Eine Spielabsage und ein Verletzter

Deutsche Handballer siegen kampflos gegen Kap Verde – Sorge um Melsunger Tobias Reichmann

Die Melsunger Nationalspieler Kai Häfner (linkes Bild, von links), Julius Kühn und SIlvio Heinevetter sind in der Parkanlage des Mannschaftshotels Mena House unterwegs.
+
Ohne Einsatz am Sonntag: Die Melsunger Nationalspieler Kai Häfner (von links), Julius Kühn und SIlvio Heinevetter sind in der Parkanlage des Mannschaftshotels Mena House unterwegs.

Das erste Turnierwochenende verlief für das deutsche Handball-Team nicht nach Plan: WM-Spiel gegen Kap Verde abgesagt und Melsungens Rechtsaußen Tobias Reichmann am rechten Knie verletzt.

Kassel - Julius Kühn war erleichtert. „Ich finde es gut, dass die Partie abgesagt wurde“, sagte der Handball-Nationalspieler von der MT Melsungen. „Denn ich glaube, dass wir nicht mit einem hundertprozentigen reinen Gewissen in das Spiel hätten gehen können.“

Am Sonntagvormittag hatte der Weltverband IHF die Entscheidung getroffen, die für den Abend geplante WM-Vorrundenbegegnung zwischen Deutschland und Kap Verde abzusetzen und mit 10:0 für den Europameister von 2016 zu werten.

Der Grund: Nachdem die Mannschaft vom Inselstaat im Atlantik coronabedingt schon nur mit einer kleinen Besetzung zur Weltmeisterschaft nach Ägypten gereist war, wurden nach ihrer 27:34-Auftaktniederlage am Freitag gegen Ungarn noch zwei weitere Handballer positiv auf Covid-19 getestet. Damit hatte Kap Verde nur noch neun Spieler zur Verfügung. Und da das Reglement vorschreibt, dass ein WM-Teilnehmer mindestens zehn Akteure aufbieten muss, war ein Auftritt der Afrikaner gegen die DHB-Auswahl nicht mehr möglich. Das deutsche Team hat damit schon vor dem abschließenden Gruppenspiel morgen ab 20.30 Uhr (ZDF) gegen Ungarn den Hauptrundeneinzug sicher.

Muss verletzt abreisen: der Melsunger Nationalspieler Tobias Reichmann.

Zwar hatte der kommende Gegner noch auf dem Feld Kontakt mit den kapverdischen Akteuren, Sorgen sind aber nach Einschätzung von Axel Kromer unbegründet. „Die Ungarn können sich sehr sicher fühlen, sich nicht infiziert zu haben“, erklärt Axel Kromer, der Sportvorstand des Deutschen Handballbundes. So sollen die entscheidenden Werte bei den betroffenen Spielern so sein, dass kein Ansteckungsrisiko mehr bestanden hat.

Durch die erstmalige Absage einer Partie in der 83-jährigen Weltmeisterschafts-Geschichte ging eine Nachricht fast ein bisschen unter: Melsungens Rechtsaußen zog sich bei einem vermeintlich harmlosen Zusammenprall eine schwere Außenmeniskus-Verletzung zu. Das ergab eine MRT-Untersuchung in Kairo. Für den 32-jährigen Reichmann, am Freitag noch dreifacher Torschütze beim 43:14-Erfolg gegen Uruguay, ist die WM bereits beendet. „Schade Marmelade, aber so schnell kann es im Sport gehen“, schrieb er bei Instagram, „ich kann schon wieder lachen, auch wenn es schwer fällt.“ Seinen Platz bekommt Patrick Groetzki von den Rhein-Neckar Löwen – negative Coronatests vorausgesetzt.

„Für Tobi tut es mir unfassbar leid, dass er das Turnier so beenden muss. Man kann nur die Daumen drücken, dass er schnell wieder fit wird“, sagt Timo Kastening, der nicht nur im DHB-Team, sondern auch in Melsungen auf Rechtsaußen sein Kollege ist. Und: „Ich hatte gerade gehofft, dass wir auch als Duo der Nationalmannschaft beweisen können, dass es hier so klappen kann wie bei der MT.“ Wie lange Reichmann ausfällt, steht nicht fest. Er muss defintiv operiert werden. Die MT mit Teamarzt Dr. Gerd Rauch, der in die Diagnose eingebunden war, übernimmt nun die weitere Versorgung des sprunggewaltigen Außen.

Die deutsche Mannschaft setzte am späten Sonntagnachmittag ohne Reichmann die Trainingsarbeit fort. „Es hätte uns bestimmt nicht geschadet, wenn wir uns weiter einspielen hätten können“, erklärt Kühn, „aber man kann es auch positiv sehen: Jetzt haben wir einen Tag mehr Zeit, um uns auf die Ungarn vorzubereiten.“

In dieser Begegnung geht es nicht nur um den Gruppensieg, sondern auch um zwei eminent wichtige Zähler. Denn die Punkte aus den Duellen gegen die Nationen, die ebenfalls weiterkommen, werden mit in die Hauptrunde genommen – und die deutsche Auswahl hofft auf 4:0 Zähler. Zwei Punkte hat sie voraussichtlich mit dem kampflosen Erfolg gegen Kap Verde geholt. Denn die afrikanische Mannschaft möchte morgen wieder spielen – und scheint trotz ihrer Corona-Probleme so stark zu sein, dass sie am Dienstag gegen Uruguay gewinnt und bei ihrem WM-Debüt direkt in die Hauptrunde einzieht. (Björn Mahr)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.