Trennung kam überraschend

Der Fall Höhmann: Freistellung der langjährigen Mitarbeiterin der MT Melsungen sorgt für Gesprächsstoff

Christine Höhmann wurde überraschend abberufen.
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Christine Höhmann wurde überraschend abberufen.

Eine kurze Pressemeldung. Mehr nicht. In wenigen Zeilen hat die MT Melsungen am vergangenen Freitag mitgeteilt, dass Vorstand Christine Höhmann vom Aufsichtsrat abberufen und freigestellt wurde. Ende Januar werde sie aus dem Unternehmen ausscheiden. Gründe? Fehlanzeige. Nicht nur deshalb sorgt der Fall Höhmann für Gesprächsstoff im Umfeld des Handball-Bundesligisten.

Denn die 45-Jährige hatte als Marketingleiterin im zurückliegenden Jahrzehnt großen Anteil daran, dass sich das Image des Vereins gerade auch in der Region deutlich verbessert hat. Barbara Braun-Lüdicke, die Aufsichtsratsvorsitzende, wird Höhmann nicht nur aus einer Laune heraus im Sommer den Vorstandsposten angeboten haben. Kein halbes Jahr später nun der Rauswurf. Wir haben uns umgehört:

Die Betroffene

Christine Höhmann fällt es schwer, die passenden Worte zu finden. Sie sei geschockt und sprachlos. Zumal es keinerlei Anzeichen für diese Entscheidung gegeben habe. Keine Gespräche im Vorfeld, keine Kritik. Ohne konkrete Angaben von Gründen sei ihr die Kündigung auf den Tisch gelegt worden.

Höhmann möchte nicht nachtreten. Sie will nur klarstellen: „Ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen“, sagt die 45-Jährige. Das Verhältnis zu Vorstandskollege Axel Geerken und auch zur Aufsichtsratsvorsitzenden Braun-Lüdicke sei intakt gewesen. Umso größer sei nun die Enttäuschung. Sie habe ihre Aufgaben nie nur als Job betrachtet. Die MT sei ihr Baby gewesen. In ihrer neuen Funktion als Vorstandsmitglied habe sie „neue Dinge anstoßen“ wollen, wie sie sagt. Sie wollte verschiedene Bereiche anders strukturieren. Aber das könne unmöglich die Ursache für die Freistellung gewesen sein.

Angesichts der schwierigen Situation lässt sich Höhmann inzwischen von dem Göttinger Rechtsanwalt Hasso Werk beraten. Mithilfe einer Sportmetapher spricht der Jurist von einem „üblen Foul, das hier begangen wurde“. Mit dem Vorgehen der MT Melsungen AG seien juristisch relevante Wertekoordinaten missachtet worden. Werk hofft, dass es noch zu einer einvernehmlichen Einigung kommt und „dass dazu das Gesprächsangebot von Frau Höhmann angenommen wird“.

Die Verantwortlichen

Der Verein möchte sich nicht näher zu dem Vorfall äußern. Weder von Braun-Lüdicke noch von Geerken ist auf HNA-Nachfrage ein Statement zu bekommen. Interne Vorgänge wie Personalentscheidungen würden öffentlich nicht kommentiert, heißt es in einer Mitteilung der MT. Die Frage nach den Gründen bleibt daher weiter unbeantwortet.

Die Fans

Von der Nachricht ihres Abgangs überrascht worden waren auch die Fans der Melsungen. „Wir waren im ersten Moment sprachlos. Sie hat sich für uns eingesetzt“, erklärt Manuel Dietrich von den MT-Trommlern. Auch auf Höhmanns Initiative hatte es in Kassel vor Kurzem auch wieder einmal ein Treffen der Fanklubs gegeben. Eine vergleichbare Zusammenkunft war schon seit einigen Jahren nicht mehr organisiert worden. Höhmann wollte sich dafür stark machen, dass ein Austausch unter den Fanklubs zu einer regelmäßigen Einrichtung werden sollte.

Besonders emotional berührt zeigen sich die Mitglieder der Supporters Kassel. Als sie sich 2009 gegründet haben, hatte Höhmann gerade ihre Arbeit im Marketingbereich der MT aufgenommen. „Sie hat uns praktisch durch die vergangenen zwölf Jahre begleitet. Wir hatten mit Christine immer ein gutes Verhältnis, sie hat ein gutes Standing bei den Fans“, stellt Alexander Mix von den Supporters fest.

Beim Treffen der Fanklubs war Sascha Sinning als erster Fanbeauftragter in der MT-Bundesliga-Historie präsentiert worden. Wie Melsungens Manager Axel Geerken bestätigte, soll Sinning diese Aufgabe fortsetzen und die besprochenen Ideen weiterverfolgen.

Die Sponsoren

„Wir finden es schade, dass sie das Haus verlassen muss“, sagt Tim Kalusok, Leiter Marketing/Vertrieb und des Geschäftsbereichs Gebäudedienst der Firma Richter Gebäudedienste, einem Sponsor der MT. Kalusok fügt hinzu: „Wir haben immer gut, offen und partnerschaftlich mit Christine Höhmann zusammengearbeitet. Mehr können wir aber nicht dazu sagen, weil wir keine Hintergrundinformationen dazu erhalten haben.“ Andere Sponsoren möchten sich auf Nachfrage nicht zu der Trennung von Höhmann äußern. (Manuel Kopp, Björn Mahr und Robin Lipke)

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