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Erleichterung bei MT Melsungen: Das Hygienekonzept trägt

Handball Bundesliga, MT Melsungen - TBV Lemgo 27:21; Daumen hoch: Zuschauer Fan Karsten Thormann hatte mit seiner Familie viel Spaß beim MT-Spiel – und die Hygieneregeln mit Maske und maximal zehn Personen wurden auch eingehalten.
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Daumen hoch: Karsten Thormann hatte mit seiner Familie viel Spaß beim MT-Spiel – und die Hygieneregeln mit Maske und maximal zehn Personen wurden auch eingehalten.

27:21 gegen Lemgo souverän gewonnen, vor allem aber endlich wieder vor eigenen Zuschauern in der Rothenbach-Halle gespielt. Die Bilanz der MT Melsungen nach dem ersten Heimspiel in der Handball-Bundesliga stimmt.

Kassel – Die Erleichterung war deutlich spürbar. Bei den MT-Fans, die Handball endlich wieder live erleben konnten, vor allem aber bei den Melsungern, dass sie die große Herausforderung eines Heimspiels unter den Corona-Schutzmaßnahmen gemeistert hatten. Und das mit Bravour! „Natürlich freue ich mich über den Sieg und die überzeugende Leistung der Mannschaft“, sagte Vorstand Axel Geerken am Dienstag nach dem 27:21 gegen Lemgo. „Aber ich bin auch sehr froh, was wir alle zusammen auf allen Ebenen und mit allen Partnern in der Halle und im Vip-Bereich auf die Beine gestellt haben. Das ist gar nicht hoch genug zu bewerten.“ Geerken nicht ohne Stolz: „Die große MT-Familie wächst derzeit noch enger zusammen und zieht an einem Strang.“

Tatsächlich trägt das Hygienekonzept des Klubs. Weil die Basis stimmt, weil auf die lange Warteschlange beim Einlass an der Ostseite mit zusätzlichen Scannern reagiert wurde, weil die Ordnungskräfte gegenüber einem „normalen“ Heimspiel auf fast 100 Personen verdoppelt wurden. Und es trägt nicht zuletzt auch, weil „unsere Fans sehr diszipliniert und gesittet mit der Situation umgehen“, wie Geerken befand. Und dass einige Sitzplätze z. B. hinter der Lemgoer Bank nicht optimal waren, solle im Sinn einer Konzeptoptimierung möglichst bis zum nächsten Heimspiel am 17. Oktober gegen Minden verbessert werden.

Dass das 2100-Zuschauer-Kontingent lediglich von 1546 Besuchern ausgenutzt wurde, das ficht Geerken nicht an. „Der Dienstag ist kein idealer Termin, und es gibt viele Menschen, die mit Blick auf das Virus zurückhaltend sind, die nichts riskieren wollen oder können oder erst einmal ein Gefühl bekommen wollen für diese neue Situation“, so der Vorstand. Diejenigen aber, die da waren, „hatten offensichtlich ein gutes Gefühl. Und sie haben super Stimmung gemacht.“

Eine Einschätzung, die auch die Spieler teilen. „Nach der Partie war ich überrascht, dass nur knapp 1600 Zuschauer da waren. Da kam so viel Energie zu uns rüber, als wären es viel mehr“, sagte Nebojsa Simic. Auch Kai Häfner befand: „Es war viel lauter als ich erwartet hatte, es war auch optisch cool. Und vor allem war es gut, wieder die Zuschauer und ihre Unterstützung zu spüren.“

Lob für die MT kam auch vom Nachbarn. Kai Knierim, Hygienebeauftragter bei den Eishockey-Huskies, der sich auch schon bei den KSV-Fußballern ein Bild gemacht hatte, lobte die Melsunger als „ein echtes Vorbild“. Aus seiner Sicht seien alle Auflagen erfüllt, die Vorgaben zum Schutz von Sportlern und Besuchern definitiv sehr gut umgesetzt worden. Und: „Die Fans sind gut darauf eingegangen, haben mit Disziplin und Respekt gezeigt, dass Sport trotz Corona mit Fans funktionieren kann.“

Debütant Ole Pregler: Ich hatte Gänsehaut

In der 58. Minute war es so weit. Ole Pregler, Handball-Eigengewächs der MT Melsungen, wurde erstmals in einem Bundesligaspiel eingesetzt. „Ich war super-nervös. Das Gefühl kannte ich so gar nicht“, gab der 18-Jährige nach dem 27:21 der MT gegen den TBV Lemgo Lippe unumwunden zu. Was dann vielleicht auch erklärte, weshalb er kurz darauf schon seine erste Zeitstrafe kassierte.

Dennoch fiel Preglers Bilanz positiv aus. „Meine Familie war dabei. Ich bin glücklich, dass ich jetzt schon so früh in der Saison meinen ersten Einsatz hatte“, sagte der A-Jugendliche. „Zwischendurch hatte ich allerdings Gänsehaut.“ Aus gutem Grund: Seiner Mannschaft gelang es mit einer überzeugenden Vorstellung, dass der Funke früh aufs Publikum übersprang. Wozu vor allen der überragende Torwart Nebojsa Simic seinen Beitrag leistete. „Ich habe gut ins Spiel hineingefunden“, sagte der Montenegriner, „meine Paraden habe ich aber nicht mitgezählt.“ Das erledigten die MT-Trainer: 17 Paraden bedeuteten 43 Prozent gehaltene Bälle – weltklasse. „Simo hat seinen Kasten zugemacht“, betonte der Halbrechte Kai Häfner.

Ole Pregler

Viel Lob verdiente sich auch Domagoj Pavlovic, der wie schon beim 25:23 zuvor in Balingen die Rolle des Spielmachers übernahm. Er resümierte: „In beiden Spielen haben wir vom ersten Moment an gezeigt, wie wir spielen wollen und müssen. Nach Balingen gab es noch einiges zu besprechen, weil wir zu wenig Geduld hatten im Angriff. Aber diesmal war das Timing schon viel besser.“

Dass der Kroate nun den Vorzug vor Lasse Mikkelsen erhielt, hat damit zu tun, dass Pavlovic keine Schmerzen mehr im rechten Fuß hat. Im Juni wurde die Platte entfernt, die ihm nach dem Knöchelbruch beim Spiel in Kiel 2018 eingesetzt worden war. „Ich habe vier Kilogramm abgenommen, bin viel fitter als damals. Aber das Team wird uns beide brauchen, Lasse und mich.“

Klar, erst zwei von 38 Spielen sind absolviert. Deshalb gab Trainer Gudmundur Gudmundsson direkt wieder den Mahner: „Die Bundesliga ist ein Marathonlauf.“ Geärgert hat sich der Isländer insbesondere über den Fehlstart in Hälfte zwei mit vier Gegentoren in Folge. „Da waren wir nicht gut genug“, bedauerte Gudmundsson. Am Sonntag geht es weiter in Erlangen. Und dann auch mit Pregler.

Von Gerald Schaumburg und Björn Mahr
Archivfoto: Andreas Fischer/NH

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