Achtbare Leistung in Dänemark

Europapokal-Quali: MT Melsungen verliert in Silkeborg 27:31, darf aber weiter hoffen

Blick für den Mitspieler: Melsungens Julius Kühn (links) ist hier im Anflug auf die Silkeborger Abwehr. Im Spiel der Qualifikationsrunde zur European League sah er später nach einem Foul die Rote Karte. 	zwei Fotos: Flemming Heiberg
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Blick für den Mitspieler: Melsungens Julius Kühn (links) ist hier im Anflug auf die Silkeborger Abwehr. Im Spiel der Qualifikationsrunde zur European League sah er später nach einem Foul die Rote Karte.

Was ist das beste gegen eine Woche mit viel Frust? Eine Trotzreaktion. Und die Handballer der MT Melsungen trotzten über weite Strecken des Hinspiels in der ersten Qualifikationsrunde zur European League dem Wirbel der vorangegangenen Tage. 

Silkeborg - Beim dänischen Top-Team Bjerringbro-Silkeborg unterlag Melsungen letztlich nur deshalb 27:31 (16:16), weil es arge Probleme im Überzahlspiel hatte. Nach der Vier-Tore-Niederlage dürfen die Melsunger zumindest noch auf ein Weiterkommen hoffen. Das Rückspiel steigt am kommenden Sonntag ab 16 Uhr in Kassel.

400 Zuschauer durften trotz Corona-Pandemie in der Jysk-Arena dabei sein. Und bevor sie das erste Mal ihr eigenes Team feierten, klatschten sie Beifall für zwei Melsunger: den dänischen Spielmacher Lasse Mikkelsen und Trainer Gudmundur Gudmundsson, der Dänemark 2016 zum Olympiasieg geführt hatte.

Silkeborg war der erwartet unbequeme Gegner. Nicht nur, weil der ehemalige Melsunger Torwart Johan Sjöstrand schon in der Anfangsphase einige Würfe gegen seine Ex-Kollegen abwehrte. Auch dass die Gastgeber so schnell auf den Beinen waren, behagte den Nordhessen gar nicht. Gudmundsson baute im Mittelblock auf Marino Maric und Neuzugang Arnar Freyr Arnarsson, weil Finn Lemke (Quarantäne) gefehlt hatte.

In der Anfangsphase war den Melsungern deutlich anzumerken, dass sie die Ereignisse der vergangenen Tage nicht so leicht aus den Ärmeln schütteln konnten. Der positive Covid-19-Test eines Physiotherapeuten, die Unsicherheit wegen einer möglichen Spielabsage, die schwierige Vorbereitung – nach elf Minuten lag der Bundesligist 2:6 zurück. Von Gudmundsson gab es dafür klare Worte.

Nach der Auszeit leistete die MT deutlich mehr Gegenwehr. Der glänzend aufgelegte Mikkelsen und Yves Kunkel verkürzten auf 4:6 (13.), Julius Kühn (2), Timo Kastening und Mikkelsen sorgten mit vier Treffern in Folge für die erstmalige Führung (12:11, 22.). Und am eigenen Kreis schafften es die Melsunger, dass sich der Kontrahent immer mehr festlief beziehungsweise an Nebojsa Simic scheiterte. Kurzum: Melsungen war nun voll drin im ersten Pflichtspiel seit Anfang März. Einziger kleiner Kritikpunkt: Sie belohnten sich nicht mit einer Pausenführung.

Noch ärgerlicher der Start in die zweite Hälfte: Kühn sah nach einem Foul eine umstrittene Rote Karte (31.). Immerhin stellte Kai Häfner auf 17:17, nachdem William Bogojevic die Heimsieben in Front gebracht hatte. Jetzt kam Domagoj Pavlovic ins Spiel und war direkt ein belebendes Element im Angriff. Kein Wunder also, dass die MT durch den eingewechselten Rechtsaußen Tobias Reichmann wieder 21:20 vorn lag (38.). In Überzahl leisteten sich die Gäste dann ein paar unnötige Fehler – das brachte sie wieder ins Hintertreffen. Es blieb spannend – auch in Dänemark ist Sonntagabend Krimizeit. Heute war die Jysk-Arena der Tatort. Sehr umstritten: eine Entscheidung der polnischen Unparteiischen. Routinier Felix Danner musste für drei Angriffe zusehen, obwohl er nicht auf dem Feld behandelt werden musste.

Zwar setzte sich Silkeborg auf 27:24 ab, Melsungen kämpfte aber aufopferungsvoll um ein gutes Ergebnis: 27:28 durch Danner. Bitter, dass Häfner in der 59. Minute freistehend nicht den Abschluss suchte. So wurde wieder eine Chance vertan, in Überzahl versteht sich. (Björn Mahr)

Silkeborg: Hedegard Larsen (11 GT/6 P.), Sjöstrand (16 GT/5 P.)- Pedersen 1, Thomsen, N. Oris Nielsen 6, M. Oris Nielsen, Lassen, Skube 4, Lynggaard 3, Kjeldgaard 4, Nöddesbo, Toft Hansen, Bogojevic 7, Skott, Horgen 6/2, Sonn.

Melsungen: Simic (31 GT/9 P.), Herbst (n.e.) - Maric, Kühn 4, Reichmann 2, Kunkel 3, Mikkelsen 10/3, Danner 1, Arnarsson 1, Allendorf, Pregler, Häfner 4, Salger, Kastening 1, Pavlovic 1.

SR: Leszczynski/ Piechota (Polen) - Z: 400

Siebenmeter: 2/2:3/3 - Zeitstrafen: 12:6 Minuten - Rote Karten: Kühn (31. Foulspiel), Toft Hansen (48., dritte Zeitstrafe).

Spielstände: 1:0 (1,), 2:2 (3.), 6:2 (11.), 6:4 (13.), 11:12 (25.), 16:16 - 17:16 (31.), 20:21 (38.), 24:23 (46.), 27:24 (51.), 28:27 (56.), 31:27 (60.)

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