Erster Sieg als Onkel

Vor Ort beim Handball-Supercup: Michael Müller, Momir Rnic und noch mehr MT

Momir Rnic

Hamburg. Auf dem Spielfeld sind sich Michael Müller und Momir Rnic nur dreimal begegnet. Vor dem Anwurf, als sich die Teams aus Deutschland und Serbien begrüßten.

Kurz vor Beginn der zweiten Hälfte, als die Handball-Partie beim Supercup am Samstag noch nicht fortgesetzt werden konnte, weil der übertragende Fernsehsender in der Werbepause war: Da war sogar kurz Zeit, um zu flachsen. Und nach der Schlusssirene, beim üblichen Händeschütteln aller Beteiligten.

Dass sich die beiden Profis vom Bundesligisten MT Melsungen beim 37:26-Kantersieg der deutschen Mannschaft in Hamburg ansonsten verpassten, konnten sie verschmerzen. Warum Müller und Rnic dann schnell – der eine mehr, der andere weniger gefrustet – in der Kabine verschwanden, und weshalb es trotzdem ein Nachmittag war, bei dem die MT omnipräsent war:

DIE ARBEITSPROTOKOLLE 

In der achten Minute muss Rnic ran. Zu diesem Zeitpunkt liegen die Serben 1:7 zurück. Und der Torjäger übernimmt Verantwortung: Er wirft das 3:11, das 5:11 und das 8:20. Fast so spektakulär wie die Treffer selbst: wie der Hallensprecher das „r“ von Rnic rollt. Allerdings hat der Mann am Mikrofon auch Übung im Durchsagen dieses Namens. Es ist Bernd Kaiser, sonst MT-Pressesprecher.

Für den serbischen Rückraumschützen Rnic aber ist nach der ersten Hälfte mit drei Toren bei sechs Versuchen schon Feierabend. Seine Aufgabe besteht nun darin, Petar Djordic, Sohn des früheren Melsunger Torwarts Zoran Djordjic, bei dessen Vorstößen auf seiner Position moralisch zu unterstützen.

Eine ähnliche Rolle hat Michael Müller lange inne an diesem Tag auf deutscher Seite: sich mitfreuen, wenn Steffen Weinhold oder Fabian Wiede treffen. Bis zur 42. Minute: Dann darf er sich endlich seiner Trainingsjacke entledigen. Noch ein paar Dehnungsübungen hinter der Ersatzbank – los geht’s. Während der verbleibenden 17 Minuten und 18 Sekunden erzielt Müller ein sehenswertes Tor und verhindert in der Abwehr das eine oder andere der Kontrahenten. DIE STIMMUNGSLAGE

„Wir können mit der Leistung heute absolut zufrieden sein“, bilanziert Müller später den Auftritt der DHB-Auswahl. Ein Blick in sein Gesicht zeigt, dass er selbst nicht zufrieden ist. „Ich weiß noch nicht so recht, was meine Rolle hier ist“, bedauert der 31-Jährige. Mitte des zweiten Durchgangs stehen Spieler auf dem Parkett, die sind 20, 22 und 24 Jahre jung. Und eben Müller mit 31. Natürlich möchte der MT-Kapitän gern bei der EM 2016 und auch beim Testspiel am 9. Januar in der ihm bestens vertrauten Kasseler Rothenbach-Halle gegen Island dabei sein – sofern es für ihn eine konkrete Aufgabe gibt. Er will demnächst noch einmal mit Bundestrainer Dagur Sigurdsson das Gespräch suchen.

Seine größte Freude: Am Vorabend, gegen 22 Uhr, wurde er Onkel. Die Freundin von Zwillingsbruder und Klubkamerad Philipp Müller brachte Sohn Lasse zur Welt. „Dazu kann man mir eher gratulieren“, resümiert Michael Müller.

Rnic schüttelt derweil einige Meter entfernt noch den Kopf. „In diesem Spiel muss man motiviert sein, als wenn es ein Finale ist“, ärgert sich der 28-Jährige, „das war eine Katastrophe.“ Nenad Vuckovic pflichtet ihm bei. Sein MT-Kollege, der auf dieses Turnier verzichtet hatte, verfolgte das Spiel mit Sohn Aleksa aus der serbischen Box. Zwischendurch plaudert er mit Fans – aus Nordhessen, versteht sich.

DIE AUSSICHT 

Zumindest wird die Demütigung durch das deutsche Team nicht so lange in den Köpfen spuken. Am Mittwoch ist ab 19 Uhr in Kassel wieder Erstliga-Zeit. Dann stehen Müller und Rnic gegen Göppingen auf einer Seite. Aber dann sind der deutsche Kreisläufer Manuel Späth und Serbiens Regisseur Zarko Sesum ihre Gegner.

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