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Finn Lemke vor WM-Viertelfinale Deutschland gegen Frankreich: Das Tempospiel als deutsches Pfund

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Von: Björn Mahr

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Lenkt gekonnt das deutsche Angriffsspiel: Juri Knorr, hier beim Spiel gegen die Norweger in einer typischen Angriffsaktion.
Lenkt gekonnt das deutsche Angriffsspiel: Juri Knorr, hier beim Spiel gegen die Norweger in einer typischen Angriffsaktion. © Jan Woitas/dpa

Der langjährige Handball-Nationalspieler Finn Lemke blickt vor dem heutigen WM-Viertelfinale auf das DHB-Team und Frankreich.

Viertelfinal-Zeit bei der Handball-WM: Die deutsche Nationalmannschaft bekommt es heute ab 20.30 Uhr (ZDF) in Danzig mit dem amtierenden Olympiasieger Frankreich zu tun. Für unsere Zeitung nimmt der langjährige Melsunger Nationalspieler Finn Lemke die beiden Teams unter die Lupe.

Die Torhüter

Die deutschen Torhüter Andreas Wolff und Joel Birlehm haben bisher einen besseren Eindruck hinterlassen als Frankreichs Nummer eins Vincent Gerard. Wolff dürfte zugutekommen, dass er mit Nedim Remili, Nicolas Tournat und Dylan Nahi auf drei Vereinskollegen trifft. Er weiß genau, was ihn erwartet. Der zukünftige Kieler Gerard versteht es aber, praktisch aus dem Nichts seinen Kasten zu vernageln. Zudem hat er eine starke Abwehr vor sich. Vorteil Deutschland

Die Abwehr

Beide Teams bauen auf eine 6:0-Deckung. Die Franzosen sind im Gegensatz zur deutschen Mannschaft maximal eingespielt und haben mit Ludovic Fabregas und Lukas Karabatic eine Top-Innenverteidigung. Die Equipe Tricolore profitiert in der Abwehr von der Blockbildung: Sie haben Blöcke aus Barcelona, Paris und Kielce. Unsere Verteidigung ist sehr stabil geworden und hat sich mit Johannes Golla und Julian Köster im Zentrum stetig gesteigert. Gegen Frankreich könnte auch die gegen Norwegen praktizierte 3:2:1-Deckung ein Mittel sein, um etwas den Dampf aus dem Rückraum des Gegners zu nehmen. leichter Vorteil Frankreich

Spielmacher: Kentin Mahé.
Spielmacher: Kentin Mahé. © Janek Skazynski/afp

Die Strategen

Spielmacher Juri Knorr entwickelt im deutschen Team unglaubliche Torgefahr. Seine ansatzlosen Schlagwürfe sind beeindruckend. Durch seine eigene Durchschlagskraft schafft er auch Räume für die Nebenleute. Bei den Franzosen ist Kentin Mahé nicht so gefährlich aus dem Rückraum, durch seine schnellen Bewegungen reißt er aber Lücken in die gegnerische Abwehr. Daraus ergeben sich gute Chancen für die Halben. Vorteil Deutschland

Der Angriff

Die Franzosen leben von ihrer individuellen Klasse mit Spielern wie Dika Mem und Remili. Die deutsche Mannschaft besticht durch ein gutes Kollektiv und hat sich eine gewisse Ballsicherheit erarbeitet. Während bei Frankreich die Kreisläufer Räume für die Rückraumschützen schaffen müssen, nutzt Deutschland den Kreis zu vielen Toren. Uns gelingt es durch Spieler wie Philipp Weber, Knorr, Köster und Kai Häfner, Golla und Jannik Kohlbacher in Szene zu setzen. Ein Pfund, mit dem das deutsche Team wuchern kann, ist das Tempospiel. Wir sind durch Knorr und Köster unglaublich schnell vorn. leichter Vorteil Frankreich

Die Trainer

Frankreichs Coach Guillaume Gille hat für einen Umschwung gesorgt. Das wurde mit dem Triumph bei den Olympischen Spielen in Tokio deutlich. Er hat sich bewährt. Allerdings muss er auch Profis wie den Karabatic-Brüdern Nikola und Luka nicht viel an die Hand geben. Bundestrainer Alfred Gislason verfügt über große Erfahrung. Er zeigt sich bei der WM super-erfolgshungrig. Seine Spieler sind bisher auf alle Gegner gut vorbereitet gewesen. Er stattet seine Jungs mit viel Selbstvertrauen aus. Vorteil Deutschland

Das Fazit

Es wird ein enges Duell. Frankreich kennt den Druck eines K.o-Spiels nur zu gut, kennt die Belastung. Ich hoffe, dass Deutschland die bisherigen Auftritte bestätigt und sich der deutsche Begeisterungs-Handball gegen das stark Individuelle durchsetzt. Die deutsche Mannschaft braucht einen starken Wolff, ein gutes Tempospiel und muss die technischen Fehler vermeiden. Wenn ihr das alles gelingt, dann hat sie eine gute Chance. (Björn Mahr)

Finn Lemke WM-Experte dieser Zeitung
Finn Lemke, WM-Experte dieser Zeitung © Fischer, Andreas

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