Lehrstunde vom Meister

Melsunger Handballern fehlte gegen Kiel Aggressivität in der Abwehr 

Zu passiv: Die Melsunger Handballer hatten mit dem THW so ihre Probleme. Hier versuchen Nenad Vuckovic (links) und Marino Maric, den Kieler Rene Toft Hansen abzuschirmen. Foto: Fischer

Kassel. Als einige Melsunger Spieler noch dabei waren, die Handball-Lektion durch den Deutschen Meister zu verdauen, konnte die MT-Aufsichtsratsvorsitzende schon wieder lächeln.

„Nächstes Jahr gewinnen wir“, sagte Barbara Braun-Lüdicke. Nicht zu irgendwem, sondern zum Torwart des THW Kiel – und Johan Sjöstrand hütet bekanntermaßen in der nächsten Saison den Kasten des nordhessischen Erstligisten.

Am Mittwoch durfte der 27-Jährige frohlocken. Mit einem 41:32-Kantersieg bei seinem zukünftigen Verein hatte selbst der blonde Hüne nicht gerechnet: „Unser Angriff hat super funktioniert, sogar besser als vor der WM-Pause.“ Teilweise wussten die Gastgeber nicht, wie ihnen geschah, wenn sich die Kieler Domagoj Duvnjak, Joan Canellas, Rene Toft Hansen sowie ihre Mitstreiter zum schnellen Gegenstoß aufmachten.

„Nur anfangs haben wir es geschafft, dass der Gegner ein bisschen überlegen musste“, räumte MT-Trainer Michael Roth. Dann gerieten seine Mannen von 11:11 mit 12:18 vorentscheidend ins Hintertreffen – und kamen auch nicht mehr näher heran. Der Titelanwärter Nummer eins war von nichts und niemanden mehr aufzuhalten. Weder davon, dass Filip Jicha schon früh mit zwei Zeitstrafen belastet war und nur noch sporadisch eingesetzt werden konnte, noch vom verletzungsbedingten Ausscheiden Dominik Kleins. Der Weltmeister von 2007 war nach einem Ellbogencheck von Philipp Müller, den die Unparteiischen nicht wahrgenommen hatten, zu Boden gegangen und hatte vor Schmerzen geschrieen.

MT Melsungen gegen THW Kiel

Nach dem Spiel sprachen sich die beiden Akteure aus, Müller entschuldigte sich. „Ich kenne die Müllers aus gemeinsamen Zeiten und weiß, wie hitzig sie sein können. Ich kann das verzeihen“, meinte Klein. Dieser kam mit einer leichten Prellung im Bauchmuskelbereich davon.

Ohne Danner im EHF-Cup?

Auch ohne den Linksaußen hatte der THW alles im Griff. Zumal die Hausherren in der mit 4300 Zuschauern restlos ausverkauften Kasseler Rothenbach-Halle in der Abwehr so ihre Probleme hatten – erst recht, nachdem der bereits angeschlagen in die Partie gegangene Innenverteidigung Felix Danner endgültig passen musste. Es besteht jedoch Hoffnung, dass der Kreisläufer im Europapokalspiel am Samstag ab 19 Uhr (Kassel) gegen Eskilstuna Guif wieder die Deckung verstärken kann.

„Wir haben zu wenig Kontakt zum Gegner bekommen“, bemängelte Marino Maric die fehlende Aggressivität seiner Mannschaft in der Abwehr. Das Spiel entwickelte sich mehr und mehr zu einer Duvnjak-Gala. „Sie haben die individuelle Klasse für die einfachen Tore“, analysierte Philipp Müller, zusammen mit Maric erfolgreichster MT-Schütze, treffend. Gäste-Coach Alfred Gislason sprach später gar von der „besten Angriffsleistung“ seines Teams in dieser Saison. Was für die Nordhessen gleichbedeutend mit einer Lehrstunde war.

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