Simic und Häfner überragen in Gudmundssons Team

Handball-Bundesligist MT Melsungen ringt die Wetzlarer nieder: 28:26

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Aufopferungsvoller Kampf: Die Melsunger Verteidiger Timm Schneider (im Hintergrund links) und Finn Lemke lassen die Wetzlarer Anton Lindskog und Filip Mirkulovski (Nummer 13) nicht zur Entfaltung kommen. Den Rest erledigte oft Torwart Nebojsa Simic (rechts). 

Kassel. Es wurde eine rot-weiße Handball-Party. Im Hessenderby der Männer-Bundesliga setzte sich die MT Melsungen 28:26 gegen die HSG Wetzlar durch. 

Der letzte Wurf des Handball-Abends ist ein Mondball. MT-Profi Domagoj Pavlovic befördert zwei Sekunden vor Ende des Bundesliga-Krachers gegen die HSG Wetzlar den Ball ganz entspannt über den Ergebniswürfel hinweg, der unter der Decke der Kasseler Rothenbach-Halle hängt. Es ist so etwas wie der Startschuss in eine rot-weiße Melsunger Handball-Party. Danach reckt Pavlovic den Wurfarm in die Höhe, seine Kollegen fallen sich glückselig in die Arme – und die MT-Anhänger unter den 4300 Zuschauern kommen sowieso aus dem Applaudieren kaum heraus.

Der Jubel war verständlich. Denn nach einem denkwürdigen Hessenderby stand für das Team des neuen Melsunger Trainers Gudmundur Gudmundsson ein 28:26 (13:14)-Erfolg zu Buche, der dem Team wieder einige Möglichkeiten im Kampf um die Europacup-Plätze eröffnet. „Wenn du gegen Wetzlar gewinnst, dann fühlt es sich natürlich besonders gut an“, stellte Linksaußen Yves Kunkel mit einem breiten Grinsen fest.

Normalerweise hätten er und seine Mitstreiter ein ausgedehntes Bad in der Menge genommen. Doch wegen der Corona-Thematik mussten Autogramm- und Selfiewünsche der kleinen und großen Fans diesmal unerfüllt bleiben. Torwart Nebojsa Simic, neben Rückraumschütze Kai Häfner einer der überragenden Melsunger Akteure, bat über das Hallenmikrofon um Verständnis. Ihm tat es besonders leid, dass sich seine Mannschaft nicht in gewohnter Form beim Publikum bedanken konnte: „In der Phase, als es 20:20 und 21:21 stand, haben wir das Spiel zusammen mit den Fans in die richtige Richtung gedreht.“

Tatsächlich hatte es bis weit in die zweite Hälfte gedauert, bis die Gastgeber auf die Siegerstraße eingebogen waren. Speziell in der Anfangsphase hatten die Hausherren größte Mühe, dem hessischen Rivalen zu folgen. 4:10 lagen sie nach einer knappen Viertelstunde zurück. Viel mehr Fehlstart ging eigentlich nicht.

Doch genau wie beim 31:26-Hinspielsieg gelang es den Melsungern, die Begegnung zu drehen. „Nach einigen Umstellungen waren wir viel besser in der Abwehr, die zweite Hälfte war fast sensationell“, resümierte Gudmundsson. Der Isländer hatte in seinem ersten Bundesliga-Heimspiel als MT-Coach nach einer Viertelstunde den bulligen Timm Schneider an die Seite von Kapitän und Abwehrchef Finn Lemke beordert. Ein kluger Schachzug, denn die Nordhessen präsentierten sich in der Defensive nun sehr beweglich. Sie rangen den Kontrahenten nieder. Schon bezeichnend, dass Wetzlars personifizierte Tormaschine Stefan Cavor überhaupt nicht auf Touren kam.

Hinter einer fantastischen Defensivformation lief Simic zu großer Form auf. Parade reihte sich an Parade. Dabei deckte Innenblocker Lemke oft eine Torecke ab. Das machte es Simic beispielweise in der 51. Minute leicht, gegen Alexander Feld zu parieren. In dieser Phase erzielte die MT durch Roman Sidorowicz, den glänzend aufgelegten Häfner, Tobias Reichmann und Kunkel vier Treffer in Folge (24:21, 52.).

„Die Melsunger Deckung hat sich gesteigert. Und uns ist etwas die Kraft ausgegangen“, räumte HSG-Coach Kai Wandschneider ein. Allerdings fanden die Melsunger, die sich durch einige umstrittene Entscheidungen der Unparteiischen nicht aus der Ruhe bringen ließen, im Angriff wiederholt gute Lösungen. So bereitete Sidorowicz gekonnt die erfolgreichen Abschlüsse von Pavlovic (26:23) und Marino Maric (27:23) vor.

Spätestens jetzt war klar: Dass der angeschlagene Lasse Mikkelsen nur für einen Siebenmeter zur Verfügung stand, war nicht mehr als eine Randnotiz. In Erinnerung blieb vor allem viel rot-weißer Jubel.

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