Eine Gala reicht nicht

MT-Außen Reichmann kann sich über seine Top-Leistung gegen Flensburg kaum freuen

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Da geht’s lanf: der starke MT-Außen Tobias Reichmann.

Kassel. Die Spieler der MT Melsungen geben sich nach der 25:30-Niederlage gegen Flensburg selbstkritisch.

Er wurde nach dem Spiel von den MT-Fans regelrecht umlagert – und das zurecht: Wie Tobias Reichmann in der 29. Minute von der rechten Außenbahn traf. Wie er kurz nach der Pause mit einer Einzelaktion die linke Abwehrseite der SG Flensburg-Handewitt überlistete. Wie er sämtliche Strafwürfe verwandelte – der Neuzugang des Handball-Bundesligisten MT Melsungen hätte der Mann des Abends in der ausverkauften Kasseler Rothenbach-Halle sein können. Doch weil sein Team 25:30 verlor, passte diese inoffizielle Auszeichnung eher zu Flensburgs Rückraummann Rasmus Lauge. Denn der Däne war ebenfalls in Gala-Form, warf genauso wie Reichmann zehn Treffer und führte den Favoriten damit zum Auswärtserfolg.

„Ich hätte lieber gewonnen“, resümierte der Melsunger Außen. Dafür hätten er und seine Mitstreiter allerdings im ersten Durchgang eine andere Leistung zeigen müssen. „Wir haben uns zu viele technische Fehler geleistet“, erklärte Reichmann selbstkritisch. Noch deutlichere Worte fand Torwart Johan Sjöstrand: „Wir waren in den ersten 30 Minuten überhaupt nicht da.“

Enttäuschung hier, Freude da: Während MT-Youngster Johannes Golla mit gesenktem Kopf das Feld verlässt, feiern die Flensburger (im Hintergrund) ihren Auswärtssieg.

Wer gehofft hatte, die MT könnte eine ähnlich begeisternde Vorstellung in der Abwehr bieten wie elf Tage zuvor gegen Rekordmeister Kiel, wurde enttäuscht. Die Hausherren waren zu passiv. Es schien, als hätten die Melsunger Klebstoff unter den Schuhen gehabt – und damit keine Chance, sich von der Sechs-Meter-Marke nach vorn zu bewegen. „Wir haben uns durch die erste Hälfte geschleppt“, sagte Youngster Johannes Golla. Der Zwischenstand von 7:14 nach etwas mehr als 20 Minuten sagte alles aus.

Da auch Torjäger Julius Kühn („Ich hatte keinen guten Tag“) nicht wie gewohnt abschloss und Lasse Mikkelsen von den Folgen eines grippalen Infekts sichtlich geschwächt war, musste Trainer Michael Roth einiges umstellen. Und es wurde im zweiten Abschnitt besser: Finn Lemke hatte in der Offensive einige gute Szenen, und durch das System mit den zwei Kreisläufern Marino Maric und Golla fand die MT mehr Lücken in der robusten SG-Deckung. Diese nutzte vor allem Reichmann.

„Finn und Tobi haben mir super gefallen“, befand Manager Axel Geerken. „Ich habe im zweiten Durchgang viel Gutes von meiner Mannschaft gesehen“, ergänzte Roth. Darauf lässt sich mit Blick auf die nächsten Partien bei GWD Minden (1. Oktober) und in eigener Halle gegen Spitzenreiter TSV Hannover-Burgdorf (5. Oktober in Kassel) aufbauen. Aktuell ist die MT Fünfte – allerdings können die Rhein-Neckar Löwen und der SC DHfK Leipzig am Sonntag an Melsungen vorbeiziehen.

„Wir müssen jetzt dran bleiben“, fordert Roth. Für dieses Wochenende gab er seinen Spielern komplett frei. Worüber sich vor allem die Akteure freuen dürften, die gegen Flensburg einiges einstecken mussten. Lemke bekam einen Schlag gegen den Hals, Golla erlitt einen Pferdekuss am Knie.

„Die nächsten Tage helfen uns auch, um ein bisschen die Köpfe freizubekommen“, betonte Reichmann. Von den verletzten Spielern soll Philipp Müller demnächst wieder ins Training einsteigen. Und auch Timm Schneider könnte vielleicht schon gegen Hannover eine Alternative sein.

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