Von Entdeckung bis Fehlstart

MT-Handballer bleiben in der abgelaufenen Serie einiges schuldig

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Drittbester Torschütze in dieser Bundesliga-Saison: Rechtsaußen Johannes Sellin kam auf 205 Treffer.

Kassel. Die Saisonbilanz der MT Melsungen: Was war gut, was war mittelmäßig, was war schlecht? Ein Überblick.

Diesmal haben sie die 40-Punkte-Marke verfehlt. Nachdem die Handballer der MT Melsungen in den drei vorherigen Bundesliga-Spielzeiten immer mindestens 40 Zähler auf ihrem Konto verbucht hatten, fehlte der Mannschaft von Trainer Michael Roth in dieser Serie dafür ein weiterer Sieg.

Mit 38:30 Punkten belegen die Nordhessen den siebten Rang.

Der Aufsteiger:  Da kann es keine zwei Meinungen geben: Johannes Golla ist die Entdeckung dieser Saison. Bereits im Alter von 19 Jahren schaffte der Kreisläufer den Sprung aus dem Melsunger Nachwuchs in die Bundesliga. Als die erfahrenen Marino Maric und Felix Danner verletzungsbedingt nicht zur Verfügung standen, gab MT-Trainer Michael Roth dem Junioren-Nationalspieler die Chance – und das große Talent zahlte das in ihn gesetzte Vertrauen mit überzeugenden Leistungen zurück. „Ich hätte nie gedacht, dass es so schnell geht“, sagt Golla, „darauf bin ich auch stolz.“

Schon eine große Stütze: Johannes Golla.

Die Fans: Sportlich blieb die MT einiges schuldig. Das spiegelte sich aber nicht in der Zuschauerresonanz wider: Wie in der hervorragenden Saison 2015/16 kamen wieder mehr als 3800 Besucher im Schnitt zu den Partien in der Kasseler Rothenbach-Halle (4300 Plätze).

Die Zuverlässigen:  Zahlen lügen bekanntlich nicht. Und wer sich die Leistungsdaten von Torwart Johan Sjöstrand und Kapitän Michael Müller ansieht, der kommt zu folgendem Schluss: Die beiden Routiniers sind praktisch nicht zu ersetzen. Sjöstrand, der zu Beginn dieser Runde noch wegen einer Knie-OP ausgefallen war, kommt auf einen Schnitt von elf Paraden pro Partie. Und Müller warf nicht nur 107 Treffer selbst, sondern bereitete auch 112 Tore vor. Nur Wetzlars Philipp Weber (117) leitete mehr erfolgreiche Abschlüsse ein.

Einer der Zuverlässigen: Torwart Johan Sjöstrand.

Der Torjäger: Was wäre gewesen, wenn...? Wenn, ja wenn, Linkshänder Johannes Sellin nicht in der Rückserie zunächst unter einer Gesäßmuskel- und dann unter einer Wadenverletzung gelitten hätte? Der 26 Jahre alte Rechtsaußen, der jetzt zum Klassenkameraden HC Erlangen wechselt, verpasste mehrere Partien im Februar und März und konnte deshalb seine führende Position in der Torschützenliste nicht mehr behaupten. Allerdings reichte es mit 205 Erfolgen für Rang drei.

Der Schlussspurt: Die MT war so etwas wie das Gegenstück zur TSV Hannover-Burgdorf. Während die Niedersachsen nach der WM-Pause keinen einzigen Sieg verbuchten, legte Melsungen ab März erst richtig los: Aus zehn Spielen holte das Team 19:1 Punkte in Folge. „Das spricht für unsere große Moral“, erklärt Rückraumakteur Philipp Müller. Der niederländische Linksaußen Jeffrey Boomhouwer ergänzte: „Wir hatten eine viel bessere Stimmung in der Mannschaft und sind unglaublich befreit aufgetreten.“

Der Fehlstart: Es fing noch gut an: Souverän behauptete sich Melsungen beim Pokal-Auftakt in Neuhausen. Doch dann folgten unerwartete Pleiten gegen die Aufsteiger aus Coburg und Erlangen.

„Wir haben den Start komplett verschlafen. Das hat uns dann erst einmal einige Zeit beschäftigt“, sagt Manager Axel Geerken rückblickend. Es kam vieles zusammen: Der Druck war nach dem vierten Platz aus der vorherigen Serie hoch, die Mannschaft hatte mehrere Ausfälle zu verkraften. Zudem steckte das Team in einem Umbruch.

Die Derbypleiten: Zwei Niederlagen in einer Saison gegen die HSG Wetzlar? Das geht eigentlich gar nicht. Doch die MT war dem Erzrivalen aus Mittelhessen zweimal klar unterlegen. Irgendwie folgerichtig, dass Melsungen als Siebter in der Abschlusstabelle einen Rang hinter der HSG steht.

Der Pechvogel: Gabor Langhans sollte Michi Müller im rechten Rückraum entlasten. Aber eine Verletzung der Patellasehne, die ihm schon in der Saison zuvor beim TuS N-Lübbecke zu schaffen machte, ließ keinen Pflichtspieleinsatz zu. Nach wie vor unklar, wie es mit dem Linkshänder weitergeht.

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