MT Melsungen

Handball-Bundesliga verzichtet auf Virus-Wellenbrecher

Handball: Bundesliga, SC Magdeburg - Rhein-Neckar Löwen, 7. Spieltag Torwart Nikolas Katsigiannis (2.v.r.) von den Rhein-Neckar Löwen jubelt nach dem Abpfiff mit seinen Teamkollegen Ilija Abutovic (l-r), Ymir Örn Gislason, Lukas Nilsson und Rafael Baena Ginzalez. Foto: Ronny Hartmann/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Sie haben am Samsta gespielt: Lukas Nilsson und Nikolas Katsigiannis (von links) von den Rhein-Neckar Löwen.

Die Handball-Bundesliga setzt ihren Spielbetrieb fort, allerdings wurden auch die Sonntag-Partien Göppingen - Wetzlar und Berlin - Flensburg abgesagt. Vorstand Axel Geerken (MT Melsungen) sagt: Unser Hygienekonzept funktioniert intern.“ Dennoch hätte er am Wochenende alle Spiele gestoppt.

Kassel – Nein, sie machen den Laden nicht komplett dicht. Nicht für das Wochenende, nicht für zehn oder 14 Tage. „Das aktuelle Infektionsgeschehen können wir noch handhaben“, sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga nach einer kontrovers geführten Telefonkonferenz mit Machern aller 20 Klubs am Freitag. „Unser Hygienekonzept funktioniert intern doch“, erst die Länderspiele hätten die Probleme gebracht, erklärte Axel Geerken, Vorstand der MT Melsungen. „Jeder einzelne Klub hat das vor Ort doch gut im Griff. Das, was für uns alle jetzt so verheerende Folgen hat, ist im Ursprung kein deutsches Problem.“

Vor diesem Hintergrund verzichtet die HBL auf einen „Virus-Wellenbrecher“ und hält am bestehenden Spielplan fest – trotz der infizierten Nationalspieler Finn Lemke (Melsungen), Johannes Bitter (Stuttgart), Marian Michalczik (Berlin) und Juri Knorr (Minden). Sie hat aber für dieses Wochenende den Klubs die Möglichkeit zu Spielverlegungen verlängert, wenn mindestens zwei Spieler in Quarantäne sind. Davon machen nun auch Göppingen und Wetzlar Gebrauch – die insgesamt achte Spielabsage dieser Tage. Am Samstag kam die Partie Berlin gegen Flensburg hinzu - die Füchse wurden wegen eines weiteres Coronafalls in Quarantäne geschickt.

Wetzlars Trainer Kai Wandschneider hatte am Donnerstag nach dem 31:22 der HSG gegen Coburg die Fortsetzung des Spielbetriebes als „bizarr“ kritisiert. „Ich hätte mir gewünscht, dass die HBL auch unsere Partie absetzt. Wir verstehen nicht, wieso mit zweierlei Maß gemessen wird.“

Wandschneider sprach sich für eine Unterbrechung der Runde aus. „Die Bewertungs- und Beurteilungsmaschinerie geht weiter, denn wir haben sportlichen Wettbewerb, in dem es eigenartigerweise weiterhin um Meisterschaften geht. Aber wir haben schon lange keine Wettbewerbsgerechtigkeiten mehr und werden jetzt die Konsequenzen sehen“, sagte der 61-Jährige. Er hatte gegen Coburg freiwillig auf Nationaltorwart Till Klimpke verzichtet – obwohl dessen Corona-Tests allesamt negativ waren. „Wir tragen eine gesellschaftliche Verantwortung und betonen das auch immer. Wir wissen, dass die Inkubationszeit mindestens fünf, sechs Tage dauert.“ Eine Zeitspanne, die auch MT-Manager Geerken gern abgewartet hätte mit einer Verlegung aller Wochenend-Spiele. Aus Geerkens Sicht machen Schuldzuweisungen aber jetzt keinen Sinn, „HBL und DHB handeln nach bestem Wissen und Gewissen“. Der Status Quo aber sei „emotional ein Hammer“, im Arbeitsaufwand „einfach unglaublich“ und im Ertrag ein Draufleger.

„Wir haben keine Fans in der Halle, wir haben derzeit für voraussichtlich zwei Wochen nicht einmal eine Mannschaft, und wir haben die Chance eines Heimspiels gegen Magdeburg als Livespiel in der ARD mit großer Zuschauer-Reichweite verpasst“, führt Geerken an. Dafür ausgewählt worden zu sein, habe die Melsunger stolz gemacht, sei „eine Wertschätzung unserer Arbeit mit einer attraktiven deutschen Mannschaft“. Dass diese Chance nach der Absage wiederkommen könnte, sei illusorisch, sagt Geerken. Am Samstag sprangen die Rhein-Neckar Löwen gegen Lemgo in die TV-Bresche (26:18 für die Mannheimer). Und nur noch ein weiteres Spiel dürfen die Öffentlich-Rechtlichen im Saisonverlauf im Free-TV senden.

Hinzu kommt wirtschaftlicher Schaden. Die von der Europäischen Handball-Föderation gezahlten Gebühren für die Abstellung der Nationalspieler seien alles andere als kostendeckend, auch bei DHB und HBL könnten keine Kosten wie der Ausfall im Extra-Sponsoring für das TV-Spiel geltend gemacht werden, so Geerken, da gebe es keine Versicherungen. Allein für die Quarantänemaßnahmen gebe es einen Ausgleich über das Infektionsschutz-Gesetz, weil sie von den Behörden angeordnet seien.
(Gerald Schaumburg mit sid/dpa)

MT-Nachwuchs versorgt Profis

Nicht alle Bundesliga-Spieler der MT haben Angehörige im näheren Umfeld. Da die Handballer aber ihre Quarantäne nicht einmal zum Einkaufen von Lebensmitteln verlassen dürfen, organisieren die Melsunger gemeinsam mit Nachwuchskoordinator Axel Renner nun einen Einkaufsdienst, den Jugendliche der Nachwuchsteams übernehmen. (sam)

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