MT mischt die Liga auf – die Zuschauerzahlen sind enttäuschend

Michael Roth

Kassel. Fans der MT Melsungen müssen sich vermutlich öfter die Augen reiben. Der heimische Handball-Bundesligist ist nach dem fünften Spieltag auf den zweiten Tabellenplatz geklettert. Am Dienstag stand gleich in mehreren Zeitungen und Online-Portalen, wie furios die Nordhessen derzeit die Liga aufmischen.

Das Kuriose daran ist: In Kassel und Umgebung kriegen davon nur wenige etwas mit – zumindest live. Zum deutlichen Erfolg gegen Balingen am Samstagabend kamen nur etwas mehr als 1800 Zuschauer in die Kasseler Rothenbach-Halle.

„Das ist natürlich sehr frustrierend“, sagt Christine Höhmann, Marketing-Leiterin der MT Melsungen. Dabei stimme doch derzeit einfach alles: Erste Liga, sympathische Truppe, spannende Auftritte, „und obwohl nur 1800 Zuschauer den Weg in die Halle fanden, war die Stimmung sensationell“.

Eine Erklärung für das geringe Interesse hat Höhmann nicht parat. Aber wie können die Leute zu den MT-Heimspielen gelockt werden? Die Überlegungen seien in vollem Gange. Lustige Ideen für peppige Werbeslogans liegen ja momentan auf der Hand – zum Beispiel: Jetzt ist nur noch Kiel vor uns! „Es ist aber sehr schwierig, die Leute zu mobilisieren“, erklärt die Marketing-Expertin. Aus Erfahrung weiß sie, dass fast jeder, der zum ersten Mal ein Heimspiel besucht hat, von der Atmosphäre überrascht war. „Die Leute sollten einfach den ersten Schritt machen, in die Halle kommen und das Flair aufsaugen“, sagt Höhmann. Die Begeisterung käme dann von ganz allein.

Die Mannschaft trägt auf jeden Fall ihren Teil dazu bei. „Es macht Spaß mit der Truppe – jetzt, wo alle dabei sind“, hatte Michael Roth nach der Partie gegen Balingen gesagt. Angesprochen auf die geringe Zuschauerzahl hatte der Trainer vorgeschlagen, jeder der Fans solle zum nächsten Heimspiel einfach noch einen mitbringen – dann wäre die Halle voll. Er sagt aber auch. „Solange die knapp 2000 Zuschauer solch einen Lärm machen wie am Samstagabend, können wir damit gut leben.“

Er wisse, dass es hier in der Region zahlreiche Handball-Fans gibt. „Jetzt müssen wir weiter positiv auf uns aufmerksam machen.“ Allerdings sei ihm auch bewusst, dass es nicht ganz leicht ist, wenn ein Team in einem Ort spielt, aus dem es nicht stammt. Dies sei ein Prozess, der gerade erst begonnen habe und der nicht von heute auf morgen abgeschlossen sei.

Was das Thema Namensänderung betrifft – da müsse es mittelfristig eine Entscheidung geben, sieht Christine Höhmann ein. „Wir dürfen dabei aber nichts überstürzen.“

Wenn die MT weiter für Furore sorgt, dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die Halle mal voll ist. Vielleicht ja schon am 15. Oktober gegen den Bergischen HC. Aber jetzt heißt es erst einmal: Tabelle genießen.

Von Robin Lipke

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