„Dürfen jetzt nicht abheben“

Deutsche Handballer dämpfen kurz vor EM-Start die aufkommende Euphorie

Zwei wichtige Stützen des deutschen Sieges gegen Frankreich: Kai Häfner (linkes Bild, gegen Nikola Karabatic) und Julius Kühn (rechtes Bild), der sich mit Lukas Mertens und Patrick Wiencek (leicht verdeckt) über eine gelungene Aktion des DHB-Teams freut.
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Starke Leistung gegen Frankreich: Kai Häfner (gegen Nikola Karabatic).

Zwei Testspiele, zwei Siege - so ist die Lage bei der deutschen Handball-Nationalmannschaft kurz vor dem Start der EM.

Wetzlar – „Wir dürfen jetzt nicht abheben. Es war nur ein Freundschaftsspiel.“ Als Handball-Nationalspieler Julius Kühn das Feld in der Wetzlarer Buderus-Arena verlassen hatte, wusste er das Ergebnis genau einzuordnen. Nach dem überraschenden 35:34-Erfolg gegen Olympiasieger Frankreich im letzten Test vor der am Donnerstag beginnenden EM sagte der Profi vom Bundesligisten MT Melsungen aber auch:

„Die Franzosen muss man erst mal schlagen.“

Der bis dahin letzte Sieg gegen die Equipe Tricolore war der Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) bei der WM 2013 gelungen. Seither war es jedes Mal knapp – aber das glücklichere Ende hatten dann doch immer die Franzosen. Bis zum Sonntagabend, als Luca Witzke in der letzten Sekunde den erfahrenen Schlussmann Vincent Gerard überwand.

Bundestrainer Alfred Gislason freute sich zwar über das Resultat, konnte aber auch sein Staunen nicht verbergen. „Wir hatten 13 technische Fehler und haben dennoch gewonnen“, sagte der Isländer. Beim 30:26-Testspielsieg zwei Tage zuvor gegen die Schweiz waren es nur deren vier gewesen.

„Wir hatten in der ersten Halbzeit zu viel Respekt vor den Franzosen“, bedauerte Kühn. Anfangs des zweiten Abschnitts betrug der Rückstand gar fünf Tore. Dann ging aber beim DHB-Team teilweise die Post ab. Es fiel auch nicht ins Gewicht, dass Philipp Weber, der eine leichte Schulterverletzung erlitten hatte, nicht mehr eingesetzt werden konnte. Gislason hofft, dass der Magdeburger bis zum Auftakt am Freitag ab 18 Uhr (ARD) in Bratislava gegen Belarus wieder fit ist.

Nicht aufzuhalten war Kühns MT-Kollege Kai Häfner auf Rückraum rechts. Acht Tore gelangen dem Linkshänder. Gegen die Schweiz hatte er noch kein Tempo aufgenommen. „Ich musste erst einmal reinkommen“, sagte der 32-Jährige, „die zwei Spiele haben gutgetan.“

Fast die Hälfte aller deutschen Tore gingen auf das Konto der drei Melsunger: Denn neben Häfner setzten auch Kühn (5) und Timo Kastening (3) unter den Augen von MT-Manager Axel Geerken, der als einer von wenigen Zuschauern zugelassen war, viele Akzente.

Freude im deutschen Lager: Julius Kühn (Mitte) freut sich mit Lukas Mertens und Patrick Wiencek (leicht verdeckt) über eine gelungene Aktion des DHB-Teams freut.

Kastening dürfte auf der rechten Außenposition gesetzt sein. Doch die Begegnung hat auch gezeigt, was Gislason bei der in der Slowakei und in Ungarn stattfindenden EM auf dieser Seite vorhaben könnte. Anstelle von zwei Rechtsaußen dürften aus dem 18-köpfigen Kader eher drei Halbrechte einen der maximal 16 Plätze im Team erhalten.

In Wetzlar begannen mit Häfner und Christof Steinert zwei Rückraumakteure, wobei der Erlanger in der Offensive auf Außen, in der Defensive auf der Halbposition spielte. „Das Modell wollten wir unbedingt gegen die Franzosen sehen, und es hat ganz gut funktioniert“, stellte Co-Trainer Erik Wudtke am Montag bei einem virtuellen Medientermin der deutschen Mannschaft fest. „So können wir Kai für den defensiven Bereich entlasten.“ Auch Häfner selbst zog ein positives Fazit: „Es hat gut geklappt.“ Genauso wie Kühn dämpfte er aber aufkommende Euphorie: „Es war kein Turnierspiel, und die Franzosen haben einiges ausprobiert.“

Speziell die Leistung in der zweiten Hälfte war jedoch Ausdruck des guten Zusammenhalts im verjüngten Team. „Es ist wichtig, dass wir den Schwung nun mitnehmen“, betonte der Kieler Patrick Wiencek, mit fast 33 Jahren mittlerweile der älteste Akteur im Team.

Der gestrige Tag stand im Zeichen der Regeneration. Bevor das DHB-Team morgen nach Bratislava fliegt, geht es heute mit der Einstimmung auf die Belarussen weiter. Und es wird auch noch die Partie gegen die Franzosen analysiert – mit dem Tor von Witzke als krönendem Abschluss. Der Leipziger sagte selbst: „Es war ein cooles Gefühl, der Mannschaft da helfen zu können.“ (Björn Mahr)

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