Mit Stojanovic verliert MT exzellenten Spielmacher und eigenwilligen Typen

Eine schwierige Beziehung

Abgang im Zorn: Vladica Stojanovic. Foto: Hahn

Melsungen. Nun ist das Tischtuch endgültig zerschnitten. Zwischen Vladica Stojanovic und dem Handball-Bundesligisten MT Melsungen, der seinen Spielmacher fristlos entließ, nachdem der 28-Jährige nicht rechtzeitig vom Lehrgang der serbischen Nationalmannschaft zurückgekehrt war.

Sicherlich nicht die erste Disziplinlosigkeit des eigenwilligen Regisseurs, eher die, die das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Und damit eine stets schwierige Beziehung des Vereins mit seinem Angestellten beendete. Das bekam schon (bei seiner Entlassung) Aufstiegstrainer Rastislav Trtik zu spüren, der dessen Verpflichtung 2006 selbst vom spanischen Erstligisten Bidasoa Irun ursprünglich durchaus begrüßt hatte. Die erste Auslandsstation des geborenen Belgraders, wo dieser gleich für Furore gesorgt hatte.

Auch Trtiks Nachfolger Robert Hedin hatte zwischenzeitlich so seine Probleme mit dem bisweilen etwas sperrigen Serben, was nichts an seiner Wertschätzung für den Nationalspieler änderte: „Vladica hat alles.“ Damit meinte er dessen „unglaubliche Ballkontrolle“, sein „gutes Auge für seine Mitspieler“ und eine „extreme Torgefährlichkeit“, die wiederum auf Stojanovics breites Wurfrepertoire zurückgeht.

Kurzum: Die MT verliert einen der besten Spieler, die sie je gehabt hat, einen, der als einer der fünf besten Spielmacher der stärksten Liga der Welt gehandelt wird. Ein Regisseur, der zaubern kann, der aber offenbar nie zu 100 Prozent im Team seine Rolle gefunden hat. Eine echte Führungsrolle, zu der allerdings mehr als ein spektakulärer Hüftwurf oder ein Wackler der Marke Weltklasse gehört hätte. Die Bereitschaft von ihm, gerade in Krisenzeiten Verantwortung zu übernehmen. Und der Wille des Vereins, ihm diese Verantwortung ohne Wenn und Aber zu übertragen.

Vielleicht wäre Vladica Stojanovic daran gewachsen. Und mit ihm seine Mannschaft, der eine klare Hierarchie nach wie vor fehlt.

Unter Ryan Zinglersen schwelte der Konflikt weiter. Manchmal auf dem Feld, dann wieder daneben. Eine Lösung war nicht in Sicht und damit die vorzeitige Trennung vorhersehbar. Womit keiner der Beteiligten aufgrund seiner eigenen Versäumnisse zufrieden sein kann.

Von Ralf Ohm

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