Erinnerung als Mutmacher

Klarer Aufwärtstrend beim MT-Gegner VfL Gummersbach

Hat den VfL Gummersbach in ruhige Fahrwasser geführt: Trainer Emir Kurtagic. Foto: dpa

Gummersbach. Es gibt Siege, die werden im Verlauf einer Saison beträchtlich aufgewertet. Gummersbachs 32:30 bei der MT Melsungen war so einer. Weil sich der Gegner schnell von der schmerzlichen Heimniederlage erholte und seine beste Bundesliga-Saison seit dem Aufstieg 2005 spielt.

Weil der ehemals große VfL diese Bonuspunkte im Abstiegskampf liebend gern mitnahm. Weil sie Trainer Emir Kurtagic trotz einer holprigen Hinrunde dazu verhalfen, im Amt zu bleiben. Und weil ihm der Coup offenbarte, wie‘s gegen den Tabellensechsten erneut klappen könnte, wenn der am Sonntag um 17.15 Uhr in der Schwalbe-Arena gastiert.

Eine „enge Angelegenheit“ sagt der 32-jährige Bosnier voraus. Dabei überwiegt mittlerweile die Zuversicht, denn der Ex-Meister ist aus dem Gröbsten raus. Drei Siege vor der EM-Pause sorgten für ein Zwischenhoch, das den VfL-Fans signalisierte, dass der personelle Umbruch nach dem Verlust der Leistungsträger Adrian Pfahl und Kentin Mahé vollzogen ist.

„Wir sind stabiler geworden“, sagt Emir Kurtagic. Was auch darauf zurück zu führen ist, dass er endlich seine Stammbesetzung zur Verfügung hat. Etwa Christoph Schindler und Mark Bult, deren verletzungsbedingtes Fehlen denn auch die „Ergebniskrise“ zu Saisonbeginn relativierte, in der der jüngste Trainer der Bundesliga, der im Dezember 2011 seinen Mentor Sead Hasanefendic beerbte, sowieso immer die Ruhe und den Überblick bewahrt hat.

Genauso als der Traditionsclub von einer finanziellen Krise in die nächste stolperte. Und auch als der A-Lizenz-Inhaber selbst in der Kritik stand, konzentriert weiter arbeitete und sich dabei der Rückendeckung seines Teams gewiss sein konnte: „Das war unheimlich wichtig für mich.“ Er gab das Vertrauen zurück in der Überzeugung, dass der Knoten bald platzen würde. Und wurde nicht enttäuscht. 8:6-Punkte aus den letzten sieben Spielen unterstreichen den Aufwärtstrend der Gummersbacher.

Dabei sind die Bergischen auswärts (11:13-Punkte) nach wie vor erfolgreicher als daheim (7:17). Für den VfL-Coach „reine Nervensache“. Denn: „Vor eigenem Publikum, speziell in unserer neuen Halle, ist der Druck einfach größer.“ Mit dem seine Schützlinge zuletzt allerdings besser zurecht kamen. Immerhin wurde Lemgo (33:32) geschlagen nach Hause geschickt, während sich die Spitzenteams von Kiel und Hamburg nur mit Mühe durchsetzen konnten.

Solche nicht unbedingt spektakulären, aber stetigen und nachhaltigen Fortschritte passen zu einem ruhigen, besonnenen Handball-Lehrer wie Emir Kurtagic. Der lässt sich auch gegen die MT nicht zu einer Kampfansage hinreißen. Wohl aber zu einer nüchternen Erinnerung an den Hinspielsieg. Ein Mutmacher, der bei seiner Mannschaft ankommt?

Von Ralf Ohm

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