Handball-Bundesligist droht weiteres Abrutschen in der Tabelle

Analyse zur Lage bei der MT Melsungen: Weiter in einer Findungsphase

Die Melsunger Spieler (von links) Timo Kastening, Marino Maric, Finn Lemke, Felix Danner, Domagoj Pavlovic und Michael Allendorf stellen sich auf.
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Am Zusammenhalt im MT-Team liegt es nicht: Die Melsunger Spieler (von links) Timo Kastening, Marino Maric, Finn Lemke, Felix Danner, Domagoj Pavlovic und Michael Allendorf stellen sich am eigenen Kreis bei einem direkten Freiwurf der Flensburger auf.

Auch das dritte Topspiel in Folge endete für Handball-Bundesligist MT Melsungen mit einer Niederlage. Eine Analyse zur Situation bei der MT.

Kassel – Nein, der April war nicht der Monat des Handball-Bundesligisten MT Melsungen: vier Topspiele – vier Niederlagen. Die einzigen beiden Punkte holte das Team von Trainer Gudmundur Gudmundsson in der Kasseler Rothenbach-Halle gegen Abstiegskandidat Tusem Essen. In den Partien gegen die Rhein-Neckar Löwen, den SC Magdeburg, den THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt waren die Nordhessen zwar über weite Phasen ein Gegner auf Augenhöhe.

Die entscheidenden Momente gehörten aber nicht der MT.

„Wir wollten in dieser Woche zeigen, welche Qualität in uns steckt. Jetzt verlieren wir praktisch dreimal auf die gleiche Art“, bilanzierte MT-Rechtsaußen Timo Kastening nach dem 30:32 gegen Flensburg enttäuscht, „dann haben wir es auch verdient, dass wir nicht auf einem besseren Tabellenplatz stehen.“ Als derzeitiger Neuntplatzierter ist die MT aktuell von einem der ersten fünf Ränge so weit weg wie lange nicht. Um es ganz deutlich zu sagen: Wo einige andere, nicht unbedingt höher eingestufte Klubs den Problemen in der schwierigen Corona-Saison getrotzt haben, stecken die Melsunger nach wie vor in einer Findungsphase fest. Gudmundsson bat auch nach der Partie am Sonntag um Geduld: „Das ist ein Prozess. Wir sind auf dem richtigen Weg.“

Allerdings trug die Niederlagen-Serie der vergangenen Tage nicht dazu bei, dass sich der Prozess beschleunigt. „Ein Sieg wäre mal gut für die Moral in der Mannschaft gewesen“, erklärte der erneut starke Kai Häfner. Umso mehr, als nicht nur der Monat April, sondern auch der gesamte Zeitraum seit der Weltmeisterschaft im Januar in Ägypten nicht wirklich nach Wunsch verlaufen ist. Insgesamt sechs Begegnungen seit Mitte Februar in eigener Halle gingen verloren – darunter waren vermeintlich lösbare Aufgaben gegen Stuttgart und Balingen-Weilstetten. Und die 23:31-Pleite bei Hannover-Burgdorf tat bei der MT nicht nur den ehemaligen Hannoveranern Häfner und Kastening weh.

„Wir müssen uns weiter in allen Bereichen verbessern“, erklärte Melsungens kroatischer Spielmacher Domagoj Pavlovic noch, ehe er sich wie mehrere andere Teamkameraden in die Länderspielpause verabschiedete. Weiter geht es für die MT am Donnerstag, 6. Mai, beim SC DHfK Leipzig. Es ist der Auftakt in einen Spiele-Marathon. Offiziell ist bislang zwar nur, dass Melsungen im Mai noch gegen Göppingen (8.5.), in Minden (13.5), gegen Ludwigshafen (26./27.5) und in Coburg (29./30.5) antreten muss. Dazwischen sollen aber noch einige Nachholspiele ausgetragen werden. Rund um Pfingsten könnte die MT die Partien in Kiel und Flensburg bestreiten.

Es erwartet das Team jede Menge knifflige Aufgaben – den Nordhessen droht ohne entsprechende Ergebnisse ein Abrutschen in der Tabelle. Zuletzt schlossen die Melsunger eine Serie in der Spielzeit 2012/13 auf einem zweistelligen Platz ab. Damals war es Position zehn. Seither landete die Mannschaft immer auf einem Platz im Verfolgerfeld der Spitzengruppe.

Das wird jetzt nur dann möglich sein, wenn ...

eine andere Stimmung vorherrscht: Keine Frage, es muss eine andere Stimmung auf dem Feld her. Ein Beispiel: Als die MT gegen Flensburg nach einem Fünf-Tore-Rückstand auf 24:25 in der 48. Minute verkürzte, hätte man sich bei den Spielern mehr Begeisterung, mehr gegenseitige Anfeuerung, mehr Emotionalität gewünscht. In engen Spielen kann das den Unterschied ausmachen.

sich die Last auf mehr Schultern verteilt: Die Leistungsträger brauchen mehr Entlastung durch Spieler von der Bank wie Lasse Mikkelsen, Stefan Salger und Ole Pregler. Mikkelsen bekam gegen Flensburg schon mehr Spielzeit als sonst. Wenn die Last auf mehrere Schultern verteilt wird, ist in der Schlussphase einer Partie auch mehr Kraft da. Das war zuletzt häufiger ein Manko.

mehr Leichtigkeit ins Spiel kommt: Es wird zurzeit zu viel Handball gearbeitet. Es fehlt die Leichtigkeit. Nur mit mehr Spielfreude geht es bei der MT wieder bergauf. (Manuel Kopp und Björn Mahr)

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