Deutsche und französische Teams fehlen

Final Four: Handball-Feiertage ohne Top-Nationen

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Das war der bislang letzte deutsche Sieger: Die SG Flensburg-Handewitt mit Kapitän Tobias Karlsson (mit Pokal) feiert2014 in Köln.

Die Handball-Welt schaut am Wochenende nach Köln. Dort findet das Final Four der Champions League statt - diesmal ohne deutsche und französische Teams. 

Tobias Reichmann macht keinen Hehl daraus, welcher Mannschaft er am Wochenende für das Finalturnier der Champions League in Köln die Daumen drückt. Der deutsche Handball-Nationalspieler von der MT Melsungen hofft, dass sich Vive Kielce durchsetzt. Es wäre der zweite Triumph des polnischen Spitzenklubs in der Lanxess-Arena. Beim ersten Erfolg 2016 war Reichmann noch selbst einer von Kielces Helden: 39:38 hieß es nach Siebenmeterwerfen gegen Veszprem/Ungarn.

Am Samstag ab 15.15 Uhr treffen die beiden damaligen Endspielteilnehmer erneut aufeinander – im ersten Halbfinale des Final Four. Im zweiten Duell ab 18 Uhr stehen sich der FC Barcelona und Vardar Skopje aus Nordmazedonien gegenüber. Vier Topvereine in Köln – aber aus den beiden vermeintlich stärksten Ligen der Welt in Deutschland und Frankreich ist keine Mannschaft dabei.

Tobias Reichmann, ehemaliger Champions-League-Sieger

„Es ist sehr schade, aber die Belastung für die Spieler in diesen beiden Ländern ist einen Tick höher“, sagt Reichmann und sucht zugleich nach einer Erklärung für das Dilemma. Die Probleme sind bekannt. Das stramme Programm in der Bundesliga erlaubt es den Profis der ambitionierten Klubs nicht, gut zu regenerieren. Zudem sind die höchsten Klassen in Deutschland und Frankreich in der Breite wesentlich stärker besetzt. Es ist den beteiligten Teams fast nicht möglich, Akteure zu schonen.

Den bislang letzten deutschen Sieg in Köln gab es 2014: Die SG Flensburg-Handewitt schlug im Endspiel den THW Kiel 30:28. Seitdem dominieren andere Klubs. Vor einem Jahr schafften es noch drei französische Vereine zum Final Four – diesmal keiner. Top-Favorit Paris mit dem Deutschen Uwe Gensheimer scheiterte im Viertelfinale an Kielce. Die Polen werden genauso wie die Vardar-Stars von einzelnen potenten Geldgebern finanziert. Bei Veszprem steht das staatliche Telekommunikationsunternehmen dahinter.

Axel Geerken, Manager der MT Melsungen, sieht die Entwicklung als „nicht dramatisch“. Er zollt den Halbfinalisten seinen Respekt: „Die besten vier Teams aus Europa haben sich qualifiziert.“ Kurios: Alle vier Starter werden von Spaniern trainiert: Xavier Pascual (Barcelona), Talant Dujshebajev (Kielce), Roberto Parrondo (Vardar) und David Davis (Veszprem).

Dass im dritten Jahr in Folge kein Bundesligist am Start ist, tut der Begeisterung für dieses Ereignis keinen Abbruch. Die Arena ist an beiden Tagen mit 19 750 Fans ausverkauft – seit der Einführung des Final Four 2010 blieb überhaupt noch kein einziges Mal ein Platz leer.

„Die Hälfte der Zuschauer kommt aus Deutschland, davon die Hälfte aus Köln und Umgebung“, erläutert David Szlezak. Der frühere österreichische Bundesligaspieler ist bei der Europäischen Handball-Föderation (EHF) der Geschäftsführer der Marketing GmbH und unterstreicht den Wert dieser Veranstaltung für die EHF: „The weekend to be.“ Was so viel bedeutet wie: das Handball-Wochenende schlechthin. Einige Verbandsmitarbeiter sind das ganze Jahr über mit der Organisation beschäftigt. In Köln selbst werden es dann 200 bis 300 sein, die für den gewünschten Ablauf sorgen sollen. Und wenn die Spiele vorbei sind, startet direkt am Montag der Vorverkauf für die nächste Auflage. Drei Viertel der Karten sind laut Szlezak schnell weg. Für die erst später feststehenden vier Teilnehmer wird ein extra Kontingent zurückgehalten.

David Szlezak, Geschäftsführer der EHF- Marketing GmbH

„Wir liefern eine große Portion Unterhaltung“, sagt der Österreicher mit Blick auf das Rahmenprogramm. Am Freitag steigt eine Eröffnungsparty. An den Spieltagen werden bisherige Gewinner gewürdigt. Und, und, und.

Die Spiele werden hierzulande nur im Pay-TV live zu sehen sein. „Die Strahlkraft dieses Events ist immens. Es ist neben dem Final Four im DHB-Pokal einer unserer Höhepunkte im Jahr“, erklärt Sky-Reporter Dennis Baier, „das sind Feiertage im Handball-Jahr.“ Der Sender fährt alles auf, was Rang und Namen hat. Neben Baier, Moderator Jens Westen, den Kommentatoren Karsten Petrzika und Markus Götz beleuchten drei Experten das Geschehen: Stefan Kretzschmar, Heiner Brand und Martin Schwalb. 

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