Trainer Michael Roth zur Qualität und Form des Teams

MT Melsungen vor dem Saisonstart: "Da wächst was Schönes"

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Ansprache: Trainer Michael Roth gibt seinem Team (von links: Philipp Müller, Timm Schneider und Lasse Mikkelsen) während einer Auszeit neue Anweisungen.

Kassel. Die MT Melsungen eröffnet am Donnerstag ab 19 Uhr mit dem Spiel beim TVB Stuttgart die Saison 2017/18. Vorab haben wir MT-Trainer Michael Roth zur Saison befragt.

Die Form

19 Spiele, 19 Siege – die Ergebnisse der MT während der Eingewöhnungsphase haben gestimmt. Wichtiger aber noch: Die Melsunger wurden vom Verletzungspech nicht so sehr gebeutelt wie vor einem Jahr, als einige Spieler während der ersten gemeinsamen Wochen überhaupt nicht zur Verfügung standen. Ärgerlich nur, dass die Mannschaft kurz vor Rundenstart das Zusammenspiel zwischen den Innenverteidigern Philipp Müller und Finn Lemke nicht weiter verfeinern konnte, weil die beiden angeschlagen pausieren mussten.

Das sagt Trainer Michael Roth: „Unsere Planung ist aufgegangen. Es ist schon zu sehen, dass wir an Qualität gewonnen haben und dass etwas Schönes zusammenwächst. Die Mannschaft ist so weit, dass sie gut in die Runde starten kann. Es hätte uns allerdings gut getan, wenn die letzte Woche anders gelaufen wäre und wir Finn und Philipp dabei gehabt hätten.“

Die Integration der Neuen

Sieben Spieler haben die MT im Juni verlassen, darunter die langjährigen Spielmacher Patrik Fahlgren und Nenad Vuckovic. Fünf Neue stehen im Kader: Neben Lemke noch Torjäger Julius Kühn, Weltklasse-Rechtsaußen Tobias Reichmann, der dänische Spielmacher Lasse Mikkelsen sowie Torwart Nebojsa Simic. Auffällig ist, dass fast alle Neuverpflichtungen schon ihre Rolle im Team gefunden haben und mit Leben ausfüllen.

Am Ball: MT-Neuzugang Tobias Reichmann beim Sparkassen-Cup gegen den TBV Lemgo.

Das sagt Trainer Roth: „Die Integration klappt bei allen gut. Was sich etwa daran zeigt, dass sich unser Spiel nach vorn weiter verbessert hat. Lasse Mikkelsen hat bewiesen, dass er viel Qualität besitzt. Aber als Spielmacher hat er es bei einem neuen Verein besonders schwer. Timm Schneider hat deshalb auf der Mitte noch einen kleinen Vorteil.“

Die Spielweise

Das Melsunger Spiel zeichnet sich seit Jahren durch hohes Tempo auf. Erklärtes Ziel: der leichte Torerfolg über schnelle Konter. Wie sich in den Testspielen gezeigt hat, wird das Team noch mehr Druck über erste, zweite und sogar dritte Welle ausüben. Hoffnungsträger ist Finn Lemke, der auch bei der deutschen Nationalmannschaft oft die Gegenstöße einleitet.

Das sagt Trainer Roth: „Unser Motto lautet 60 Minuten Vollgas. Das ist auf allen unseren Produkten auch so zu lesen, und dies soll nicht nur so ein Spruch sein. Genau das dürfen die Zuschauer auch von dieser Mannschaft erwarten.“

Die Zielsetzung

Nach dem sensationellen vierten Rang in der Serie 2015/16 hatte die MT nach einem kapitalen Fehlstart einige Probleme, den Rhythmus zu finden. 2016/17 wurde es Rang sieben.

Das sagt Trainer Roth: „Ich denke, dass die Topklubs aus Mannheim, Kiel und Flensburg den Titel unter sich ausmachen werden. Wir peilen dennoch einen Platz zwischen eins und sechs an und wollen zurück in den Europapokal. Es wird allerdings schon schwer genug, sich Mannschaften wie Hannover, Göppingen, Berlin und Magdeburg vom Leib zu halten. Bei aller Euphorie muss klar sein: Unser Team benötigt erst mal Stabilität, es muss vernünftig wachsen. Wir brauchen dazu eine gute Abwehr und starke Torleute.“

Die Erwartungshaltung

Die Fans sind auch wegen der Verpflichtungen der deutschen Nationalspieler Kühn, Reichmann und Lemke in Massen zu den Tests und PR-Terminen gekommen. Das neue Trikot war in einigen Größen schnell vergriffen. Und mit 2200 Tickets setzte die MT so viele Dauerkarten ab wie noch nie zuvor.

Das sagt Trainer Roth: „Die Mannschaft muss zeigen, dass sie die beste ist, die es hier je gab. Zurzeit machen die Jungs einen lockeren Eindruck. Ich passe auf, dass nicht so viel Druck aufgebaut wird. Als Trainer trage ich die Verantwortung für diese Truppe. Ich weiß, dass ich Ergebnisse liefern muss. Mehr Druck habe ich deshalb nicht. Es macht mir Spaß, mit dem Team zu arbeiten.“

Die Zukunft

Im nächsten Sommer laufen bei der MT sieben Verträge aus. Es geht um folgende Spieler: Kapitän Michael Müller, Philipp Müller, Timm Schneider, Dener Jaanimaa, Jeffrey Boomhouwer, Arjan Haenen und Youngster Johannes Golla. Noch ist nicht bekannt, wer bleiben soll.

Das sagt Trainer Roth: „Vor Oktober wird es keine Entscheidungen geben. Wir haben vereinbart, erst dann weitere Gespräche zu führen.“

MT Melsungen - der Kader der Saison 2017/2018

Angriff auf die großen Drei?

Exakt 75 Tage dauerte die Sommerpause in der Handball-Bundesliga. Am Donnerstag geht es wieder los. Es finden die beiden ersten von insgesamt 306 Punktspielen statt. Jeweils ab 19 Uhr treffen dabei der TVB Stuttgart und die MT Melsungen sowie die Eulen aus Ludwigshafen und Europapokalsieger Frisch Auf Göppingen aufeinander. 

Sehr ambitioniert: Michael Allendorf und die Handballer der MT Melsungen.

Drei Fakten zum Serienstart

  • Die großen Drei bekommen mächtig Konkurrenz. In den vergangenen Jahren gab es eigentlich nur eine Frage: Wer wird Meister, der THW Kiel, die Rhein-Neckar Löwen aus Mannheim oder die SG Flensburg-Handewitt? Nun sind diese drei Klubs zwar immer noch die Top-Favoriten auf den Titel, gleich mehrere Vereine wollen aber den Abstand zur Spitze verkürzen. „Die großen Drei bleiben die großen Drei, aber dahinter wird es enger“, sagt Axel Geerken, der Manager der MT Melsungen.

    Neben der MT und der TSV Hannover-Burgdorf werden auch der SC Magdeburg, die Füchse Berlin und Göppingen hoch gehandelt. „Melsungen hat gute Leute geholt und muss oben mitspielen“, erklärt Göppingens Coach Magnus Andersson. Titelverteidiger sind die Löwen.
  • Es gab einige spektakuläre Transfers. Kiel verpflichtete den 25 Jahre alten slowenischen Regisseur Miha Zarabec, Flensburg holte das 2,04 m große norwegische Riesentalent Magnus Röd für Halbrechts. „Die SG ist am besten eingespielt und deshalb mein Meisterschaftsfavorit“, sagt Melsungens Torwart Johan Sjöstrand.

    Aufsehen aber erregte insbesondere die MT, die sich unter anderen mit den drei deutschen EM-Helden Tobias Reichmann, Julius Kühn und Finn Lemke verstärkte. Hannover ließ mit der Verpflichtung des russischen Ausnahme-Spielmachers Pavel Atman aufhorchen. Zudem hat das Team aus der Leinestadt ein neues, interessantes Trainergespann. Der spanische Chefcoach Carlos Ortega, früher in Kopenhagen/Dänemark und Veszprem/Ungarn, wird vom einstigen Berliner Publikumsliebling Iker Romero unterstützt. „Wir wollen unter die ersten Zehn“, sagt TSV-Manager Benjamin Chatton, „wir müssen uns erst einmal konsolidieren.“ In der vergangenen Saison spielten die Niedersachsen eine katastrophale Rückrunde und wurden lediglich Elfter.
  • Die Aufsteiger sind die ersten Abstiegskandidaten. Der Abstieg wurde neu geregelt. Ab dieser Saison müssen nur noch zwei Klubs die Klasse verlassen, und es sind – wie immer – die Neulinge, denen nur geringe Chancen auf den Ligaverbleib eingeräumt werden. Dabei wird der Zweitliga-Meister TuS N-Lübbecke noch um einiges höher eingeschätzt als Ludwigshafen und der TV Hüttenberg. Zumal die Ostwestfalen mit dem polnischen Kreisläufer Piotr Grabarczyk sowie dem ungarischen Schlussmann Peter Tatai zwei exzellente Akteure aufbieten können.

    Spieler dieser Qualität sucht man bei den Mitaufsteigern vergeblich. „Wir bauen auf unseren Teamgeist“, betont der isländische TVH-Trainer Adalsteinn Eyjolfsson. Der frühere Kasseler muss nach dem Aufstieg mit seiner Mannschaft in eine andere Halle umziehen. Weil die Spielstätte in Hüttenberg nicht Erstliga-Ansprüchen genügt, trägt das Team seine Partien künftig in der Sporthalle Ost in Gießen aus.

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