Für den Titel gibt es 500 000 Euro

Handball-WM: Bundestrainer Alfred Gislason tritt mit einigen unerfahrenen Spielern in Ägypten an

Der Bundestrainer Alfred Gislason bestreitet mit der deutschen Mannschaft am Freitag sein erstes Turnierspiel.
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Der Bundestrainer: Alfred Gislason bestreitet mit der deutschen Mannschaft am Freitag sein erstes Turnierspiel.

Der erste Auftritt der deutschen Handball-Nationalmannschaft bei der WM in Ägypten rückt näher. Morgen ab 18 Uhr (ARD) geht es gegen Uruguay. Wir blicken heute auf das deutsche Team.

Als Kai Häfner das letzte Mal in Kairo war, bekam er eine Goldmedaille um den Hals gehängt. Im Sommer 2009 gewann der Handball-Profi, damals noch mit üppigerer Haarpracht, mit der deutschen Junioren-Nationalmannschaft in Ägypten den WM-Titel. „Es war ein tolles Turnier damals, da ist viel hängengeblieben“, sagt der 31-Jährige von der MT Melsungen und schiebt schmunzelnd nach: „Ich hätte nichts dagegen, wenn es jetzt wieder so laufen würde.“

Die Weltmeisterschaft 2021 bei den Männern ist aber nicht ansatzweise mit der Veranstaltung von vor zwölf Jahren zu vergleichen. Jetzt sind keine Zuschauer zugelassen. Es gibt wegen der Corona-Pandemie strenge Hygieneregeln. Erstmals sind 32 statt 24 Mannschaften am Start. Und den vermeintlich stärksten Kader hat das Team von Trainer Alfred Gislason aus bekannten Gründen nicht beisammen. Mit dem Kieler Kreisläufer Patrick Wiencek fehlt beispielsweise einer der Helden von 2009.

Dafür tauchen nun Spieler wie Antonio Metzner, Moritz Preuss und Sebastian Firnhaber im Aufgebot auf. Was nichts Schlechtes sein muss – Kapitän Uwe Gensheimer erklärte während der Vorbereitung: „Ich habe zu den Jungs gesagt: Jeder ist hier bei der Nationalmannschaft, weil er gute Leistungen in der Bundesliga gezeigt hat.“

Erst am Montag wurde noch Lukas Stutzke vom Bergischen HC ins Team genommen – als Ersatz für Christian Dissinger, der nach langer Trainings- und Wettkampfpraxis noch nicht voll bei Kräften ist. „Wir wissen, was wir an Lukas haben. Er ist ein sehr schneller, ein sehr dynamischer und auch kreativer Abwehrspieler“, lobt Sportvorstand Axel Kromer. Stutzke trainierte aber erst gestern zum ersten Mal mit dem Team. Die letzte Einheit vor der Abreise verpasste der Rotschopf, weil er von der Mannschaft bis zu einem negativen Coronatest isoliert war.

Stutzke kann im Verlauf des WM-Turniers noch wichtig werden, weil er auch in der neu einstudierten 5:1-Deckung eine wichtige Rolle übernehmen kann. Die Hoffnungen ruhen in der Verteidigung aber vorerst auf Sebastian Firnhaber und Johannes Golla, die sich während der EM-Qualifikationsspiele schon viel Respekt verdient haben. Der Erlanger Firnhaber ist von seinem Nebenmann schon nach kurzer Zusammenarbeit begeistert: „Johannes ist ein überragender Teamplayer.“ Der erst 23-jährige Golla war schon vor einem Jahr bei der EM in Norwegen, Österreich und Schweden dabei und sammelte schon bei der SG Flensburg-Handewitt viel internationale Erfahrung. Firnhaber kommt indes zugute, dass er schon drei Jahre in Kiel unter Gislason gespielt hat: „Alfred bringt die nötige Ruhe rein.“

Viel wird aber davon letztlich abhängen, wie viel Druck die erfahrenen Kräfte von den WM-Neulingen nehmen. Spieler wie die Rückraumakteure Philipp Weber, Julius Kühn, Paul Drux und Häfner müssen vorangehen. Ähnliches gilt für die vier Außen Gensheimer, Marcel Schiller, Tobias Reichmann und Timo Kastening. Die geringsten Sorgen dürfte Gislason zwischen den Pfosten haben: Andreas Wolff, Johannes Bitter und Silvio Heinevetter sind Weltklasse-Torhüter.

Aus seinem 20-köpfigen Kader muss sich der Isländer vor dem ersten Spiel für 16 Akteure entscheiden. Zwischen den Begegnungen kann er aber jederzeit wechseln. Theoretisch kann er auch noch Spieler nachmelden – vorausgesetzt, dass sie zu dem 35-köpfigen Kader gehören, der dem Weltverband IHF vorliegt.

Nach dem Auftaktduell gegen Uruguay geht es für die deutsche Mannschaft in der Vorrunde noch gegen Kap Verde und Ungarn. Die Punkte aus den Gruppenspielen gegen zwei ebenfalls qualifizierte Teams werden in die Hauptrunde mitgenommen. Dort könnten die Deutschen dann unter anderen auf Europameister Spanien treffen. Die beiden Erstplatzierten dieser Gruppe qualifizieren sich für das erstmals stattfindende Viertelfinale. Im Optimalfall käme das DHB-Team bis zum WM-Ende am 31. Januar auf neun Begegnungen.

Für den Titelgewinn lobte der Verband eine Prämie von 500 000 Euro für die Mannschaft aus. Bei der Heim-WM 2019 waren es noch 50 000 Euro weniger. Damals wurde Deutschland Vierter. Häfner wartet also noch auf eine WM-Medaille – zumindest bei den Männern. (Björn Mahr)

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