Freitag erstes Spiel

Deutscher Handballer mit gutem Gefühl zur WM in Ägypten

Neuling Sebastian Firnhaber spielt in den Vorstellungen von Bundestrainer Alfred Gislason eine wichtige Rolle.
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Gut gelaunt: Neuling Sebastian Firnhaber spielt in den Vorstellungen von Bundestrainer Alfred Gislason eine wichtige Rolle.

Nach der erfolgreichen EM-Qualifikation ist vor der WM. Die deutschen Handballer machen sich heute im Flugzeug auf den Weg nach Ägypten. Eine Bestandsaufnahme.

Köln – „Wir sind ein gutes Stück weitergekommen.“ Als Bundestrainer Alfred Gislason am Sonntagabend in der Kölner Arena um ein Fazit für die WM-Vorbereitung gebeten wurde, analysierte er das Gesehene gewohnt nüchtern. Zwar hatte das deutsche Team Gegner Österreich beim 34:20 in der EM-Qualifikation eine Halbzeit lang deklassiert, es gab aber eben auch eine Schwächephase anfangs der zweiten Hälfte. Ein bisschen Arbeit hat die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) also noch vor sich, ehe es am Freitag ab 18 Uhr (ARD) in Gruppe A gegen Uruguay um Weltmeisterschaftspunkte geht. Heute reist die Mannschaft nach Kairo. Die WM geht vom 13. bis 31. Januar.

Eine Bilanz der Vorbereitung:

Das war gut: Die Torhüter: Gislason hat sich früh entschieden, wie die Rollenverteilung bei seinen Schlussleuten aussehen soll. Andreas Wolff ist die Lösung 1A, Johannes Bitter geht als 1B und Silvio Heinevetter als 1C ins Turnier. Und die Duelle gegen Österreich haben daran keine Zweifel aufkommen lassen. Wolff war ein starker Rückhalt, und die anderen beiden erfahrenen Kollegen standen ihm kaum nach. „Wir brauchen uns mit diesem Torwarttrio vor keiner Mannschaft zu verstecken“, sagte Sportvorstand Axel Kromer gestern.

Die Abwehr: Eigentlich schien die Deckung die größte Baustelle im DHB-Team zu sein. Nach den Absagen von Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek und Finn Lemke musste der Mittelblock neu gebildet werden. Doch Johannes Golla und Neuling Sebastian Firnhaber (Spitzname Flamme) füllen ihre Rollen mit viel Leben aus. Oder, um es mit den Worten von Rechtsaußen Tobias Reichmann zu sagen: „Sie kämpfen wie die Schweine.“ Dabei setzt Gislason neben einer offensiven 6:0- auch auf eine 5:1-Abwehr – wahlweise mit Fabian Böhm oder Marian Michalczik auf der Spitze. Für das leidenschaftliche Auftreten gab es Lob von Wolff: „Für einen Torhüter ist es das Beste, wenn du hinter einer solchen Abwehr spielst.“

Die Torausbeute: 37 Treffer in Graz, 34 Tore in Köln – die Angriffseffektivität war mehr als überzeugend. Zumal von allen Positionen Gefahr ausgegangen ist und auch das Gegenstoßspiel wenig Schwächen offenbart hat. „Für die kurze Zeit, die wir erst zusammen sind, passt schon viel“, lobt der Erlanger Firnhaber. Flensburgs junger Kreisläufer Golla ist dabei ein absolut adäquater Ersatz für den fehlenden Jannik Kohlbacher. Und gestern Abend nahm Gislason sogar noch einen Personalwechsel vor. Rückraumspieler Lukas Stutzke (23) vom Bergischen HC ersetzt Christian Dissinger. Der Europameister von 2016 hat Trainingsrückstand und ist daher von seiner Bestform weit entfernt.

Die Stimmung: Zwar hat Wolff mit seiner Kritik an seinen Kieler Ex-Kollegen Pekeler, Wiencek und Steffen Weinhold wegen ihres WM-Verzichts kurzzeitig für etwas Unruhe gesorgt, das deutsche Team um Kapitän Uwe Gensheimer präsentiert sich aber geschlossen und sehr fokussiert. Hannover Fabian Böhm wies auf eine Situation beim Hinspiel in Österreich hin: „Da führen wir mit acht Treffern, dann werfen wir ein weiteres Tor – und die ganze deutsche Bank steht.“

Das geht noch besser: Die Spielsteuerung: Juri Knorr gilt als großes Spielmacher-Talent – der Mindener ist allerdings erst 20 Jahre alt. „Er will viel lernen und wirkt schon sehr reif, aber er braucht noch Zeit“, sagt Kromer, „und die werden wir ihm geben.“ So ruhen die Hoffnungen insbesondere auf dem erfahrenen Philipp Weber. Doch der Leipziger ist kein klassischer Mittelmann und sucht selbst gern den Abschluss. Es wird spannend zu sehen sein, wie er Nebenleute wie Kai Häfner und Julius Kühn von der MT Melsungen sowie den Erlanger Antonio Metzner in Szene setzt. (Björn Mahr)

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