Handball

Julius Kühn: „Es fehlt an allen Ecken und Enden“

HC-Erlangen-MT Melsungen 31:21-  3.Spieltag Liqui Moly Handball Bundesliga HBL Handball Die Leere nach der Pleite: Julius Kühn nach dem Abpfiff in Nürnberg.
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Die Leere nach der Pleite: Julius Kühn nach dem Abpfiff in Nürnberg.

Nach dem enttäuschenden 21:31 der MT Melsungen beim HC Erlangen ist Ursachenforschung beim Handball-Bundesligisten angesagt.

Kassel – Angstgegner Balingen-Weilstetten hatten sie geknackt, gegen Lemgo eine glanzvolle Heimpremiere hingelegt und mit zwei Auftaktsiegen also vermeintlich allen nervlichen Ballast abgeworfen. Aber schon am dritten Spieltag dieser Saison in der Handball-Bundesliga kam er wieder, der inzwischen beinahe obligatorische Blackout der MT Melsungen. Denn das 21:31 beim HC Erlangen war genau das und mehr als eine schlichte Niederlage.

Was aber sind die Gründe? Liegen sie im spielerischen Bereich, im personellen, im mentalen oder aber intern im atmosphärischen, weil einzelne Akteure unzufrieden sind wegen zu geringer Einsatzzeiten? Eine Ursachenforschung:

Das Spiel: Die Abwehr stand zunächst gut, Silvio Heinevetter startete zuverlässig im Tor. „Das war nicht unser Problem“, sagt Trainer Gudmundur Gudmundsson. „Und Torchancen haben wir auch zur Genüge herausgespielt.“ Aber: „Mit zwölf technischen Fehlern und 19 Fehlwürfen, davon zwölf freien im Eins-gegen-eins, ist kein Spiel zu gewinnen.“ 31 Angriffe also ohne Tor – eine haarsträubende Bilanz, vom Gegner konsequent bestraft.

In Zahlen: Erlangens Torwart Klemen Ferlin wehrte 17 Würfe ab, Fangquote 44 Prozent. Bei der MT hielten „Heine“ (7) und später „Simo“ Simic (3) insgesamt zehn Bälle. Melsungens Rückraum-Stammquartett Kai Häfner (5/11), Julius Kühn (4/7), Domagoi Pavlovic (1/4) und Lasse Mikkelsen (0/2) war nur mit zehn von 24 Würfen erfolgreich. Gudmundssons Fazit: „Unsere Torleute waren gut, der Erlanger besser. Wir haben schlecht geworfen.“

Die personelle Situation: Michael Allendorf war überraschend wieder dabei, die MT hatte alle Mann an Bord. Da gibt es also keinen Grund für die Pleite. Auch nicht das Ausscheiden von Mittelmann Lasse Mikkelsen im Spiel. „Eine Handprellung, keine schwerwiegende Verletzung vermutlich“, sagt Gudmundsson am Montag und hofft auf den Einsatz des Dänen schon am Samstag wieder im Heimspiel gegen Minden.

Die mentale Schwäche: „Wir hatten einen schlechten Tag, das gibt es im Sport“, sagt der Trainer, will Ruhe bewahren. Zudem hätten frühe Zeitstrafen das Team zusätzlich in Rückstand und Zugzwang gebracht.

„Bei meiner Strafe nach 20 Minuten hat es einen Bruch im Spiel gegeben“, bilanzierte später Julius Kühn. Was danach aber passierte, sei „nur ganz schwer zu erklären“. Mit Selbstvertrauen seien sie angereist, ein so schwacher Auftritt nicht zu erwarten gewesen. „Es hat an allen Ecken und Enden gefehlt, es war keine Bereitschaft da, nicht 100 Prozent Überzeugung“, sagte der Halblinke im Sky-Interview und sprach von Standhandball. „So dürfen wir nicht untergehen, so dürfen wir uns generell nicht präsentieren.“

Auffällig dabei war erneut, was bei der MT auch bei früheren klaren Niederlagen deutlich wurde: Trotz voller Kapelle und zahlreicher international erfahrener Asse, fehlt es der Truppe an Leitwölfen, an Korsettstangen, die ein Auseinanderbrechen verhindern.

Die Atmosphäre im Team: „Nach zwei Siegen zum Auftakt kann die Stimmung nicht schlecht sein“, sagt Gudmundsson. „Auch wenn natürlich jeder Spieler immer spielen will.“ Gleichwohl werde nach dem freien Tag der Aktiven und der sicher längeren Analyse der Trainer beim heutigen Wiedersehen im Training Klartext geredet: „Was war gut, was war schlecht – das müssen wir jetzt intensiv besprechen“, weiß Trainer Gudmundsson. Damit es ein Blackout bleibt und kein längerer Trend wird oder gar eine frühe Krise.

Von Gerald Schaumburg

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