Nur ein Testspielsieg gegen einen Erstligisten

Bilanz der Vorbereitung der MT Melsungen: Mehr Freude am Konkurrenzkampf, aber zu wenig Begeisterung geweckt

Torjäger auf Rechtsaußen: MT-Profi Timo Kastening (rechts, hier gegen Mindens Mats Korte).
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Torjäger auf Rechtsaußen: MT-Profi Timo Kastening (rechts, hier gegen Mindens Mats Korte).

Kurz vor dem Saisonstart in der Handball-Bundesliga ziehen wir eine Bilanz der Vorbereitung der MT Melsungen.

Der erste Auftritt der Bundesliga-Saison 2021/22 rückt näher. Am Mittwoch ab 19.05 Uhr geht es für die Handballer der MT Melsungen mit einem Auswärtsspiel gegen den TBV Lemgo Lippe los – es ist die Neuauflage des Pokalfinales vom Juni.

Erstmals vor heimischer Kulisse präsentieren sich die Nordhessen dann am Samstag ab 20.30 Uhr gegen den THW Kiel. Bevor sich die Melsunger ab heute auf die Aufgabe im Lipperland einstimmen, blicken wir noch einmal auf deren Vorbereitung. Das war gut, das war schlecht.

Das war gut

Neuzugänge: Elvar Örn Jonsson spielte zuletzt in Dänemark für Skjern. Nun steht der robuste Isländer vor seinem ersten Einsatz in der deutschen Bundesliga. Während der Eingewöhnungsphase zeigte Jonsson, der vergangene Woche 23 Jahre alt wurde, seine Qualitäten. Er ist sowohl für die Defensive als auch für die Offensive ein Gewinn. „Elvar hat überragend gedeckt“, lobt Trainer Gudmundur Gudmundsson. Auch Alexander Petersson unterstrich seinen Wert für das Team. Über ihn sagt sein Coach: „Alex hat bewiesen, dass er Kai Häfner entlasten kann. Zudem ist er sehr zuverlässig in der Abwehr und stark im Gegenstoß.“

Tempo: Melsungen gehörte in der vergangenen Serie nicht unbedingt zu den Teams, bei denen die Post abging. Jetzt ist die Spielgeschwindigkeit spürbar höher. Trotz der sieben Olympia-Teilnehmer macht die Mannschaft einen fitten Eindruck. „Wir sind körperlich gut vorbereitet“, erklärt Kreisläufer Marino Maric. Allerdings leistet sich die MT noch zu viele Ballverluste. „Wir müssen die Zahl der technischen Fehler reduzieren“, fügt Maric hinzu. „Wir haben immer noch Platz für Entwicklung.“

Spezialistenwechsel: Als ein Problem in der letzten Saison machte Gudmundsson die vielen Spezialistenwechsel aus. Auffällig: Diese vermied der Trainer in den Tests – und das funktionierte gut. Beispielsweise überzeugten Jonsson und Arnar Freyr Arnarsson im Innenblock gegen Minden und setzten auch in der Offensive Akzente. Wenn Abwehrstratege Finn Lemke auf dem Feld stand, spielte er meist auch im Angriff.

Konkurrenzkampf: Zwar dürfte Gudmundsson schon im Kopf haben, mit wem er in Lemgo beginnen möchte – leicht macht ihm seine Mannschaft aber die Entscheidung nicht. Denn jeder Spieler brachte sich voll ein. Das gilt für die beiden Torhüter Nebojsa Simic und Silvio Heinevetter ebenso wie für die vier Außen Timo Kastening, Tobias Reichmann (beide rechts), Yves Kunkel und Michael Allendorf (beide links). Ganz besonders interessant ist die Situation im Rückraum, wo drei Spieler auf Halblinks agieren können: neben Julius Kühn noch der Portugiese Andre Gomes und Jonsson.

Das war schlecht

Stimmung: Euphorie und Aufbruchsstimmung löste die MT mit ihren Auftritten bei den Fans nicht aus. Dazu waren die Leistungen zu unkonstant. Wie gegen Minden, als auf eine starke erste Halbzeit ein sehr schwacher Start aus der Pause folgte. Wie gegen Leipzig, als in den letzten 15 Minuten nicht mehr viel zusammenlief. Na klar, es wurde wie in Testspielen üblich viel gewechselt und ausprobiert, die Brüche im Spiel waren aber dennoch zu groß.

Resultate: Zugegeben, Ergebnisse sind nicht das Wichtigste in der Vorbereitung. Aber den Melsungern hätte es gut zu Gesicht gestanden, wenn sie zumindest in einem Duell mit einem Erstligisten mal ein dickes Ausrufezeichen gesetzt hätten. Das 22:19 am Freitag in Kassel gegen Minden war letztlich der einzige Sieg gegen einen Ligarivalen. Ansonsten gab es noch Erfolge gegen die Zweitligisten TV Hüttenberg und HSC Coburg.

Personelle Lage: Neuzugang Gomes (Zerrung) verletzte sich zum Auftakt des Linden-Cups. Wann er wieder einsatzbereit ist, ist noch fraglich. Auch weitere Akteure fielen vorübergehend aus – zuletzt musste Maric wegen einer Platzwunde passen. (Björn Mahr und Manuel Kopp)

Wieder im Pokal gegen Bietigheim

Die Wildunger Siebenkämpferin Carolin Schäfer hat der MT Melsungen Glück gebracht. Die Olympia-Teilnehmerin bescherte als Losfee dem nordhessischen Handball-Bundesligisten für die zweite Pokalrunde ein Duell mit einem Zweitligisten. Am 5. oder 6. Oktober gastiert die MT bei der SG BBM Bietigheim. Schon vor zwei Jahren hatte Melsungen im DHB-Pokal das Vergnügen mit der SG – damals gab es ein 31:25. „Mit dem Los können wir gut leben. Aber wir dürfen den Gegner nicht unterschätzen“, sagt MT-Trainer Gudmundur Gudmundsson. Kreisläufer Marino Maric ergänzt: „Wir sind der Favorit. Doch Auswärtsspiele sind immer unangenehm.“ Die Bietigheimer werden jetzt vom Ex-Hannoveraner Assistenzcoach Iker Romero trainiert. 

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