei der MT Melsungen. Jüngster Beleg: die 33:37-Niederlage beim SC Magdeburg, die den heimischen Handball-Bundesligisten noch weiter von seinem ambitionierten Saisonziel - Platz vier bis sieben - entfernte. „Das ist alles sehr holprig“, gesteht Trainer Roth.

Trotzdem ist die Krise nicht so richtig greifbar - und noch weniger erklärbar. Denn eigentlich begann alles ganz vielversprechend: eine gelungene Vorbereitung ohne Verletzte, eine erfolgreiche Integration der neuen Spieler und ein guter Saisonstart (4:0 Punkte). Dann folgte die unnötige 26:27-Heimniederlage gegen Gummersbach, die sich prompt als folgenschwerer Rückschlag entpuppte. Denn seitdem verlor die Mannschaft alle Schlüsselspiele gegen direkte Mitkonkurrenten um die erneute Europapokal-Qualifikation. Seitdem sucht sie ihre Form, hechelt ihr hinterher, weil die Leichtigkeit der letzten Saison, als die MT zum gleichen Zeitpunkt fünf Punkte mehr auf dem Konto hatte, Selbstzweifel gewichen ist.

Oder wie Michael Roth einfach, aber treffend beschreibt: „Wir probieren alles, wir geben alles, aber wir haben keinen Erfolg.“ Und das, „obwohl wir mit einer eigentlich eingespielten Mannschaft nicht viel anders machen als zuvor“.

Anders ist indes, dass die Leistungsträger schwächeln, worunter besonders der Positionsangriff leidet. Den Regisseuren Nenad Vuckovic und Patrik Fahlgren gelingt es nicht, ihre Nebenleute besonders im stark besetzten Rückraum mit dem nötigen Tempo in Szene zu setzen. Auslösehandlungen, um die individuelle Stärke etwa der Müller-Zwillinge zur Geltung zu bringen, die zudem weit von ihrer Bestform entfernt sind. Neuzugang Momir Rnic, in Göppingen der Top-Torjäger, braucht laut Roth „extrem gute Abläufe“, um erfolgreich zu sein, die er in Melsungen noch nicht vorfindet.

Allen ist gemein, dass sie sich mit jeder neuen Niederlage mehr unter (Eigen-)Druck setzen, was die eigene Verkrampfung oder falsche Entscheidungen in Schlüsselphasen des Spiels noch fördert. Also appelliert der MT-Coach insbesondere vor dem kommenden Duell gegen Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen (Samstag 19 Uhr), „ruhig und sachlich zu bleiben“. Im Angesicht der Krise („Wir müssen uns verbessern“) und in der Hoffnung, den angerichteten Schaden noch zu reparieren.

Denn: Im Europapokal, wo sein Team bei seinen ersten Auftritten gegen Toulouse durchaus überzeugte, lässt sich einiges gutmachen. Und in der Bundesliga ist der Zug nach oben nach 13 von 36 Spielen keineswegs ohne die Melsunger abgefahren. Nur müssen sie langsam, aber sicher selbst Fahrt aufnehmen. Archivfoto:  Fischer

Von Ralf Ohm

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