Coach bei Melsungen unter Druck, beim Gegner hoch geschätzt

Für MT-Trainer Gudmundsson geht es bei der Partie bei den Rhein-Neckar Löwen zurück ins alte Wohnzimmer

Einst bei den Löwen Seite an Seite: Trainer Gudmundur Gudmundsson (rechts) und Oliver Roggisch.
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Einst bei den Löwen Seite an Seite: Trainer Gudmundur Gudmundsson (rechts) und Oliver Roggisch.

Auswärtsspiel ist manchmal nicht gleich Auswärtsspiel. Wenn Gudmundur Gudmundsson am Sonntag ab 16 Uhr (Sky) mit Handball-Bundesligist MT Melsungen bei den Rhein-Neckar Löwen zu Gast ist, dann betritt er mit der Mannheimer SAP-Arena eine Halle, die für einige Jahre so etwas wie sein zweites Wohnzimmer war.

Kassel - Die Deutsche Meisterschaft verpasste der Isländer mit den Löwen im Frühling 2014 zwar durch ein Herzschlagfinale, die Erfolge bei den Badenern lassen sich aber dennoch sehen. Im April des gleichen Jahres führte Gudmundsson sein Team in der Arena zu einem 38:31-Sieg gegen den FC Barcelona. Gegen den FC BARCELONA! Der Auftritt ging als Sternstunde in die Vereinsgeschichte ein. 13 200 Fans waren aus dem Häuschen.

„Es war ein Projekt. Ich war fünf Jahre dort. Darauf bin ich immer noch stolz. Die Zeit werde ich nie vergessen“, sagt Gudmundsson vor seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte. Da seit Mittwoch auch klar ist, dass 250 Zuschauer zugelassen sein werden, ist damit zu rechnen, dass „Gudmi“ zu seiner Begrüßung vom Löwen-Anhang viel Beifall bekommt.

Derartigen Zuspruch erhält er von den Melsunger Fans zurzeit kaum. Nach dem erschreckend schwachen Auftritt und der Pleite im Pokalfinale gegen den TBV Lemgo Lippe steht der Isländer noch mehr in der Kritik als je zuvor. Das Erreichen eines Europacup-Platzes ist allerdings nach wie vor möglich.

„Ich erwarte, dass wir weiter sehr professionell arbeiten und bis zum letzten Saisonspiel alles geben“, erklärt Gudmundsson. Nach zwei freien Tagen nahm die MT am Mittwoch wieder das Training auf. Auch wieder dabei: die zuletzt verletzungsbedingt fehlenden Felix Danner und Michael Allendorf. Der 60 Jahre alte Gudmundsson hofft, dass sein Team dort anknüpft, wo es am Sonntag mit dem wichtigen 30:28-Derbyerfolg in der Kasseler Rothenbach-Halle gegen Wetzlar aufgehört hatte.

Während seiner Zeit bei den Löwen lief es in den ersten beiden Jahren alles andere als rund. Erst als der Kader nach seinem Geschmack zusammengestellt war, drehten die Mannheimer mächtig auf. 2013 eroberte die Mannschaft unter seiner Führung den EHF-Pokal – es war nach seinem Einstieg bei den Badenern 2010 der erste große Titel. Noch heute genießt er bei Spielern wie dem Schweizer Regisseur Andy Schmid großen Respekt. Der mittlerweile bei den Löwen als Sportlicher Leiter tätige Oliver Roggisch blühte damals als Abwehrchef unter Gudmundsson richtig auf.

Das letzte Mal, dass der erfahrene Handball-Lehrer in der SAP-Arena an der Seitenlinie agierte, ist noch gar nicht lange her. Anfang Januar 2020 war er mit der isländischen Nationalmannschaft in Mannheim zu Gast. Die Inseleuropäer unterlagen der deutschen Auswahl 25:33. Wie es sich für ihn anfühlte – nicht wie ein Auswärtsspiel. (Björn Mahr)

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