Heute gegen Uruguay

Vor WM-Auftakt der Handballer: Die Melsunger Nationalspieler Julius Kühn und Kai Häfner im Interview

Timo Kastening, Julius Kühn, Silvio Heinevetter (mit Rugby-Ei), Kai Häfner und Tobias Reichmann von der MT Melsungen.
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Fünf Melsunger für Deutschland: (von links) Timo Kastening, Julius Kühn, Silvio Heinevetter (mit Rugby-Ei), Kai Häfner und Tobias Reichmann.

Heute startet die deutsche Handball-Nationalmannschaft ins WM-Turnier. Wir haben vorab mit den beiden Melsunger Profis Julius Kühn und Kai Häfner gesprochen.

Kassel - Heute beginnt auch für die deutsche Handball-Nationalmannschaft die WM in Ägypten. Um 18 Uhr (deutsche Zeit) bekommt es das Team von Bundestrainer Alfred Gislason in Madinat as-Sadis min Uktubar mit Uruguay zu tun. Die Hoffnungen im deutschen Rückraum ruhen unter anderen auf Julius Kühn und Kai Häfner vom Bundesligisten MT Melsungen. Wir haben mit den beiden Halbspielern über die WM, die deutschen Aussichten und ihre besondere Beziehung gesprochen

Die Vorbereitung ist Geschichte. Welche Erwartungen haben Sie an das deutsche Team?

Kühn: Das lässt sich schwer sagen. Was ich festgestellt habe: Wir haben uns in der Vorbereitung gut präsentiert. Die Stimmung im Team ist hervorragend. Da herrscht durchweg gute Laune. Jetzt ist jeder bei uns heiß auf das erste Spiel gegen Uruguay.

Häfner: Wir fahren gut damit, wenn wir nicht zu weit nach vorn schauen. Wir wissen nicht, was uns in Ägypten alles erwartet. Seit dem ersten Training in der Vorbereitung haben wir uns allerdings gut entwickelt. Trotzdem bleibt noch einiges zu tun.

Inwieweit hat sich die Mannschaft nun schon an den neuen Bundestrainer Alfred Gislason gewöhnt?

Kühn: Bisher ist es gut gelaufen. Wir hatten mittlerweile schon ein paar Einheiten zusammen, einige waren auch mal länger – und alle haben trotzdem super mitgezogen.

Häfner: Wenn ich sehe, was wir schon in einer Trainingswoche hinbekommen haben, ist das wirklich gut. Alle Spieler geben Gas. Dennoch müssen wir noch weiter zueinander finden.

Mit welchen Gefühlen sind Sie nach Ägypten gereist?

Häfner: Ich bin gespannt, was uns hier alles erwartet. Klar ist aber auch: Ich habe mich dazu entschlossen, die WM zu spielen. Wenn ich mir jetzt zu viele Gedanken mache, dann hätte ich gar nicht erst hinfliegen dürfen. Auf jeden Fall ist es die richtige Entscheidung, keine Zuschauer zuzulassen. Alles andere wäre grob fahrlässig gewesen. Dass andere Nationen Corona-Probleme haben, kann man gar nicht ganz ausblenden.

Kühn: Natürlich hat man das Thema Corona im Hinterkopf. Wir haben uns direkt in die Blase begeben und werden alles tun, um die Risiken gering zu halten. Ich denke, dass wir in dieser Bubble wahrscheinlich sicherer sind als zurzeit in Deutschland. Bei mir überwiegt eindeutig die Vorfreude.

Herr Häfner, Sie haben ein kleines Kind zu Hause. Was war das letzte, was Sie Ihrer Familie vor dem Abschied gesagt haben?

Häfner: Dass ich sie liebe und dass ich mich freue, wenn ich sie wiedersehe. Wir haben seither zumindest jeden Tag Kontakt über Facetime. So können mich meine Frau und mein Sohn zumindest wenigstens ab und zu sehen. (schmunzelt). Zuletzt war ihm aber immer irgendein Spielzeug wichtiger.

Und Herr Kühn, im Februar soll standesamtlich geheiratet werden. Wie haben Sie sich von Ihrer Verlobten verabschiedet?

Kühn: Das war nicht ganz einfach. Mirlinda hat im Home Office gearbeitet, und ich war einige Tage in Quarantäne. Es gab dadurch eine komplette Umgewöhnung. Wir sehen uns jetzt zumindest noch regelmäßig per Facetime. Vier Wochen sind zwar eine lange Zeit, aber wir erleben diese Situation nun auch nicht zum ersten Mal.

Zurück zum Sportlichen: In der Vorrunde warten Aufgaben gegen Uruguay, Kap Verde und Ungarn. Wie schätzen Sie die Gruppe ein?

Kühn: Auf dem Papier wird sich zwischen uns und Ungarn entscheiden, wer den ersten Platz erreicht. Wir sind die deutsche Nationalmannschaft und haben den klaren Anspruch, Erster zu werden. Allerdings dürfen wir Kap Verde nicht unterschätzen. Das sieht bei dieser Mannschaft durchaus nach Handball aus. Ich finde es generell spannend, gegen Nationen zu spielen, die man zumindest von den Spielernamen nicht so gut kennt.

Was trauen Sie der deutschen Mannschaft in Ägypten zu?

Kühn: Wir tun gut daran, die Vorrunde sauber zu überstehen. Es ist bei dieser Konstellation im Team mit einigen neuen Gesichtern jetzt nicht die Zeit, um über einen möglichen Halbfinal- oder Finaleinzug zu reden.

Häfner: Ein Minimalziel haben wir uns nicht gesetzt. Wir wollen einfach guten Handball spielen und alles reinhauen, was wir haben. Dann wird man sehen, wozu das reicht.

Wo liegen die Stärken, wo sehen Sie noch Steigerungspotenzial?

Häfner: Jeder Einzelne in unserem Team ist ein guter Handballer. Entscheidend ist, dass wir uns gut ergänzen und die Abstimmung passt. Daran müssen wir weiter arbeiten.

Kühn: Nach dem ersten Spiel in der EM-Qualifikation gegen Österreich hätte ich mit Angriff geantwortet, nach dem zweiten Duell hätte ich die Abwehr herausgestrichen. Das Gesamtpaket scheint jedenfalls gut zu passen. Wir müssen aber definitiv noch klarer in den Absprachen werden. Es ist immer auch ein Prozess, sich an seine Nebenleute zu gewöhnen.

Seit Jahren sind Sie Zimmerkollegen beim Nationalteam. In der Vorbereitung war nur eine Einzelbelegung gestattet. Wir sieht es jetzt in Ägypten aus?

Häfner: Wir sind wieder zusammen in einem Zimmer – das hatten wir uns auch direkt so gewünscht, auch wenn es im Einzelzimmer vorübergehend auch mal ganz cool war. Jetzt lasse ich mich mal überraschen, was sich Julius für unser Abendprogramm überlegt hat.

Kühn: (lacht) Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich der Animateur für Herrn Häfner bin. Wir schauen allerdings beide gerne Serien. Da wird sich bestimmt etwas finden. Eine Spielekonsole habe ich aber tatsächlich auch dabei.

Häfner: (schmunzelt) Du hattest im Einzelzimmer doch schon genug Zeit zu zocken. (Björn Mahr)

Zu den Personen: Julius Kühn und Kai Häfner

Julius Kühn (27, aus Duisburg) ist seit 2014 deutscher Nationalspieler. Bislang absolvierte er 66 Länderspiele. Der Rückraumschütze wechselte 2017 vom VfL Gummersbach zur MT Melsungen. Kühn ist verlobt. .

Kai Häfner (31, aus Schwäbisch-Gmünd) lief 94-mal für die Auswahl des Deutschen Handballbundes auf. 2019 wechselte Häfner von der TSV Hannover-Burgdorf zur MT Melsungen. Er lebt mit Frau Saskia und Sohn Levi Hans in Kassel.

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