Handball

Kiels Trainer Filip Jicha: „Die MT Melsungen kann an der Spitze mitmischen“

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Seit dieser Saison der Chefcoach des THW Kiel: Handball-Superstar Filip Jicha. 

Der Kracher des elften Spieltags der Handball-Bundesliga steigt am Donnerstag ab 19 Uhr in Kiel. THW-Trainer Filip Jicha im Interview vor dem Duell mit der MT Melsungen. 

Der Kracher des elften Spieltags in der Handball-Bundesliga steigt am Donnerstag ab 19 Uhr in der Kieler Sparkassen-Arena. Dort erwartet Rekordmeister THW die MT Melsungen. 

Nur wegen der mehr ausgetragenen Partien stehen die Nordhessen als Tabellendritter noch vor den Nordlichtern. Vor dem Topspiel haben wir mit Kiels Trainer Filip Jicha nicht nur über die kommende Aufgabe, sondern auch über die Länderspielpause und ein paar Tage ohne Handball gesprochen.

Herr Jicha, gestatten Sie die Frage: Haben Sie sich in den vergangenen Tagen etwas gelangweilt?

Filip Jicha: (lacht) Langeweile gab es gar nicht. Ich war froh, dass ich mal aus dem Hamsterrad herausgekommen bin. Ich habe drei Tage komplett ohne Handball verbracht.

Fast alle Kieler Spieler waren mit ihren Nationalteams unterwegs. Wie sah Ihr Kurzurlaub aus?

Die Zeit hat nur der Familie gehört. Ich habe die Zeit genutzt, um meine Eltern in unserer Heimatstadt Pilsen zu besuchen. Natürlich habe ich mir die Ergebnisse von meinen Nationalspielern angeschaut – aber keine Spiele. Ich habe mir selbst ein TV- und PC-Verbot auferlegt.

Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?

Es ist erst ein Drittel rum. Ich finde, dass wir ganz ordentlich in die Saison gestartet sind. Vor allem gebührt meiner Mannschaft ein Kompliment dafür, wie sie sich präsentiert hat, als wir innerhalb von 48 Stunden zweimal spielen mussten. Sie hat sich nicht als Opfer gesehen, sondern sich für ihren großen Einsatz belohnt. Die Punkte aus der Champions League tun uns sehr gut. Wir dürfen uns aber nicht auf den kleinen Ereignissen ausruhen. Die nächsten zwei Monate werden brutal – es ist aber auch eine schöne Herausforderung für uns.

Am Donnerstag steht ein echtes Topspiel in der Bundesliga an. Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf die Partie gegen Melsungen?

Nach der Partie in Montpellier in der Königsklasse haben sich unsere Nationalspieler in alle Himmelsrichtungen verabschiedet. Wir haben jetzt zwei Trainingseinheiten, um uns auf Melsungen gut vorzubereiten. Ich sehe einen kleinen Nachteil darin, dass wir nur drei Spieler in Kiel hatten und kein Training machen konnten. Deswegen ist für mich klar: Wir müssen an unsere Leistungsgrenze gehen, wenn wir die zwei Punkte gegen die MT holen wollen.

Schon viele Ihrer Landsleute haben für Melsungen gespielt: von Petr Hruby über Petr Hazl bis hin zu Daniel Kubes. Inwieweit haben Sie die Entwicklung der MT in der Bundesliga mit besonderem Interesse verfolgt?

Melsungen hat sich respektabel entwickelt. Die MT hat die Mittel, die spielerische Qualität und den Kader, um an der Spitze mitzumischen. In dieser Saison hat sie nach schwierigem Beginn in die Spur gefunden.

Beide Mannschaften sind zuletzt von Sieg zu Sieg geeilt. Welche Erwartungen haben Sie nach der Länderspielpause an dieses Duell?

Bei beiden Teams ist nach der Unterbrechung ein bisschen was Ungewisses dabei. Ich rechne mit einem kampfbetonten Spiel.

Wie bewerten Sie die Situation an der Tabellenspitze?

Die Liga ist extrem ausgeglichen. Die Teams im oberen Tabellendrittel sind in der Lage, überall zu punkten. Das macht diese Liga so unberechenbar. Ich werde deshalb niemals sagen, wer wo am Ende landet. Wir müssen hart arbeiten, um erfolgreich zu sein. Wenn bei uns alle fit sind, können wir auf allen drei Hochzeiten tanzen.

Es ist Ihr erstes Jahr als Chefcoach. Was hat Sie an Ihrer Arbeit bislang am meisten überrascht?

Vieles ist so, wie ich es erwartet habe. Denn ich habe den Handball schon als Spieler gelebt. Ich bin sehr froh, mit dieser Mannschaft arbeiten zu können. Was allerdings schon auffällig ist: Der Job ist extrem zeitintensiv. Auf den Reisen musst du zum Beispiel immer die Spielvorbereitung für die kommenden Aufgaben erledigen. Doch bei aller Belastung macht es mir sehr viel Spaß.

Zur Person: Filip Jicha

Filip Jicha (37) ist seit diesen Sommer Cheftrainer des Handball-Rekordmeisters THW Kiel. In der vergangenen Serie assistierte er dem langjährigen Kieler Coach Alfred Gislason. Als Spieler gehörte Jicha zu den Superstars. Der Welthandballer von 2010 wurde unter anderem siebenmal Deutscher Meister und gewann zweimal die Champions League. 

Zweimal war er Handballer des Jahres in Deutschland. Seine Stationen als Profi: Dukla Prag, Otmar St. Gallen, TBV Lemgo, THW Kiel und FC Barcelona. 158 Partien bestritt Jicha für die tschechische Nationalmannschaft. Der gebürtige Pilsener ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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