Bundesliga: Roth-Team phasenweise nahe an der Perfektion - Torwart Appelgren ragt trotzdem heraus

MT berauscht sich und die Fans

Da schreit einer seine Freude heraus: Melsungens Linksaußen Michael Allendorf, einer der Protagonisten eines berauschenden Spiels. Foto: Schachtschneider

Kassel. Wenn Superlative wie „fantastisch“ (Melsungens Trainer Roth) oder „sensationell“ (MT-Rückraumspieler Michael Müller) von den Protagonisten selbst nach einem Handballspiel die Runde machen, muss zuvor etwas Außerordentliches, ja Besonderes passiert sein. Eher unzureichend bestätigt durch das nackte Ergebnis, ein 31:24-Erfolg der MT Melsungen über die Füchse Berlin im Verfolgerduell der Handball-Bundesliga.

Ein wichtiges und für die Europapokalambitionen der Gastgeber durchaus wegweisendes Detail, das aber die Euphorie auf und neben dem Spielfeld, ausgelöst durch die beste Saisonleistung der MT, allenfalls erahnen lässt. Die gipfelte in den letzten zwölf Minuten vor der Pause in einen wahren Spielrausch, welche sogar beim eigenen Trainer eine Gänsehaut auslöste. „Viel besser kann man nicht spielen“, kommentierte Michael Roth den 10:1-Lauf.

Der hatte eine Vorgeschichte. Als die Berliner sich auf 9:10 herangekämpft hatten, entschied sich Trainer Dagur Sigurdsson zum Ringtausch, brachte seine „zweite“ Angriffsreihe mit Weltmeister Romero, Champions-League-Gewinner Igropulo und dem erfahrenen Kreisläufer Pevnov. In der Folge waren sie nur Statisten, ja staunende Beobachter, wie ihre Mannschaft Tor um Tor auseinandergenommen und von Melsungen überrollt wurde. Die ebenfalls eingewechselten Marino Maric und Michael Müller zündeten dagegen sofort und trugen vier Treffer zum vorentscheidenden 20:11 bei. Das 18:11 von Michael Allendorf, einer von insgesamt elf erfolgreichen Tempogegenstößen, ging fast im Dauerjubel der 3400 Zuschauer unter, die sich ebenfalls in einen Rausch steigerten.

Das war ein Zusammenspiel fast so gut wie das der Vorderleute von Mikael Appelgren mit ihrem überragenden Torwart. „Wir haben immer Druck auf die gegnerischen Angreifer ausgeübt und sie so zu Notwürfen gezwungen“, lobte der Schwede seine Defensivabteilung. Und stach trotzdem ein bisschen heraus: mit einer unvorstellbaren Quote gehaltener Bälle von knapp über 50 Prozent.

Allein bis zum ersten Tor der Berliner hatte er schon sechsmal erfolgreich die Hand oder ein Bein am Leder gehabt. „Paraden“, so Kreisläufer Marino Maric, „die uns von Anfang an den nötigen Rückhalt gegeben haben.“ Paraden, die aber auch nicht unbeantwortet blieben. Ein einziger technischer Fehler seiner Mannschaft in der ersten Hälfte unterstreicht das phasenweise perfekte Umschalten auf die Offensive.

Das Glücksgefühl hielt an, weil die Melsunger ihre kunstvoll herausgespielte Führung verteidigten und so der Versuchung widerstanden, die Zügel im Gefühl des sicheren Sieges schleifen zu lassen. Umso schwerer war es, von diesem „Trip“ wieder runter zu kommen. Michael Roth versuchte es mit einem Blick nach vorn: „Wir haben uns in eine überragende Form gespielt, doch die müssen wir nun weiter bestätigen.“ Schon am Samstag in Friesenheim.

Von Ralf Ohm

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