Diese MT lässt die Halle beben

Melsungens Handballer lösen eine Welle der Begeisterung aus

Feierstimmung: Melsungens Momir Rnic (Mitte) genießt den Sieg über seinen ehemaligen Klub. Beifall für die eigene Leistung, aber auch für die Unterstützung durch die eigenen Fans kommt vom verletzten Patrik Fahlgren (links) und Michael Allendorf. Fotos: Fischer

Kassel. Inzwischen sind es fast schon gewohnte Abläufe: Mehr als ein Dutzend Männer in Rot empfängt nach Ende eines Handballspiels in der Rothenbach-Halle die Ovationen der Zuschauer.

Dann trampeln die Akteure mit ihren Füßen, dass der Boden vibriert und ein bisschen der Eindruck entsteht, in Kassel würde gerade die Erde leicht beben.

Wenn die MT Melsungen auftritt, dann ist zurzeit einiges garantiert: sportliche Höchstleistung und beste Unterhaltung. Eine perfekte Handball-Party von A bis Z eben. Das klare 31:21 gegen Frisch Auf Göppingen war der neunte Sieg im zwölften Spiel in dieser Bundesliga-Saison. „Wir haben einen guten Lauf“, fasste Rückraumschütze Momir Rnic seine Eindrücke nach dem Kräftemessen mit seinem Ex-Verein zusammen. Der Rückblick auf einen kurzweiligen Abend:

BETON UND BEGEISTERUNG

Bald gehen die Superlative für die Melsunger Abwehr aus. Die Deckung der MT erinnert zusehends an eine mehrere Meter hohe Mauer, die nur an ganz wenigen Stellen winzigkleine Schlupflöcher hat. Philipp Müller und Felix Danner sind längst ein Inbegriff der Stabilität. „Eine Super-Abwehr und dazu ein fantastischer Johan Sjöstrand im Tor“, lobte Trainer Michael Roth seine Hintermannschaft, „die Euphorie schwappt vom Feld auf die Ränge und auch wieder zurück.“

Wer nach dem 16:10 unmittelbar vor der Pause seinen Blick über die Haupttribüne schweifen ließ, sah Menschen, die wechselseitig ihre Arme auf- und abbewegten – immer dem eigenen Zeigefinger nach. „Ich glaube, unseren Gegnern macht es keinen großen Spaß mehr, hierherzukommen“, erklärte der vor Spiellaune strotzende Johannes Sellin.

KUNST UND KLASSEMENT

Im Vorfeld hatte Roth auf das eher ungenügende Rückzugsverhalten der Gäste hingewiesen. So hatte Sjöstrand den Auftrag, noch öfter als sonst die weiten Pässe auf die nach vorn eilenden Außen einzustreuen. Sellin, Jeffrey Boomhouwer und Michael Allendorf waren dankbare Abnehmer. Spektakulär war Allendorfs Treffer zum 12:9, als er das Zuspiel im Sprung verwertete – quasi ein Kempa-Tor der Sonderklasse. „Wir wissen, dass Johan auch in aussichtslosen erscheinenden Situationen diese Pässe spielen kann“, kommentierte Allendorf, „ich hatte bei dem Ball nicht viel Zeit zum Überlegen.“

An einem Tag, an dem irgendwann alles klappte, traf Sellin auch nach einem knallharten 25-m-Pass des starken Timm Schneider. „Das fühlt sich sehr schön an“, sagte der Linkshänder mit Blick auf das klare Resultat – und natürlich auch auf die Tabelle: Melsungen ist Zweiter.

AUSZEICHNUNG UND AUSBLICK

„Wenn ich unsere Leistung, mit der aus dem letzten Jahr gegen Göppingen vergleiche, haben wir zwei Schritte nach vorn gemacht“, befand Allendorf. Im Frühling dieses Jahres hatte es ein ernüchterndes 27:32 in eigener Halle gegen die Schwaben gegeben.

Bereits am Samstag ab 19 Uhr gilt es nun, bei HBW Balingen-Weilstetten die Erfolgsserie fortzusetzen und die hervorragende Tabellenposition zu festigen. Dass der Gipfeltreff mit Spitzenreiter Rhein-Neckar Löwen eine Woche später in der bereits ausverkauften Rothenbach-Halle nun immer näher rückt, ist bei den Spielern noch gar kein Thema. „Als ich jetzt mal zwei Karten für die Familie gekauft habe“, erzählt Michael Allendorf, „ist mir überhaupt aufgefallen, dass die Partie nicht mehr so weit weg sein kann.“

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