Zweieinhalb Wochen nach Saisonende

Handball-Bundesligist MT Melsungen übt Selbstkritik: „Das war nicht unser Jahr“

Die MT-Verantwortlichen: Barbara Braun-Lüdicke (links) und Manager Axel Geerken.
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Die MT-Verantwortlichen: Barbara Braun-Lüdicke (links) und Manager Axel Geerken.

Etwas mehr als zwei Wochen nach dem Serienende in der Handball-Bundesliga meldet sich die MT Melsungen zu Wort – mit einer selbstkritischen Saisonbilanz.

Kassel – Zwei volle DIN-A4-Seiten, alles in kleiner Schrift – Handball-Bundesligist MT Melsungen hat 18 Tage nach dem letzten Saison-Punktspiel beim TVB Stuttgart Bilanz gezogen – und dabei nicht mit Selbstkritik gespart. Nach dem ernüchternden achten Tabellenplatz, dem frühen Aus im Europacup und der Pleite im Pokalfinale fanden die Verantwortlichen nun deutliche Worte.

„Mit diesen Ergebnissen sind wir hinter unseren eigenen Erwartungen und denen unserer Fans, unserer Partner und allen, die sich für die MT interessieren, ganz klar zurückgeblieben. Um es auf den Punkt zu bringen: Das war nicht unser Jahr!”, stellt Melsungens Aufsichtsratsvorsitzende Barbara Braun-Lüdicke fest. Sie selbst, Manager Axel Geerken und natürlich auch Trainer Gudmundur Gudmundsson mussten in den vergangenen Monaten viel Kritik einstecken. Dass es so viele Reaktionen gab, ist Braun-Lüdicke wichtig: „Für uns ist das deshalb Ansporn, aus den Fehlern zu lernen und es in der kommenden Saison besser zu machen.“

In ihrer Bilanz greift die MT zwei Fakten heraus. Erstens, dass sie 17 Punkte gegen Teams aus der zweiten Tabellenhälfte verloren hat. Zweitens, dass nur fünf Mannschaften in der Klasse mehr Gegentreffer hinnnehmen mussten als die Melsunger. „Bei genauerer Betrachtung ist festzuhalten”, sagt Geerken, „dass wir nur selten die volle Breite unseres Kaders genutzt haben.“ Zumeist bildeten Domagoj Pavlovic, Julius Kühn und Kai Häfner die Rückraumreihe.

Gudmundsson, der einen Vertrag bis zum 30. Juni 2022 besitzt, hatte die inzwischen abgewanderten Lasse Mikkelsen und Stefan Salger selten berücksichtigt. Youngster Ole Pregler, der nun für ein Jahr nach Gummersbach wechselt, bekam wenig Einsatzzeit. Das MT-Spiel litt auch aufgrund der hohen Belastung regelmäßig unter einer hohen Anzahl an technischen Fehlern. „Und wenn es im Angriff nicht lief, sprich weder Kleingruppen- noch Einzelaktionen zum Erfolg führten, sind wir in einigen Spielen förmlich auseinandergefallen“, räumt Geerken ein. „Hier hat sich eindeutig gezeigt, dass wir viel stärker als Team zusammenfinden müssen.“ Die Melsunger erwägen deshalb, sich um externe Unterstützung zu bemühen. Was das genau bedeutet, wird nicht klar. Es ist allerdings nicht davon auszugehen, dass die MT wieder enger mit einem Sportpsychologen zusammenarbeiten wird.

„Jeder, der in unserem Verein Verantwortung trägt, und da schließe ich mich natürlich ein, muss sich hinterfragen, welche Fehler gemacht wurden und wie sie zu beheben sind“, betont Geerken. Der 48-Jährige hat viele Transfers der vergangenen Jahre zu verantworten. Jetzt erklärt er: „Die jüngere Vergangenheit hat uns gelehrt, dass personelle Voraussetzungen allein noch nicht ausreichen, um bestimmte Ziele zu erreichen. Sehr gute Spieler zu holen ist das eine, daraus ein schlagkräftiges Team zu formen, das andere. Und genau da müssen wir ansetzen.“ Weiterhin sollen eigene Talente an den Profibereich herangeführt werden.

In der kommenden Saison treten die Melsunger, die mit einem Spiel beim TBV Lemgo Lippe Anfang September loslegen, in der Liga und im Pokal an. „Die Ziele müssen realistisch, also erreichbar sein“, stellt Geerken klar. Verbunden mit einer klaren Hoffnung: „Wir wollen mit unserem attraktiv besetzten Kader zuallererst auch attraktiven Bundesligahandball bieten. Die Fans sollen wieder Spaß haben, unserer Mannschaft zuzuschauen und sie anzufeuern.“ (Björn Mahr)

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