Reaktion von Aufsichtsratschefin Braun-Lüdicke

Aufruhr um Heinevetter-Interview: Melsunger Torwart kritisiert Manager Geerken

Der Antreiber: Melsungens Torwart Silvio Heinevetter, hier beim Sieg am Sonntag in Leipzig.
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Der Antreiber: Melsungens Torwart Silvio Heinevetter, hier beim Sieg am Sonntag in Leipzig.

Applaus bekam Torwart Silvio Heinevetter vom Handball-Bundesligisten MT Melsungen am Sonntag jede Menge. Zunächst am Nachmittag für seine starke Vorstellung beim 26:22-Sieg in Leipzig. Und später am Abend, als ein Interview in den Sozialen Netzwerken auftauchte, das Heinevetter unmittelbar nach der Partie Sky gegeben hatte. Sogar der Kieler Profi Hendrik Pekeler postete bei Instagram den Link zum Sky-Bericht und spendete virtuell Beifall.

Kassel - Im Interview hatte Heinevetter insbesondere Melsungens Manager Axel Geerken scharf kritisiert, er warf ihm „eine fehlende offene und ehrliche Kommunikation“ vor. Die MT hatte vor einiger Zeit bekanntgegeben, dass der Ex-Berliner keinen neuen Vertrag bei den Nordhessen erhalten und im nächsten Sommer durch den polnischen Auswahltorwart Adam Morawski ersetzt wird.

Bei Sky sagte Heinevetter: „Im Handball ist es normal, dass es harte Entscheidungen geben muss. Aber als Spieler gibt es eins, was man erwarten kann: Das ist eine offene und vor allem ehrliche Kommunikation. Die war es bei Gott nicht. Es war einfach nicht ehrlich. Das ist schade, weil ich hier in eineinhalb Jahren viel Herzblut gegeben habe.“ Auf die folgende Frage, ob er das intern angesprochen hätte, sagte der 37-Jährige: „Ich habe es der Chefin (Barbara Braun-Lüdicke, Anm. der Red.) und Axel Geerken ins Gesicht gesagt, dass ich menschlich enttäuscht bin von Axel Geerken.“ Der Torhüter wollte eigentlich nicht ins Detail gehen, sagte dann aber doch: „Wenn man einen anderen Torhüter verpflichtet hat und den anderen über Wochen und Monate bei Laune hält und mit ihm verhandelt, dann ist das nicht die feine englische Art.“

Heinevetter fühlt sich in der Region wohl. So war er häufiger Zuschauer bei den Partien des Eishockey-Zweitligisten Kassel Huskies und des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen. Auch den Melsunger Handball-Nachwuchs unterstützte er schon mal bei wichtigen Heimspielen. Zudem zählt er seit Kurzem als Mitinhaber des Restaurants Holy Nosh zum Kreis der Kasseler Gastronomen.

Auf die Aussagen von Heinevetter reagierte die MT gestern in einer Stellungnahme von Aufsichtsratschefin Barbara Braun-Lüdicke. Sie erklärte, dass der Verein stolz auf die Leistungen der Mannschaft gegen Stuttgart und vor allem in der zweiten Halbzeit in Leipzig sei. „Zu den Erfolgsgaranten gehörten dabei zweifellos neben dem Spielfeld Trainer Roberto Garcia Parrondo und auf dem Spielfeld Silvio Heinevetter. Apropos: Wir respektieren Silvio als Persönlichkeit und als Sportsmann. Umgekehrt erwarten wir auch von unseren Spielern Respekt gegenüber dem Verein als ihrem Arbeitgeber. Deshalb werden wir auf die von Silvio im anschließenden TV-Interview gemachten emotionalen Äußerungen ausschließlich mit einem internen Gespräch reagieren“, teilte Braun-Lüdicke mit. Eine weitaus größere Herausforderung sei es angesichts steigender Infektionszahlen, den Sport den Fans in einem sicheren Umfeld zu präsentieren.

In der vergangenen Saison, in der die MT von Coronaproblemen besonders schwer gebeutelt war, war es Heinevetter seltener gelungen, seine Klasse zu demonstrieren. Was aber auch damit zu tun hatte, dass die Abwehr unter Ex-Trainer Gudmundur Gudmundsson etliche Schwächen offenbarte. In diesem Spieljahr läuft es bedeutend besser. Heinevetter überzeugte nicht nur in Leipzig auf ganzer Linie. Und überhaupt ergänzt er sich hervorragend mit Nebojsa Simic.

Heinevetter war im Sommer 2020 zur MT gekommen. Sein Wechsel stand bereits im Frühling 2019 fest – und sorgte für viel Aufsehen. Bis heute ist es der wahrscheinlich spektakulärste Transfer der Melsunger. Klar, bei den Füchsen in Berlin, wo er mehr als ein Jahrzehnt tätig war, war er längst zu einer festen Institution geworden. Geerken sagte damals zur Verpflichtung des gebürtigen Thüringers: „Silvio ist ein Spieler, der polarisiert, aber vor dem die Gegner großen Respekt haben.“ (Manuel Kopp und Björn Mahr)

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