Nach Saisonabbruch

MT-Kreisläufer Danner: Hätten noch was reißen können

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Von Kreisläufer zu Kreisläufer: Melsungens Kurzzeit-Trainer Felix Danner (rechts) schwört Marino Maric am 27. Februar auf die Bundesliga-Partie gegen den Bergischen HC ein. 

Die Handball-Saison ist vorbei. Nach Abbruch infolge der Coronakrise sprachen wir mit Felix Danner von der MT Melsungen. Er sagt: Wir hätten noch was reißen können.

Schon witzig. Sein letztes Saisonspiel für die MT Melsungen bestritt Felix Danner nicht als Kreisläufer und nicht in der Deckung – also dort, wo er sich für gewöhnlich auf dem Handballfeld bewegt. Nein. Der dienstälteste MT-Profi hielt sich an jenem Donnerstagabend an der Seitenlinie auf. Für den entlassenen Heiko Grimm war Danner als Trainer eingesprungen. „Ein Spiel, ein Sieg, perfekte Quote“, sagt der 34-Jährige augenzwinkernd.

Zwei Monate liegt dieses 28:25 gegen den Bergischen HC bereits zurück. Danner befand sich nach einer Meniskus-Operation gerade im Aufbautraining, kam also für einen Einsatz ohnehin nicht infrage. Am 19. März hätte er zum Bundesliga-Duell in Göppingen wieder auflaufen sollen. „Doch dann kam Corona“, sagt Danner.

Und mit Corona der Saisonabbruch. Dass endlich Gewissheit herrscht, findet der Kreisläufer gut. Dass aber alles vorbei sein soll, habe er noch nicht realisiert. Die Entscheidung sei zwar richtig, sagt Danner: „Jetzt können wir uns auf die nächste Saison konzentrieren.“ Schade sei es aber schon, dass die aktuelle nicht weitergeht. Zumal in den ersten Spielen unter Trainer Gudmundur Gudmundsson eine Aufbruch-Stimmung erkennbar war.

In diesem Zusammenhang ist sich Danner sicher: „In der Bundesliga hätten wir noch was reißen können.“ Und wer weiß, wie weit es im EHF-Cup gegangen wäre? Mit Blick aufs Finalturnier des DHB-Pokals sei es vor allem für jene Spieler bitter, die den Verein verlassen werden, sagt Danner: „Timm Schneider, Dimitri Ignatow und Roman Sidorowicz waren heiß aufs Final Four.“ Hamburg sei ihr Traum gewesen. Darüber hinaus findet es der Kreisläufer traurig, dass die wechselnden Spieler, zu denen auch Johan Sjöstrand gehört, nicht gebührend verabschiedet werden können.

Über soziale Medien bleiben die Spieler während der Coronazeit in Kontakt. Neulich habe Danner via Facetime mit Stefan Salger gesprochen. Der lebt allein, „und langweilt sich ohne Ende“, verrät Danner. Langeweile ist für den Routinier derzeit ein Fremdwort. „Ich hab hier gefühlt zwölf Stunden Dauer-Beschallung.“ Wer mit zwei Kindern ans Haus gebunden ist, weiß, wovon der Handballer spricht. Mit der acht Jahre alten Nele wird gelernt – Home-Schooling heißt das ja heute. Zudem muss der zwei Jahre alte Leon Alexander beschäftigt werden.

Danners Frau Anja arbeitet. Kommt sie nach Hause, absolviert der Profi sein Training. Kein lockeres Läufchen im Wald rund um Melsungen, sondern intensive Intervalle, die Athletik-Coach Florian Sölter den Spielern verschrieben hat. Sich mit einem MT-Kollegen zu quälen, kommt zudem nicht infrage. Lasse Mikkelsen, Marino Maric, Domagoj Pavlovic und Nebojsa Simic – „alle sind ausgeflogen.“ Nur fürs Training nach Kassel zu fahren, hält Danner für übertrieben.

Immerhin: Die Intensität wird nun heruntergefahren. Jetzt muss nicht mehr die Spannung hochgehalten werden für den Fall, dass es doch noch weitergeht. Danner muss dafür den Corona-Alltag zu Hause stemmen. Es mache Spaß und sei gleichzeitig anstrengend. Es sei schön, viel Zeit für die Familie zu haben: „Aber an manchen Tagen ist bei uns allen die Zündschnur sehr kurz.“

Insofern hofft er auf eine baldige Rückkehr in die Normalität. Darauf, dass die Experten das Virus in den Griff bekommen. Und was die Mannschaft anbelangt, da ist Danner guter Dinge. „Wir haben in dieser Saison mehrfach enttäuscht, aber auch gezeigt, zu was wir imstande sind.“ An die beherzten Auftritte zum Schluss soll angeknüpft werden. Vor allem möchte der Kreisläufer endlich mal unter dem neuen Trainer spielen – und nicht selbst an der Linie stehen.

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