Interview mit Kreisläufer des Handball-Bundesligisten

Felix Danner bestreitet gegen Berlin sein letztes Heimspiel für die MT Melsungen

Vor seinem Abschied bei der MT Melsungen: Kreisläufer Felix Danner spielt seit 2009 für den nordhessischen Klub.
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Vor seinem Abschied bei der MT Melsungen: Kreisläufer Felix Danner spielt seit 2009 für den nordhessischen Klub.

Das letzte Saison-Heimspiel der MT Melsungen. Und vor allem: das letzte Mal Felix Danner im MT-Trikot.

Kassel - Der Kreisläufer des Handball-Bundesligisten wird im Sommer zur HSG Wetzlar wechseln, weil sein Vertrag bei den Nordhessen nicht verlängert wurde. Seit Februar 2009 stand er in MT-Diensten. Bevor er heute ab 19 Uhr beim Heimspiel gegen die Füchse Berlin verabschiedet wird, stand Danner dieser Zeitung noch mal Rede und Antwort.

Wie groß ist Ihr Interesse an der Melsunger Kommunalpolitik?
(lacht) Bis jetzt hält es sich in Grenzen.
Bürgermeister von Melsungen ist ja Ihr Spitzname. Reizt Sie der Posten?
Das war immer nur ein Spaß, daher habe ich es nie ernsthaft in Betracht gezogen. Zudem hat der amtierende Bürgermeister noch ein bisschen seiner Amtszeit vor sich.
Sprechen Sie denn auf der Straße viele Menschen darauf an?
Na klar, wer das weiß, der grüßt mich auch schon mal so – auch Markus Boucsein (Melsungens Bürgermeister, Anm. Red.). Wenn wir uns sehen, sagt er: Hallo, Herr Bürgermeister. Und ich antworte: Hallo, Herr Bürgermeister.
Wissen Sie noch genau, wie Sie den Spitznamen im Team bekommen haben?
Ja, das haben die Müller-Brüder losgetreten. Das war bei einem Sommerfest im Kloster Haydau. Das müsste so 2016 gewesen sein.
Jetzt endet erst einmal Ihre Zeit bei der MT-Familie. Mit welchen Gefühlen blicken Sie zurück?
Wenn ich die ganzen zwölf Jahre betrachte, dann sind diese positiv. Als ich herkam, waren wir eher ein Mittelfeld-Team, das in der Tabelle auf den Plätzen zwischen elf und 14 lag. Mit Michael Roth ging es dann langsam nach vorn. In dieser Saison war es ein Rückfall in alte Zeiten.
Und wie schauen Sie auf Ihren nicht ganz freiwilligen Abschied?
Ich habe immer gesagt, die MT ist mein erster Ansprechpartner. Wenn sie mit mir verlängern will, dann sprechen wir darüber. Aber diesmal war es nicht so. Der Verein hat mir früh signalisiert, dass er sportlich nicht mehr mit mir plant. Ich habe aber immer gesagt, solange ich das Gefühl habe, dass ich einem Verein helfen kann, will ich nicht aufhören. Mit Wetzlar habe ich für meine derzeitige Situation das perfekte Los gezogen.
Sie sind im Schwarzwald aufgewachsen. Wie war die Anfangszeit im nordhessischen Bergland?
Ich komme aus der Nähe von Freiburg. Dort scheint sehr oft die Sonne, es gibt viele Weinberge und das Drei-Länder-Eck. Die Lebensqualität ist dort sehr hoch. Als ich dann nach Kassel kam, war das schon ein kleiner Kulturschock. Das ist nicht negativ gemeint. Mittlerweile ist es zu meiner zweiten Heimat geworden.
Was waren die Höhepunkte mit der MT?
Die Geburten meiner beiden Kinder. Sportlich gesehen gab es verschiedene Siege wie in Kiel und Flensburg. Es zählen aber auch die Qualifikationen für den Europapokal und die Teilnahmen am Final Four dazu.
Es gab nicht das eine Spiel?
Das ist schwer zu sagen. Rein von der Statistik her war es die Partie gegen Hamburg 2013. Der HSV war amtierender Champions-League-Sieger. Ich habe elf Tore geworfen, und wir haben unentschieden gespielt.
Sicherlich sind die Trainingslager auf Fuerteventura ebenfalls in guter Erinnerung geblieben, oder?
Ja, die sind unvergessen. Das kannte ich davor nicht, dass man auch im Winter noch so ein Trainingslager hat. Die Gegebenheiten waren überragend. Laufen draußen ist besser als im tiefen Winter auf dem Laufband.
Sie haben unter etlichen Trainern bei der MT Melsungen gearbeitet und waren kurz selbst Chefcoach.
Das waren viele Trainer in relativ kurzer Zeit. Mit Robert Hedin hat es angefangen. Es war schade, dass er dann im Sommer danach gegangen ist. Ryan Zinglersen war nur kurz da. Und Matjaz Tominec hat dann vieles gefordert, was man nicht umsetzen konnte. Schorle (Spitzname Michael Roth, Anm. Red.) hat es dann richtig gut gemacht. Er hat den Verein in die richtige Richtung geführt.
Sie haben selbst den Trainerschein. Konnten Sie sich bei den Trainern viel abschauen?
Zumindest weiß ich, was man nicht machen sollte (lacht). Man kann aber schon viel adaptieren. Ich bin ja derzeit kein Trainer. Aber wenn ich jemanden trainieren müsste, dann wüsste ich schon, in welche Richtung das gehen sollte. Ich würde viel Wert auf die menschliche Schiene legen.
Ihre Familie fühlt sich wohl in Nordhessen. Sie bleiben hier wohnen, oder?
Erst einmal ja. Meine Tochter geht in die vierte Klasse, da wollen wir sie ungern aus der Grundschule herausnehmen. Ich habe in Wetzlar ein Jahr Vertrag. Danach schauen wir, wie es weitergeht.
Ihre Abschiedssaison von der MT verlief größtenteils ohne Fans. Sehr bitter?
Es gibt genug Spieler, die ihre Karriere während der Pandemie auch ganz beendet haben und sich so in aller Stille verabschieden mussten. Man hat natürlich ein Bild vor Augen, wie ein Abschied ablaufen soll. Umso mehr bin ich erleichtert, dass heute wenigstens ein paar Zuschauer dabei sind und man noch mal Kontakt zu den Fans hat. Außerdem ist es toll, dass so meine Familie dabei sein kann.

(Björn Mahr und Manuel Kopp)

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